Wassermangel

Dass wir mal darüber klagen sollten… Bisher ist in diesem Jahr in Norwegen zu wenig Regen gefallen. Was ansonsten nicht unbedingt für schlechte Laune sorgt, treibt so manchem die Sorgenfalten auf die Stirn in einem Land, wo ca. 90 % des Stromes durch Wasserkraft erzeugt wird.

Die Folgen davon sind deutlich erhöhte Strompreise. Wir bezahlen jetzt schon „Winterpreise“, und das bei ungewohnt mildem Spätsommerwetter und einem dadurch bedingten relativ niedrigen Stromverbrauch.

Dazu muss man wissen: Wir haben einen Stromtarif, der exakt dem stundenaktuellen Strompreis an der Strombörse folgt. Im Winter steigt dieser Preis normalerweise an, da in Norwegen in der Regel mit Strom geheizt wird und der Stromverbrauch entsprechend höher ist als während der anderen Jahreszeiten. Außerdem fällt der Niederschlag im Winter als Schnee, der erst zur Schneeschmelze im Frühling zu Wasser (und damit zu potentieller Energie) wird und dann die Stauseen füllt.

Einer der größten Stauseen Nordeuropas, Svartevassdammen bei Ådneram, hat jetzt einen Füllstand von unter 50 %, und bei normalen Niederschlagsmengen wird es rund eineinhalb Jahre dauern, den Stausee wieder aufzufüllen.

Ein weiterer Grund für die hohen Strompreise in Norwegen ist das Preisniveau u.a. in Deutschland. Norwegen ist durch mehrere Kabel mit Europa verbunden, und dort gab es in letzter Zeit wenig Wind und eine Erhöhung der Preise für CO2-Emissionen. Daher wird im Moment viel Strom exportiert.

Stavanger Aftenblad schreibt, dass ein Durchschnittshaushalt während der Wintermonate rund 200 Euro mehr monatlich für Strom zahlen muss als im vergangenen Jahr. Allerdings: 2020 war ein sehr günstiges Jahr, wo wir selbst im Winter „Sommerpreise“ hatten.

Das gute Wetter der vergangenen Wochen haben wir genutzt, um draußen die Terrasse abzureißen, die sich ungefähr um das ganze Haus zog. Die Holzbretter und die darunterliegende Rahmenkonstruktion waren nicht mehr stabil genug, um die Gerüste zu tragen, die hier in Bälde aufgestellt werden: Ab Mitte Oktober werden Dachdecker und Baufirma anrücken, um uns ein neues Dach, neue Fenster und eine neue Fassadenverkleidung zu bauen, alles mit Isolierung, damit das mit den Strompreisen nicht ganz so schlimm wird 😉

Sommer

Campingtour nach Røros

Seit knapp zwei Wochen haben wir Urlaub. Während der ersten Woche haben wir eine kurze Campingtour ins ca. 800 km entfernte Røros unternommen. Røros selbst hatten wir bereits 2005 während unserer Nordkapptour besucht und besichtigt. Ein Großteil der Innenstadt und des dortigen Kupferbergwerkes zählen zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Blick auf norwegischen Fjord
Odda: Ende des Sørfjordes

Unsere Reise begann am Nachmittag des 26. Juni, nachdem wir den Vertrag mit der Baufirma unterzeichnet hatten, die im Herbst unser Haus von außen renovieren soll. Entsprechend kurz war die erste Etappe, die uns von Stavanger aus über den RV13 und nach Passieren des weltweit längsten unterseeischem Tunnels nach Odda führte. In Odda zelteten wir übrigens fast unter Norwegens größtem Stein – dabei handelt es sich um sogenanntes Geschiebe – Gesteinsmaterial, das von Gletschern während der Eiszeit transportiert und dann, nach dem Abtauen des Gletschers, abgelagert wird. Der Stein in Odda soll rund 65.000 Tonnen wiegen.

Hardanger in Norwegen
Hardanger

Auf dem Campingplatz in Odda herrschte schon früh morgens um sechs geschäftiges Treiben, denn der Platz ist für viele Touristen Ausgangspunkt für eine Wandertour zur Felsformation Trolltunga. Wir ließen uns aber etwas länger Zeit und brachen gegen 10:30 auf. Weiter ging es auf dem RV13 durch die Obstanbauregion Hardanger bis nach Flåm, einem kleinen Dorf am Ende des Aurlandfjords, der wiederum ein Arm von Norwegens längstem Fjord, dem Sognefjord, ist.

