Frohes Fest!

Seit ein paar Tagen steigt die Anzahl der mit dem SARS-CoV-2-Virus Infizierten in Norwegen wieder stark an. Grund dafür dürfte sein, dass rund ein Viertel der norwegischen Bevölkerung zu Weihnachten „nach Hause“ zu Eltern und Großeltern reist. Viele arbeiten in den Städten, wo es eine größere Infektionsdichte gibt als in ländlicheren Regionen; auf diese Weise wird das Virus nun effektiv verteilt 🙂

Ich war gestern Nachmittag in der Innenstadt und habe ein paar Aufnahmen vom weihnachtlichen Stavanger gemacht. Also dann, schenkt euch noch einen ein und dann weiterhin schöne Feiertage!

Zweite Welle abgeritten

Auch Norwegen ist momentan von der „zweiten Welle“ der Covid-19-Infektionen betroffen, allerdings weniger stark als Deutschland. Während Deutschland inzwischen fast flächendeckend sehr hohe Infektionsraten aufweist, haben wir es in Norwegen bisher mit lokalen Ausbrüchen zu tun gehabt. Hauptsächlich betroffen sind dabei die Städte: Oslo und Bergen kämpfen schon seit dem Ende des Sommers mit sehr hohen Werten, zwischendurch kamen Tromsø und Drammen hinzu. Aber auch eher ländlich geprägte Gegenden kommen immer wieder in die Schlagzeilen; vor knapp zwei Wochen schnellten die Infektionszahlen in der Gemeinde Lyngdal im Süden Norwegens nach oben – Grund dafür war ein größeres Treffen im christlich-fundamentalistischen Bethaus-Milieu. Ähnliches passierte vor einer Weile in Fredrikstad, wo sich viele Muslime getroffen hatten und offensichtlich die Abstandsregeln nicht eingehalten haben.

Man sieht also: Beten und Frömmigkeit helfen offensichtlich nicht gegen Corona!

Landesweit gesehen geht die Anzahl der Neuinfizierten nun leicht zurück; der Inzidenzwert liegt bei 146 per 100.000 Einwohner. In Stavanger sieht es bei 60/100.000 im Moment so aus, als ob wir die zweite Welle hinter uns hätten.

Stavanger Vågen bei Nacht
Alles ruhig: Stavanger während der Pandemi

Uns geht es bei alldem immer noch gut. Nach zuvor stark ansteigenden Infektionszahlen gelten in Stavanger zur Zeit wieder verschärfte Maßnahmen; u.a. wird empfohlen, dass jeder, der es irgendwie ermöglichen kann, vom Homeoffice aus arbeitet. Allerdings haben wir keinen Lockdown wie im Frühling; Schulen, Universitäten, Geschäfte, Kneipen und Restaurants haben geöffnet, und die jeweils geltenden Maßnahmen unterscheiden sich von Gemeinde zu Gemeinde – je nachdem, wie hoch die Infektionszahlen vor Ort sind.

Am Freitag waren wir zum Essen in einem Restaurant und danach noch in zwei Pubs. An und für sich sollte man ja zu Hause bleiben und die sozialen Kontakte minimieren, andererseits wollen wir auch in Zukunft, wenn diese Pandemie überstanden ist, auf ein breites Gastronomieangebot zurückgreifen zu können. Abgesehen davon werden nach unseren Erfahrungen die geltenden Abstands- und Hygieneregeln in Restaurants und Kneipen eingehalten.

