Gestern war der seit langem herbeigesehnte Tag: Wir konnten endlich die Schlüssel für unser neues Haus in Empfang nehmen! Mittags um zwölf haben wir uns vor Ort mit dem Verkäufer getroffen, um gemeinsam durchs Haus zu gehen und ein paar Dinge abzusprechen und das Übergabeprotokoll zu unterzeichnen. Nur schweren Herzens konnte er sich von der Immobilie trennen …
Nachdem wir kurz besprochen haben, welche Räume wir als erstes renovieren wollen, sind wir auch gleich los zum Baumarkt und haben uns mit Farbe, Lack und Pinsel eingedeckt.
Allerdings wird es wohl noch etwas dauern, bis Pinsel und Farbrolle geschwungen werden — gestern Abend kam Freund Oliver vorbei, der früher in der Uni Oslo gearbeitet hat und nun wieder in Deutschland ist. Er hatte beruflich in Stavanger zu tun und war deswegen in der Stadt. Lustige Parallele: Schon 2006, beim Kauf unseres Hauses in Oslo, war er der erste aus unserem Freundeskreis, der unser Haus von innen sah; so also auch dieses Mal.
Für heute haben sich ein paar Kollegen angekündigt, so dass wir heute auch noch nicht viel schaffen werden. Dabei juckt es uns so in den Fingern …
Anbei ein paar Detailaufnahmen aus dem Haus (aufs Foto klicken, um ein etwas größeres Bild angezeigt zu bekommen).
Seit gestern früh sind wir zurück von unserer Dienstreise nach Kreta. Zusammen mit ca. 30 Kollegen von der Universität waren wir für eine gute Woche auf der griechischen Insel. Wir wohnten in einem Appartmenthotel in Platanias, ca. 10 km westlich der Stadt Chania, an der Nordküste Kretas. Anlass der Reise war die Unterzeichnung eines Partnerschaftsabkommens zwischen meinem Institut und der Technischen Universität von Kreta.
Erinnerung an die alte Heimat: Könecke-Salami aus Bremen auf Kreta
Platanias ist ein kleiner Touristenort, der während der Saison wohl ausschließlich von Urlaubern aus Skandinavien heimgesucht wird. Schon jetzt trifft man allerorten auf Norweger, Schweden, Dänen und vereinzelt Finnen; die vielen Restaurants schmücken sich mit Flaggen dieser Länder und haben häufig entsprechend übersetzte Speisekarten. Unser Hotel hatte direkten Zugang zum Strand, Strandbar inklusive. Gleich nebenan fanden sich kleine Supermärkte, deren Preise sich annähernd auf norwegischem Niveau befanden — nur Alkohol war deutlich billiger zu haben als hierzulande. Im Kühlregal trafen wir auf „Bekannte” aus der alten Heimat — Wurst von Könecke (einer Fleischwarenfabrik aus Bremen, zu der wir in unmittelbarer Sicht- und Geruchsweite wohnten).
Kaninchen mit „Socken” auf dem Markt von Chania
Neben der Technischen Universität und dem Strand bekamen wir auch einige Sehenswürdigkeiten Kretas zu sehen: Die Samaria-Schlucht, die Altstadt Chanias und Knossos, beispielsweise.
Die Samaria-Schlucht ist mit ca. 12 km Länge eine der längsten Schluchten Europas; wir durchwanderten sie „von oben nach unten” und bewältigten dabei rund 1200 Höhenmeter — zuviel für mein linkes Knie. Tania quälte sich auf den letzten 8 Kilometern mit mehreren Blasen an den Füßen. Am Ende brauchten wir sieben Stunden für die insgesamt 16 km lange Tour. An den folgenden Tagen liefen doch so einige unserer Kollegen etwas „unrund”. Unser Reiseführer hat den typischen Gang der Samaria-Wanderer treffend als „duck walk” bezeichnet.