Ægir Bryggeripub
Ægir Bryggeripub

„Klein, aber oho“, kann man zu Flåm sagen, denn es gehört mit (zu normalen Zeiten) rund 240.000 Kreuzfahrtpassagieren zu Norwegens größten Kreuzfahrthäfen. Außerdem ist Flåm Endpunkt der Eisenbahnlinie Flåmsbana, die pro Jahr rund 700.000 Touristen in den Ort bringt. Zu Pandemizeiten geht es in Flåm aber recht beschaulich zu. Die Hauptattraktion für uns war der Ægir Brauereipub, Ursprung der Ægir Brauerei, eine der ältesten Handwerksbrauereien in Norwegen, die 2007 die Produktion aufnahm. Der Pub ist sehr speziell. Das Gebäude ähnelt von außen einer Stabkirche, im Innern ist alles im „Wikingerstil“ gehalten, und gutes Bier gibt es sowieso.

Norwegische Gebirgslandschaft am Tindevegen
Noch Schnee auf den Gipfeln: Tindevegen

Von Flåm ging es am nächsten Tag weiter nach Lom. Dabei befuhren wir unter anderem den spektakulären Tinderveg, eine Gebirgsstraße, die durch das Jotunheimen, Skandinaviens höchstem Gebirge, führt. Wir sahen eine tolle Landschaft, quasi atemberaubend hinter jeder Kurve.

In Lom besichtigten wir die dortige Stabkirche, deren ältester Teil aus dem 12. Jahrhundert stammt.

Stabkirche in Lom
Stabkirche in Lom

Weiter ging es nach Røros, wo wir unter anderem durch Teile des Dovrefjells fuhren, ein Gebirge, das das südliche Norwegen geografisch von der Region Trøndelag trennt. In der Nähe von Røros fanden wir einen sehr ruhigen Campingplatz – genau das Gegenteil von dem vorherigen Platz in Lom.

Wieder eine neue Landschaft bekamen wir am nächsten Tag zu sehen: Zunächst gab es unweit der schwedischen Grenze über weite Strecken (relativ langweilige) Birkenwälder, später dann Nadelwaldgebiet.

Ein Elch verschwindet im Wald in Norwegen
Und schnell wieder weg: Elch (Mitte, am linken Straßenrand)

Und dann stand er auf einmal mitten auf der Straße: Der König der Wälder – ein Elch!

Als wir uns unserem Ziel am Mjøsasee näherten, wurde es wieder hügeliger. In Elverum gelang uns dann der große Coup: Durch irgendwelche Umstände war der Sprit dort extrem günstig: Wir tankten für sagenhafte 12,89 kr/l – der niedrigste Preis, den wir unterwegs gesehen hatten, lag immer deutlich über 14 Kronen, und so sollte es auch bis zum Ende bleiben. Keine Ahnung, wieso der Treibstoff dort so günstig war!

Norwegische Gebirgslandschaft
Über ein letztes Gebirge vor Stavanger

Nach einer Nacht am Mjösasee und einer weiteren Station in Åmot kamen wir dann am vergangenen Sonntag wohlbehalten und um einige Eindrücke reicher wieder in Stavanger an.

Örschnes?

Aus dem Internet haben wir erfahren, dass Werder offensichtlich an der Verpflichtung des norwegischen Fußballers Fredrik Aursnes vom derzeitigen Tabellenführer der norwegischen Eliteserie, Molde FK, interessiert ist. Und bei Deichstube/Weser-Kurier ist man ja nicht dumm und erkundigt sich bei Rune Bratseth, wie denn der Nachname Aursnes korrekt ausgesprochen wird. Am Ende, so scheint es, hatte „Der Elch“ dann auch keinen Bock mehr auf die untalentierten Aussprechversuche deutscher Journalisten, und so kam dann Örschnes dabei heraus. Wir wollen uns an dieser Stelle bemühen, den ZBiS-Lesern die richtige Aussprache von Aursnes beizubringen.

Genau wie im Deutschen stellt die Buchstabenfolge au ein Diphthong oder Doppellaut dar – die beiden Buchstaben werden nicht jeder für sich ausgesprochen, sondern bilden einen Laut. Der norwegische Diphthong au wird in etwa ausgesprochen wie der Buchstabe o oder das Wort oh auf Englisch (nur etwas „offener“), oder wir au auf sächsisch. Als nächstes kommt der Buchstabe r, der in vielen norwegischen Dialekten „gerollt“ wird. Hinzu kommt, dass die Buchstabenfolge rs in den meisten Dialekten zu einem (deutschen) sch verschmilzt. Der Name endet dann mit nes, was wie ness ausgesprochen wird, also kurzes e mit scharfem s. Das Ganze zusammengefasst in eingedeutschter Lautschrift: Aurrschness (und nicht vergessen, das r zu rollen und beim au zu sächseln). Es sieht ja im Moment so aus, als würde Aursnes erst im Winter nach Bremen kommen, da ist also noch etwas Zeit zum Üben.