Ein typischer Besuch in einer Kneipe beispielsweise verläuft bei uns folgendermaßen: Beim Betreten des Lokals wird mit dem Smartphone ein QR-Code eingescannt, über den man auf eine Registrierungswebseite gelangt. Dort trägt man Namen und Telefonnummer ein, um im Infektionsfall die Detektivarbeit der Gesundheitsämter zu erleichtern. Bestellt wird am Tisch, ebenfalls per Smartphone und Webseite. Das Menü vom Cardinal beispielsweise ist hier einsehbar, På Kornet hat sein Menü hier. Nach erfolgter Bestellung wird vorzugsweise per Bezahlapp bezahlt, aber Bank- oder Kreditkarte funktionieren natürlich auch. Die Bestellungen laufen dann an der Theke auf und schlussendlich wird das bestellte Bier am Tisch serviert. Schön für uns, aber die Bedienungen sind natürlich viel mehr in Bewegung als früher 😉

Altmetall vorm Haus

Nur über Umwege konnten wir heute nach der Arbeit unser Haus erreichen, da viele Straßen in der Nachbarschaft wegen Filmaufnahmen gesperrt waren. Zur Zeit wird die zweite Staffel der norwegischen Fernsehserie Lykkeland (in etwa: Glücksland) gedreht, die den Wandel Stavangers von einer pietistischen, von Fischerei, Seefahrt und Landwirtschaft geprägten Provinzstadt zur reichen Ölstadt beschreibt.

Ein blauer Opel Rekord C am Straßenrand
Gut in Schuss: Opel Rekord 1900

Während die erste Staffel im Jahr 1969 spielte, dem Jahr, als in der Nordsee vor Norwegen das erste Öl entdeckt wurde, handelt die zweite Staffel von den wilden 70-er und 80-er Jahren, eine Zeit, in der hemdsärmelige Cowboymentalität das Geschäft bestimmte.

Skoda 1000 B und Opel Rekord C Caravan auf einem Parkplatz
Škoda 1000 MB und Opel Rekord Caravan

Um für die Aufnahmen das zeitlich passende Ambiente zu schaffen, mussten wir unser Auto heute woanders parken, und an anderen Häusern in der Nachbarschaft wurden beispielsweise Parabolantennen demontiert.

Lloyd Arabella in einer Straße in Stavanger
Ordentlich Altmetall: Lloyd Arabella und Austin Maxi

Und (fast) vor unserem Haus stand eine Lloyd Arabella, ein Auto, das von 1959 bis 1963 in Bremen gebaut wurde. Direkt vor unserem Haus parkte ein Austin Maxi aus den siebziger Jahren. In weitere Statistenrollen kamen zwei Opel Rekord C, ein Škoda 1000 MB sowie eine 70-er Jahre S-Klasse vor, und ein Volvo 140 durfte natürlich auch nicht fehlen, schließlich sind wir hier in Skandinavien 😉

Nun sind wir natürlich gespannt, ob unser Haus es auch in die Serie geschafft hat – 2022 werden wir es erfahren.

Sommer

Was macht man während des Sommerurlaubs in Zeiten einer Pandemie? Ursprünglich hatten wir eine Fahrradtour nach Kopenhagen geplant, hatten uns aber schon im Winter entschieden, die Tour nicht zu machen – die Vorstellung, während einer Rad- und Campingtour an Corona zu erkranken, war nicht so verlockend . Im Nachhinein stellte sich ja auch heraus, dass wir aufgrund der bestehenden Reisebeschränkungen während unseres Urlaubs gar nicht hätten reisen können.

Nur das eigene Zelt auf dem Campingplatz Buøy Camping in Dalen
Noch Platz: Wenige Touristen in Dalen

Somit fiel die Entscheidung, im Großen und Ganzen zu Hause zu bleiben und mehrere kurze Auto- und Radtouren in der Umgebung zu unternehmen, mit einer Ausnahme: Zu Beginn unseres Urlaubs Anfang Juli stand eine Tour nach Oslo auf dem Programm, wo Tania einen Termin bei der deutschen Botschaft hatte.

Wenige Touristen im Vigelands-Park, Oslo
Noch Platz: Wenige Touristen im Vigelands-Park

Die Tour nach Oslo gingen wir ruhig an – auf dem Hinweg fuhren wir „über das Gebirge“ – eine Strecke, die zum Teil über schmale Passstraßen führt – und legten eine Übernachtung in Dalen ein. In Oslo selbst hatten wir zwei Übernachtungen in einem zentral gelegenen Hotel. So hatten wir Gelegenheit, ein paar neue Pubs kennenzulernen.