In dem ganzen Wochenendtrubel ist völlig untergegangen, dass wir Oslo nun endgültig abgewickelt haben. Freitag fuhren wir ein letztes Mal zu unserem Haus; Samstagvormittag war dann hektisches Putzen angesagt, denn um 12 Uhr sollte die Hausübergabe stattfinden. Die Käufer kamen dann auch pünktlich und vor allem sehr gespannt an — immerhin haben sie das Haus vor 2,5 Monaten zuletzt gesehen. Sie konnten sich kaum noch dran erinnern, schienen aber beim Gang durch die Immobilie sehr zufrieden mit ihrem Kauf. Wir haben noch ein paar Details erklärt, und nach dem Ausfüllen einiger Formulare und der Schlüsselübergabe waren der offiziellen Dinge Genüge getan. Samstag Abend kamen wir dann vorerst endgültig in Stavanger an. Wir machen drei Kreuze, dass wir nun nicht mehr ständig durch Südnorwegen reisen müssen!
In Norwegen ist heute Nationalfeiertag, und das nicht nur, weil Alexander Rybak gestern in Moskau den Eurovision Song Contest gewonnen hat.
17.-Mai-Umzug in der Holbergs gate
Wie wir bereits ausführten, sind Kinderumzüge traditionell Teil des Feiertages. Zufällig führte der Kinderumzug (barnetoget) in Stavanger durch unsere Straße, so dass ich aus unserer Wohnung heraus ein kurzes Video und ein paar Fotos machen konnte.
Das Video zeigt den Beginn des Umzuges, der durch ein altes Feuerwehrauto markiert wird. Dahinter folgen Kindergärten, Pfadfinder, der Spielmannszug der Eisenbahn, das 17.-Mai-Komitee sowie Vertreter des Jugendamtes der Gemeinde Stavanger.
Ein Land im Ausnahmezustand: Nur so lässt sich wohl der spontane Gefühlsausbruch der Moderatorin des norwegischen Fernsehsenders NRK, Synnøve Svabø, erklären, die mit obiger Aussage die 12 Punkte aus Deutschland für den norwegischen Beitrag zum Eurovision Song Contest kommentierte. Dabei war der Abend zu diesem Zeitpunkt noch relativ jung; weitere 12-Punkte-Ergebnisse sollten folgen und Norwegen somit den insgesamt dritten Sieg in der Geschichte des ESC bescheren.
Das war ja wieder ein toller Grand-Prix-Abend! Zum einen haben die Russen als Veranstalter eine ziemlich beeindruckende Show zur Eröffnung und während der Abstimmungspause geboten, zum anderen waren die meisten Teilnehmer tatsächlich im Stande, live zu singen! Ein Lob verdient in diesem Zusammenhang sicherlich der Grieche Sakis Rouvas, der trotz ausgeführter aufwändiger Akrobatik ausreichend Luft hatte, seinen Titel This is our night gesanglich einwandfrei rüberzubringen.
Ausgesprochen akrobatisch ging es dann ja auch beim norwegischen Beitrag zu: „Unser” Alexander Rybak wurde von einer Gruppe Tänzer umrahmt, die einen aus dem Hallingdal stammenden Volkstanz aufführten. Die Tänzer mussten dabei aber nicht singen 😉
Wir haben es ja schon immer gewusst: Der Siegertitel „Fairytale” hatte das Zeug, die unterschiedlichen Musikgeschmäcker Europas zu treffen. Die begehrten 12 Punkte gab es aus Ländern wie Spanien, Deutschland (siehe oben), Israel, Slowenien, Ungarn, Polen und Russland, um nur einige zu nennen. Insgesamt 16 Länder vergaben die Höchstpunktzahl, so dass Alexander am Ende auf 387 Punkte kam — damit ist er der erste Künstler, der mehr als 300 Punkte erzielte.
Und nun sind natürlich auch die Plattenfirmen auf ihn aufmerksam geworden: Alexander soll Verträge für 20 Länder unterschrieben haben.
Enttäuschend fanden wir das Abschneiden Deutschlands, das ja nur 35 Punkte einfahren konnte. Da gab es wirklich Schlechteres zu hören!
Und nun noch ein paar Worte zur Überschrift dieses Artikels: Offenbar handelt es sich dabei um ein Zitat aus einem Pornofilm aus den achtziger Jahren mit der deutschen Hauptdarstellerin Helga Sven, der in Norwegen weitläufig bekannt zu sein scheint. Selbst Norweger, die sonst kein Deutsch sprechen, können zumindest diesen einen Satz! Viele Norweger halten den Namen Helga für typisch deutsch; dabei ist dieser Name nordischen Ursprungs.