Nicht, dass die Sache genauso in die Hose geht wie bei Erling Haaland. Der heißt natürlich nicht „Hahland“, sondern „Holand“, mit offenem, langen o, ähnlich wie in Holland, nur eben lang. Genaugenommen heißt er ja Erling Braut Haaland (und beim au in Braut wieder an das Sächsische denken…)

War’s das für’s Erste?

Man mag es ja kaum aussprechen, aber Vieles deutet darauf hin, dass das Schlimmste in der andauernden Pandemie überstanden ist. Wie in Deutschland geht die Anzahl der Neuinfektionen auch in Norwegen runter – der Siebentagesinzidenzwert in ganz Norwegen liegt nun unter 25. Gleichzeitig steigt die Anzahl der Geimpften.

In Stavanger liegt der Inzidenzwert momentan etwas über dem Landesschnitt, was wir den immer noch feiernden Abiturienten verdanken. Traditionell sind die ab Ende April am Feiern und fahren häufig mit aufwändig um- und ausgebauten Bussen durch die Gegend (mehr dazu gibt es hier zu lesen). In diesem Jahr begann die Feiersaison etwas später und natürlich unter Auflagen, die sich offensichtlich nicht immer einhalten ließen. Vor einer Woche gab es einen kleineren Corona-Ausbruch unter den Abiturienten mit der Folge, dass wir in Stavanger wieder leicht ansteigende Infektionszahlen haben. Die Schulabgänger haben nun bis auf Weiteres rulleforbud, dürfen also nicht mehr mit ihren Fahrzeugen „rollen“, womit sich die Partysaison für dieses Jahr erledigt haben dürfte.

Wir „rollten“ am vergangenen Wochenende mit dem Zug nach Bryne, einer Kleinstadt 30 km südlich von Stavanger, um den dortigen Brewpub Brix zu besuchen und die aktuellen Biere zu probieren. Der Brauer vor Ort kommt aus Deutschland, und wir hatten die Gelegenheit, mit ihm über seine (und andere) Biere zu fachsimpeln. Corona-bedingt verläuft das Bestellen und Bezahlen in norwegischen Pubs und Restaurants überall über Smartphoneapps. Mein Portemonnaie hatte ich gar nicht dabei – das Handy reicht ja. Etwas überrascht war ich dann, als ich Mittwoch eine E-Mail vom Brix bekam, wo ich gefragt wurde, ob es sein könne, dass wir unser Essen nicht bezahlt hätten! Da fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren: Das Bestellen des Essens erfolgte noch auf die analoge, „altmodische“ Art, bei einem Kellner am Tisch, und wir hatten tatsächlich vergessen, dafür zu bezahlen. Wir haben uns schon so daran gewöhnt, mit dem Handy zu bestellen und zu bezahlen, dass wir nicht eine Sekunde daran gedacht hatten, dass da noch eine Rechnung offen war. Na ja, dank Bezahlapp war das Malheur schnell behoben.

Inzwischen ist in norwegischen Kneipen und Restaurants die Essenspflicht aufgehoben, d.h. man kann jetzt wieder ganz entspannt ins Cardinal gehen und in Ruhe ein paar Biere trinken. Zur Zeit der Essenspflicht hielt man sich möglichst lange mit dem Essen auf, während man sich gleichzeitig schnell die Biere reinballerte. War das Essen verzehrt, durfte man noch austrinken und musste dann raus – schön war das nicht, gemütlich geht irgendwie anders.

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Im Herbst wird unser Haus renoviert. Es stehen an: ein neues Dach samt 10 cm Isolierung, neue Fenster im alten Stil, alle Außenwände isolieren und mit neuer Verkleidung versehen. Mit dem Dachdecker sind wir uns soweit einig und ein Vertrag wurde ausgearbeitet, und wir hoffen, dass wir nächste Woche das Gleiche für die Fenster und Wände mit einer Baufirma erreicht haben. Die Baubranche boomt in Norwegen – es war nicht leicht, geeignete Firmen zu finden, die Kapazität haben, für uns zu arbeiten. Dumm nur, dass die Holzpreise so unglaublich hoch sind zur Zeit…

Welle Nr. 3

Nachdem Stavanger im Februar eine sehr niedrige Anzahl an Corona-Neuinfektionen hatte, sah das Bild im März ganz anders aus: Die 3. Welle bescherte uns dann wieder 7-Tages-Inzidenzwerte von knapp 100. Dabei war bei ca. einem Drittel der Neuinfizierten unklar, wo sie sich infiziert hatten. Das ist ein Indikator dafür, dass es einen hohen Anteil an unentdeckten Infektionen gibt sowie eine weitere Verbreitung der stärker infektiösen Virusvarianten aus Großbritannien und Südafrika.