Den Rückweg nach Stavanger ging zunächst über Kristiansand, wo Tania sich in einem speziellen Teegeschäft bevorratete. Von dort aus ging es weiter nach Hornnes, einem kleinen Ort im Setesdal, wo wir wieder übernachteten, ehe es am nächsten Tag zurück nach Stavanger ging.

Aufgrund schlechten Wetters fiel dann unsere ursprüngliche Urlaubsplanung sprichwörtlich ins Wasser – nach Radtouren und Ausflügen war uns nicht zumute. Im Juli gab es nur einen Tag, an dem die Temperatur in Stavanger die 20-Grad-Grenze überschritt, und das war am einunddreißigsten 🙂

Ungewohnte Zutaten in der Brauerei: Apfelmost und Johannisbeersaft

Dafür haben wir allein im Juli viermal brauen können. Das war aber auch nötig – dadurch, dass wir den Urlaub zum größten Teil zu Hause verbrachten, wurden unsere Biervorräte arg ausgedünnt. So konnten wir ein Belgisches Blond, einen Apfel-Johannisbeer-Cider und zwei American Pale Ales herstellen.

Grund zur Freude hatten wir auch Anfang August: In unserer direkten Nachbarschaft eröffnete die örtliche Brauerei Lervig einen Brewpub. Laut Google Maps sind es nur 280 m, aber es geht noch etwas kürzer 🙂 Mit anderen Worten: Falls vor der Toilette mal ’ne Schlange ist, gehen wir lieber zu Hause aufs Klo, das geht vermutlich schneller!

Mitte August bekamen wir wieder Besuch von meinen (A.) Eltern. Sie hatten die Reise nach Norwegen schon vor langer Zeit gebucht, und es war lange unklar, ob die Reise aufgrund der geltenden Beschränkungen in Dänemark und Norwegen überhaupt hätte durchgeführt werden können. Seit 15. Juli waren die Grenzen für Deutsche wieder geöffnet, aber inzwischen zählt Deutschland (wie der Rest von Kontinentaleuropa) aufgrund der hohen Anzahl an Neuinfizierten wieder als „rotes“ Land; eine Einreise nach Norwegen würde derzeit wieder eine 10-tägige Quarantäne nach sich ziehen.

Alles halb so schlimm?

Seit rund vier Wochen geht es in Norwegen schrittweise in Richtung Normalzustand. Wirtschaftlich geht es wieder aufwärts – die Anzahl der Arbeitslosen hat sich seit dem Höchststand im März (ca. 10 %) fast halbiert auf 5,5 %. Allerdings lag die Arbeitslosigkeit vor der Corona-Krise bei rund 3,5 % – da ist also noch etwas Luft. Der Kurs der norwegischen Krone gegenüber dem Euro hat sich ebenfalls normalisiert. Ein Euro kostet nun rund 10,80 kr, gegenüber 13 kr im März. Schulen und Universitäten haben wieder normal geöffnet, allerdings sind seit Montag Schulferien, und an den Unis ist jetzt auch nicht mehr los.

Sieht alles aus wie immer: Kvitsøyfjord
Sieht alles aus wie immer: Kvitsøyfjord

Auch bei uns persönlich geht es mehr in Richtung Normalität. Ich bin bereits seit Pfingsten wieder am Arbeitsplatz. Tania könnte auch ins Büro zurückkehren, aber sie kann ihre Arbeit genauso gut von zu Hause aus erledigen, weshalb sie noch weiter im Homeoffice bleibt.

Die Anzahl der Covid-19-Ansteckungen und -Erkrankungen ist in Norwegen und speziell in unserer Region sehr niedrig. In Stavanger selbst gibt es seit dem 12. Mai keinen registrierten Ansteckungsfall.