Update
Die Begeisterung kennt keine Grenzen — Alexander Rybak ist Norwegens neuer Held! Auch seine ehemalige Schule hat auf seinen Sieg gesetzt und zur 17.-Mai-Feier Fairytale einstudiert. Leicht schräg vielleicht, aber dennoch hörenswert 🙂
Update 2
Die Begeisterung kennt überhaupt keine Grenzen: Das Glockenspiel auf dem Osloer Rathaus wird in dieser Woche jeweils um 12, 16 und 18 Uhr Fairytale interpretieren.
… werfen bekanntlich ihre Schatten voraus. Gleich zwei davon stehen in den kommenden Tagen an.
Eurovision Song Contest
Seit einigen Jahren genießt der Eurovison Song Contest, der früher einmal stolz Grand Prix de la Chanson d’Eurovision hieß, auch in Norwegen wieder allerhöchste Priorität. Nach dem guten Abschneiden im letzten Jahr (Platz 5) setzt man hierzulande in diesem Jahr auf Sieg. Norwegen schickt den Sohn weißrussischer Einwanderer, Alexander Rybak, ins Finale nach Moskau. Ich als alter Kenner der Szene meine, dass er sehr gute Chancen hat, am Sonnabend zu gewinnen.
Als ich Alexanders Titel zum ersten Mal während einer der vier norwegischen Vorausscheidungen hörte, hatte ich gleich das Gefühl, dass sein Lied „Fairytale” den Sieg holen kann. Hinzu kommt noch, dass er ein sympatisches Kerlchen ist, der vermutlich die Herzen (und Stimmen) aller weiblichen Zuschauer erobern wird.
In Norwegen ist er auf jeden Fall seit vierzehn Wochen unter den Top 4 der Charts; acht Wochen davon auf Platz 1. Wer keine Gelegenheit hat, heute Abend im Halbfinale (da muss er natürlich erst einmal durchkommen) oder am Sonnabend unseren Alexander zu sehen, kann hier einen Blick auf das offizielle ESC-Video werfen, das von der norwegischen Endausscheidung stammt:
Sonntag ist 17. Mai, Norwegens Nationalfeiertag (oder grunnlovsdag — Grundgesetztag). An diesem Tag im Jahr 1814 unterschrieb und besiegelte die Reichsversammlung im Städtchen Eidsvoll das norwegische Grundgesetz. Seither wird dieser Tag landesweit mit Kinderumzügen gefeiert, so auch in diesem Jahr.
In Oslo ziehen Spielmannszüge aus den Schulen der Stadt durch die Karl Johans gate hoch zum Schloss, wo Königens auf dem Balkon stehen und huldvoll winken.
Auch in den übrigen Städten und Dörfern des Landes finden solche Umzüge statt, nur dass eben der König fehlt.
Gestern bekamen speziell die ausländischen Angestellten in meinem Institut ein E-Mail mit Informationen rund um den 17. Mai in Stavanger und Sandnes, einer benachbarten Stadt. Man muss sagen, das Ganze ist kein Zuckerschlecken! Bereits um sieben Uhr morgens beginnt das Programm mit Kranzniederlegungen für gefallene Soldaten. Gleichzeitig laufen die verschiedenen Spielmannszüge musizierend von den Schulen los zum Startpunkt des Kinderzuges, der wiederum ab neun Uhr auf einer festgelegten Route durch die Stadt führt.
Den ganzen Tag über finden an verschiedenen Orten Konzerte, Gedichtlesungen, Vorführungen aller Art und viele weitere spannende Veranstaltungen statt.
Ganz wichtig dabei ist natürlich, wie das Wetter wird. Deswegen wird auf P4, einem norwegischen Radiosender, seit Montag jeden Morgen ein Meteorologe interviewt, der Auskunft gibt über den aktuellen Erkenntnisstand — mit Vorhersagen für das gesamte Land, versteht sich …
Ich komme gerade von meiner Dienstreise nach Finse zurück. Als wir auf dem Flughafen von Bergen — Flesland — auf unseren Flieger nach Stavanger warteten, habe ich mitbekommen, wie an der Flughafenbar ein Däne etwas zu trinken bestellte:
Der Däne: „Könnte ich bitte einen doppelten Whisky bekommen?”
Bedienung: „Nein — das ist nicht erlaubt in Norwegen! Aber ich kann dir zwei Kleine geben — du kannst sie dann selbst in ein Glas schütten!”