Starke Einschränkungen gibt es allerdings noch bei den Auslandsreisen. Im Moment ist Norwegen das „geschlossenste“ Land innerhalb von EU und EWR. Island, Finnland und Dänemark – das sind die Länder, in die wir z.Zt. reisen dürfen, ohne bei der Rückkehr nach Norwegen erst einmal für 10 Tage in Quarantäne zu müssen. Gleichermaßen besteht ein Einreiseverbot nach Norwegen für Bürger aller anderen Länder. Allerdings hat die Regierung gestern eine Lockerung bekanntgegeben: Ab dem 15. Juli dürfen wir auch in Länder reisen, die zum Schengen- oder EWR-Gebiet gehören – abgesehen von Schweden. Sollte sich die Situation in diesen Ländern in der Zukunft ändern, können die Maßnahmen allerdings wieder verschärft werden. Entsprechend verhält es sich auch bei der Einreise nach Norwegen.

Uns ist es egal – für uns steht schon lange fest, dass wir unseren Urlaub in diesem Jahr größtenteils in der Region verbringen werden.

Norwegen macht wieder auf!

Gestern hat die norwegische Regierung beschlossen, das Land nun nach und nach wieder zu öffnen. Nachdem Norwegen zu Beginn der Corona-Krise vor rund zwei Monaten relativ viele Erkrankte hatte, gehen die Zahlen der (ermittelten) Infizierten, Erkrankten und im Krankenhaus behandelten Personen nun stark zurück. Zur Zeit liegt die Anzahl der Neuinfektionen bei rund 40 pro Tag (Deutschland: ca. 1200). In Rogaland, der Provinz, zu der auch Stavanger gehört, gibt es derzeit noch zwei Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden. Vor zwei Monaten gehörte Rogaland noch zu den Corona-Hotspots im Lande.

Schon in der letzten Woche gab es Lockerungen der bisher geltenden Beschränkungen. Seit Mittwoch durften wieder Pubs und Kneipen öffnen, allerdings unter der Maßgabe, dass stets ein Abstand von 1 Meter zwischen Gästen und Angestellten zu wahren ist. Zudem müssen alle Gäste sitzen und es muss in allen Lokalitäten Essbares angeboten werden. Kurios dabei: Die Gäste müssen nicht unbedingt etwas verzehren, und Kneipen, die sonst nichts zu essen anbieten, können mit anderen Restaurants kooperieren, um so Essbares auf das Menü zu zaubern.

Bis zum 15. Juni sollen die meisten Beschränkungen aufgehoben werden, abgesehen natürlich von den „Hygieneregeln“ Hände waschen, Abstand halten, in die Ellenbeuge husten.

So sollen ab kommenden Montag wieder alle Schulen öffnen. Erlaubt sind außerdem Gruppen von bis zu 20 Personen und, ab 7. Juni, Veranstaltungen mit bis zu 200 Personen. Schwimmbäder und Fitnesscenter dürfen ab 15. Juni öffnen, und einen Tag später geht es auch endlich mit dem Fußball in Norwegens erster Liga los. Wegen der klimatischen Bedingungen verläuft die Saison von Ende März bis Ende November, d.h. in diesem Jahr wurde noch kein Spiel gespielt.

Über den Sommer bestehen bleibt allerdings die Quarantäneregelung, nach der aus dem Ausland Einreisende zunächst zehn Tage in Quarantäne müssen.

Für uns bedeuten die Lockerungen noch keine Änderung unseres Corona-Alltags, aber es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis wir unser lieb gewonnenes Homeoffice verlassen müssen 😉

Homeoffice - bald schon ohne uns?
Homeoffice – bald schon ohne uns?

Stubenhocker

Inzwischen sind wir in der fünften „Corona-Woche“, was für uns bedeutet, dass wir von zu Hause aus arbeiten. Tania hat in der Regel mehrere virtuelle Meetings täglich, die über das Internet abgehalten werden. Bei mir ist es da etwas ruhiger – die Kommunikation mit Studenten und Kollegen, die auch alle von zu Hause aus arbeiten, läuft meistens via E-Mail. Sie haben Fernzugang zu ihren Arbeitsstationen in Büros und Computerlabs und können so ihre Aufgaben erledigen und ihre Bachelor- bzw. Masterarbeiten anfertigen. Im Großen und Ganzen funktioniert das ganz gut, nur gelegentlich muss ich eingreifen und beispielsweise einen PC aus der Ferne neu starten.

Latüchte: Tanias neuestes Tiffany-Erzeugnis
Latüchte: Tanias neuestes Tiffany-Erzeugnis

Die Situation ist für uns eigentlich annähernd optimal: Durch den weggefallenen Arbeitsweg haben wir mehr Freizeit, die wir mit unseren häuslichen Hobbys, wie z.B. Heimbrauen, gut auszufüllen wissen. Ungefähr alle zehn Tage verlassen wir mal das Haus, um einzukaufen – das warʼs auch schon. Der Begriff Hausarrest hat für uns auf jeden Fall seinen Schrecken verloren 🙂

Die gesundheitliche Situation in Norwegen entspannt sich zunehmend. COVID-19-Neuinfektionen gibt es zur Zeit hauptsächlich in Oslo und Viken, der Provinz, die Oslo umgibt. Die Zahl der in Krankenhäusern eingelieferten Erkrankten ist seit gut einer Woche rückläufig.

Daher werden in zwei Wochen in Norwegen die Kindergärten und Schulen (Klasse 1-7) wieder öffnen, für die Universitäten und Hochschulen gilt das nur teilweise. Ab dem 27. April sollen Studenten und Doktoranden, die zum Sommer ihren Abschluss machen, wieder in die Laboratorien gehen dürfen, sofern sie dort für ihren Abschluss wichtige Versuche machen müssen. Ansonsten ist die Devise, dass alle, die nicht dringend zur Arbeit müssen, zu Hause bleiben sollen.

Und das ist auch gut so, für uns kann es gerne noch eine Weile so weiter gehen. Aber das Cardinal könnte schon mal wieder öffnen …

Coronakonsequenzen

Seit einer Woche ist nicht mehr viel los in Norwegen – wie im vorherigen Posting bereits beschrieben, sind viele Unternehmen geschlossen. Wir sitzen seit vergangenem Freitag, wie viele andere im Land, im Homeoffice und üben unseren Job über das Internet aus. Gelegentlich haben wir über das Internet Meetings mit Kollegen. Für uns läuft das alles gut – wir könnten noch eine Weile so weiterarbeiten.

Ansonsten sieht es aber nicht so gut aus im Land, insbesondere, wenn man die wirtschaftlichen Folgen betrachtet.

Der Ölpreis, der einen großen Einfluss auf die norwegische Wirtschaft hat, hat sich innerhalb eines Monates mehr als halbiert, und liegt nun bei 28 US-$ per Barrel. Mit dem Ölpreis steigt oder fällt auch der Kurs der norwegischen Krone. Gestern kostete ein Euro rund 13 Kronen – zum Jahreswechsel musste man nur rund 10 Kronen für einen Euro bezahlen. Der Grund für den niedrigen Ölpreis ist allerdings nicht nur die nachlassende Nachfrage aufgrund der globalen Corona-Krise, sondern auch die Uneinigkeit über Förderquoten zwischen Saudi-Arabien und Russland. Heute gab es Gerüchte, dass die USA versuchen würden, Saudi-Arabien zu niedrigeren Förderquoten zu überreden. Kein Wunder, denn bei derartig niedrigen Ölpreisen lohnt sich die Förderung aus den meisten Schieferölvorkommen in den USA nicht mehr. Daraufhin zogen Ölpreis und Kronekurs wieder ein wenig an.