Kopfschüttelnd und sprachlos kippte der Däne seine zwei Gläser mit Whisky zusammen und reichte der Bedienung das eine Glas zurück.
Man sieht, hierzulande wird einiges getan, um erhöhtem Alkoholkosum vorzubeugen!
Ich bin gerade auf Dienstreise in Finse. Mit etwa 50 meiner Kollegen bin ich gestern per Bus, Flugzeug und Zug zu einem Seminar nach Finse gereist; ein ganz schöner Trip. Finse ist ein kleiner Ort im norwegischen Hochland und befindet sich in einer Höhe von 1222 m über dem Meeresspiegel. Der Ort liegt direkt an der Eisenbahnstrecke Oslo–Bergen („Bergensbanen”) und hat den höchstgelegenen Bahnhof des Eisenbahnnetzes in Norwegen. Für den interessierten Eisenbahnfan kann ich noch erwähnen, dass die Bahnstrecke am 27. November 1909 von König Haakon VII. feierlich eröffnet wurde, nach insgesamt 38 Jahren Bauzeit. Finse befindet sich übrigens genau 302,1 km von Oslo und 169,1 km von Bergen entfernt.
Hoch ist es hier ansonsten wirklich. Es liegen nicht nur noch mehrere Meter Schnee und wir haben Minusgrade, sondern man merkt die Höhe auch an anderen Kleinigkeiten. So ist heute morgen beim Applizieren meines Deos wegen des veränderten Luftdruckes die Kugel aus meinem Deoroller geploppt und lustig durch das Hotelzimmer gehüpft — sowas hab ich noch nicht erlebt. Ich würde auch gerne meine heutigen Kopfschmerzen auf die dünnere Luft schieben, aber wahrscheinlich gab es gestern Abend doch etwas zu viel Wein zum Essen …
Wir sind hier nun also in geselliger Runde, hören Vorträge, diskutieren Projekte und lassen es uns gut gehen. Im Moment ist gerade 4-stündige Mittagspause, die der Großteil meiner einheimischen Kollegen natürlich zum Skilaufen nutzt; viele haben ihre eigenen Ski nach Finse mitgebracht.
Viel weisse Landschaft in Finse
Die Szenerie ist wirklich sehenswert, und das Wetter bombig. Ich habe noch nie eine so ausgedehnte Schneefläche gesehen, ohne Bäume und nur gelegentlich durch einige Felsen durchbrochen. Die Sonne scheint, und ich kann gut nachvollziehen, dass man schneeblind werden kann. Beim nächsten Mal werde ich ganz sicher auch eine Sonnenbrille mitbringen!
So, aber nun will ich auch mal in die Sonne gehen — wenn auch ohne Bretter unter den Füßen.
Angeblich soll Istanbul ja viel schöner sein als Berlin, das ist ja wohl die Meinung vieler Anhänger eines Sportvereins in Bremens nordöstlichem Vorort. Nun ja, die Spieler und Fans des SV Werder werden es selbst feststellen und erleben dürfen!
Der Bericht über unser Forschungsprojekt im Magazin der Universität Stavanger (siehe Blogeintrag) schlägt ganz schöne Wellen. Das Thema ist für die norwegische Ölindustrie von großer Bedeutung, aber auch international von einiger Brisanz. Entsprechend ist das Medieninteresse immens; es gibt Teile des Artikels inzwischen auch in anderen Onlinemedien (siehe Linksammlung unter diesem Eintrag). Aber tatsächlich wird uns von allen Seiten persönlich zu den bisherigen Ergebnissen gratuliert, und auch von (entfernten) Bekannten, die für Ölfirmen arbeiten, bekomme ich über E-Mail sehr positive Rückmeldungen. Obwohl ich immer noch mit dem für mich sehr fremden Themenkomplex kämpfe, bin ich doch froh, dass ich in ein derartig interdisziplinäres Projekt eingebunden bin und nun Forschung mit konkretem Anwendungsbezug mache.
Science Daily („Solving The Chalk Mystery To Generate Billions …”, Englisch)
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Evolution des Artikels von einem Bericht über unser Forschungsprojekt zu der (leicht vorausgegriffenen) Lösung der untersuchten Problemstellung, bis hin zum prognostizierten Milliardengewinn für die Ölindustrie durch unsere Ergebnisse. Im nächsten Artikel wird sicher die Lösung der globalen Energieprobleme durch uns angekündigt!