Die Arbeitslosigkeit in Norwegen hat sich innerhalb einer Woche mehr als verdoppelt. Dazu muss man wissen, dass es zwar auch hier einen Mechanismus wie Kurzarbeit gibt, allerdings werden davon betroffene Arbeitnehmer als arbeitslos betrachtet. Hier ein paar Zahlen:

  • 50 % aller Betriebe hat Kurzarbeit eingeführt. Dennoch erwägen knapp 80 % der Betriebe, Kurzarbeit einzuführen oder auszuweiten
  • 28 % aller Betriebe erwägen Entlassungen
  • 28 % aller Betriebe haben Liquiditätsprobleme

Die norwegische Arbeitgeberorganisation NHO meint, die Arbeitslosigkeit sei seit der Wirtschaftskrise in den 1930-er Jahren nicht so hoch wie heute gewesen.

Besonders betroffen ist natürlich die Reisebranche, insbesondere die Luftfahrtunternehmen. Momentan sieht es sehr stark nach einem Konkurs der norwegischen Fluggesellschaft Norwegian aus. Aber auch bei der Konkurrenz, der skandinavischen Fluggesellschaft SAS, sieht es nicht viel besser aus.

Ich schätze mal, da kommt noch einiges auf uns zu; die Sache ist ja noch längst nicht ausgestanden.

Aber wo Schatten ist, ist auch Licht! Viele Leute scheinen jetzt ordentlich Zeit zu haben, zumindest vermelden die Heimbrauläden im ganzen Land, dass sie die Auftragsflut kaum bewältigen können – mit mehreren Tagen Lieferzeit ist zu rechnen! Das hatten wir erwartet, und haben uns schon letzte Woche ausreichend bevorratet; und im Gärtank gären rund 50 l Pils 😉

Corona-Homeoffice [Update]

Update: Gerade wird gemeldet, dass Norwegen ab Montag alle Häfen und Flughäfen schließen und Grenzkontrollen einführen wird.

Norwegen im Ausnahmezustand, so kann man es wohl beschreiben: Seit Donnerstag, 18:00 Uhr, bis zum 26. März sind verboten/geschlossen:

  • kulturelle Veranstaltungen
  • Sportveranstaltungen; darunter fallen auch alle organisierten Formen von z.B. Training usw.
  • Bars, Kneipen, Restaurants, ausgenommen Restaurants und Kantinen, die einen Mindestabstand von einem Meter zwischen ihren Gästen gewährleisten können.
  • Fitness-Studios
  • Friseure, Hautpfleger, Masseure, Tätowierer und dergleichen
  • Schwimmbäder, Spaßbäder
  • Kindergärten, Schulen, Hochschulen und Universitäten

Daneben haben auch viele andere Firmen und Behörden, vor allem die mit Publikumsverkehr, geschlossen. Darüberhinaus wird von Reisen jeglicher Art ins Ausland abgeraten. Im Ausland befindliche Norweger sind aufgefordert, so schnell wie möglich die Heimreise anzutreten, da immer mehr Länder ihre Grenzen schließen.

Das heißt für uns, dass wir seit gestern zu Hause arbeiten, da unsere Arbeitgeber geschlossen sind. Zum Glück verfügen wir über angemessene Heimarbeitsplätze – viele unserer Kollegen sitzen mit Laptop am Küchentisch. Donnerstag und Freitag habe ich damit verbracht, unseren Studenten Fernzugang zu ihren Universitäts-PCs zu gewähren. Da wir viel Software verwenden, die für die Universität lizensiert ist und nur auf Uni-Rechnern läuft, ist ein Fernzugang die einzige Möglichkeit, dass unsere Studenten auch von zu Hause aus damit arbeiten können.

In Norwegen sind überdurchschnittlich viele Menschen an COVID-19 erkrankt. Fatalerweise waren Ende Februar Winterferien, wo viele Norweger zum Skifahren nach Italien und Österreich gefahren sind. Die meisten Erstinfektionen sind auf Reisende aus diesen beiden Ländern zurückzuführen, wobei die meisten importieren Infektionen aus Österreich stammen. Stand jetzt gibt es 1035 Infizierte, was 19,5 Fälle auf 100.000 Einwohnern entspricht. Zum Vergleich:

  • Italien: 29,5
  • Südkorea: 15,7
  • Deutschland: 4,5

Eine detaillierte Übersicht über die Fälle in Norwegen bietet eine Webseite von VG, Norwegens größter Tageszeitung.

Das norwegische Gesundheitswesen geht davon aus, dass sich Norwegen auf 2,2 Millionen COVID-19-Infektionen einstellen muss, und dass die höchsten Fallzahlen für die Zeit Mai bis Oktober erwartet werden.

Man weiß ja nie: Malz hamstern
Man weiß ja nie: Malz hamstern

Normalerweise lassen wir uns nicht so schnell aus der Ruhe bringen, so sind Hamsterkäufe nicht so unsere Sache. Am Donerstag sind wir aber doch noch einmal schnell zu unserem Heimbraudealer gefahren, um rund 100 kg Malz, verschiedene Sorten Bierhefe und Hopfen zu kaufen – man weiß ja nie! Gestern haben wir gleich 50 l Pils gebraut – an Bier soll es uns jedenfalls nicht mangeln!

Skandal beim norwegischen ESC-Vorentscheid!

Am vergangenen Sonnabend fand das Finale des norwegischen Melodi Grand Prix 2020 statt, dessen Gewinner als Repräsentant Norwegens zum Eurovision Song Contest nach Rotterdam fährt.

Der norwegische Fernsehsender nrk har sich nicht lumpen lassen: Vor 60 Jahren nahm Norwegen zum ersten Mal am ESC teil, und aus diesem Anlass gab es in diesem Jahr fünf Vorentscheide vor dem eigentlichen Finale am Sonnabend, in denen die einzelnen Landesteile (ost/süd/west/mitt/nord) jeweils einen Kandidaten in das Finale stimmen konnten. Damit sich am Ende nicht irgendwelche Kuriositäten dort ansammeln, waren fünf weitere Künstler bereits im voraus für das Finale nominiert worden.

Tatsächlich waren Qualität und Bandbreite am Sonnabend besser als in den Vorjahren, so dass manche Experten Norwegen schon eine Favoritenrolle für den ESC zuschrieben, ehe das norwegische Finale entschieden war.

Und dieses Finale sollte es in sich haben. Von zunächst zehn Teilnehmern sollten die Zuschauer zunächst per Abstimmung im Internet die Top 4 bestimmen. Aus diesen vier Kandidaten sollten im nächsten Schritt die Top 2 bestimmt werden, ehe es zur finalen Abstimmung zwischen den beiden letzten Kandidaten kam.

Am Ende gewann Ulrikke Brandstorp mit der kraftvollen Ballade „Attention”, komponiert u.a. von Kjetil Mørland, der 2015 selber am ESC teilnahm:

Bei der ersten Abstimmung kam es jedoch zu technischen Problemen, so dass der Sender auf eine Backup-Lösung zurückgreifen musste: Eine Jury bestehend aus 30 (!) Zuschauern hatte schon vor der Sendung anhand von Tonaufnahmen die Top 4 bestimmt, ohne die Show der Kandidaten gesehen zu haben. Bei den letzten beiden Abstimmungen funktionierte dann die Technik wieder, so dass die Fernsehzuschauer wie geplant abstimmen konnten.

Die Stimmung — speziell bei den Kandidaten, die sich nicht für die Top 4 qualifiziert hatten — ist natürlich gelinde gesagt gedämpft. Aber wir wollen ehrlich sein: Zumindest drei der Top 4 waren unserer Meinung nach einfach die besseren und vor allem moderneren Lieder.

Hier sind die drei schlimmsten Lieder, die Europa und dem Rest der Welt nun erspart bleiben:

Sunnyboy Alexander Rybak, ESC-Gewinner von 2009, hat in diesem Jahr als Komponist am Melodi Grand Prix teilgenommen und dem aus Stavanger stammenden Sänger Magnus Bokn ein schönes Liedchen geschrieben. OK, dafür gibt es ein paar Sympathiepunkte von uns, aber für die Top 4 reichte es nicht.