Grafik über die dritte Welle in Stavanger (Quelle: https://www.vg.no/spesial/corona/fylker/11/kommuner/1103/)
Die dritte Welle in Stavanger (Quelle: https://www.vg.no/spesial/corona/fylker/11/kommuner/1103/)

Weil es in anderen Landesteilen, insbesondere in Oslo, viel schlimmer aussah, wurden die Schutzmaßnahmen wieder etwas verschärft. Unter anderem gibt es zur Zeit wieder einen „nationalen Ausschankstopp“: Momentan gibt es keinen Alkoholausschank in Kneipen, Restaurants und Gaststätten. Zum Glück erstreckt sich der skjenkestopp nicht auf unseren Keller 🙂

Transparenter Gärtank mit Jungbier und Manometer
Unter Druck: Neuer „FermZilla“ Gärtank

Die neuen Maßnahmen hatten auch Konsequenzen für meine Tätigkeit in der Universität: Der einzuhaltende Mindestabstand wuchs über Nacht von einem auf zwei Meter, was die Kapazität in den Unterrichtsräumen drastisch verringerte und eine Umorganisierung der PC-Arbeitsplätze für Studenten nötig machte.

In der Woche vor Ostern hatten wir beide frei. Unser traditionelle österliche Deutschland-Besuch musste auch in diesem Jahr ausfallen. Macht aber nichts, wir konnten uns auch so gut beschäftigen: Tania hat endlich wieder die Muße gefunden, ein schon vor längerer Zeit begonnenes Tiffanyprojekt weiterzuführen. Im Braukeller stand das Spülen von Bierfässern an. Und eine neues Bier wurde natürlich auch noch gebraut. Dabei konnten wir den Drucktank FermZilla, ein 2020-er Black Friday-Schnäppchen, endlich einweihen. Dieser Druckgärtank aus Kunststoff ist unser Reservetank, den wir verwenden, wenn unser Edelstahltank gerade belegt ist. Wir brauchen bald ein American Pale Ale, und da im Stahltank noch ein Schwarzbier gärt, war der große Tag für den Reservetank gekommen.

Aus Holz gebauter Leuchtturm Tungenes Fyr
Leuchtturm Tungenes Fyr

Außerdem haben wir bei gutem Wetter den Winterdreck von den Fahrrädern gewaschen, Sommerreifen aufgezogen und schließlich eine kleine Radtour zum Tungenes Fyr, einem Leuchtturm in der Nähe, unternommen.

Das mit den Sommerreifen war vielleicht keine gute Idee – am Montag und Dienstag fiel bei leichtem Frost jeweils 5 cm Schnee, der aber tagsüber wegtaute…

Flatten the Curve

Seit Anfang des Jahres sind wir auch in Norwegen coronabedingt wieder von stärkeren Einschränkungen betroffen: Wie erwartet ist über Weihnachten die Anzahl der Infizierten stark angestiegen. Ein Hotspot dabei war tatsächlich Stavanger: Zunächst hatten sich sehr viele Taxifahrer angesteckt, dann war das somalische Milieu betroffen. Auf einmal hatten wir hier an mehreren Tagen 40-50 Neuinfektionen pro Tag; der Inzidenzwert lag bei 221.

Jetzt ist aber alles wieder gut: Seit einer Woche sind wir bei täglich 0-3 Neuinfektionen. Zur Belohnung darf ab heute wieder Alkohol ausgeschenkt werden, allerdings nur in Restaurants, und auch nur zum Essen. Nicht, dass noch jemand auf die Idee kommt, sich einen kleinen Salat mit dem Tischnachbarn zu teilen und dazu zehn Biere zu trinken!

Grafik über die Corona-Infektionen i Stavanger
Die Kurve glätten: Corona-Infektionen in Stavanger. Quelle: vg.no

Aber das Blatt kann sich auch schnell wieder wenden. Im Südosten Norwegens verbreitet sich der britische Mutant vermehrt, so dass mehrere Gemeinden zur Zeit von einem kompletten Lockdown betroffen sind – mal sehen, wann wir an der Reihe sind.

Mit dem Impfen geht es in Norwegen ähnlich schleppend voran wie in Deutschland. Norwegen hat sich bei der Beschaffung der Impfstoffe an die EU gehängt und bekommt dementsprechend einen gewissen Prozentsatz. Bekanntermaßen hat die EU die Impfstoffbestellung ja total versemmelt – darunter haben wir auch in Norwegen zu leiden. Wir bereiten uns jedenfalls seelisch darauf vor, auch in diesem Jahr den Urlaub im Land zu verbringen, wobei noch nicht absehbar ist, in welcher Form. Sollten sich die Mutanten weiter ausbreiten, ist vermutlich nicht einmal eine Reise im Inland drin. Aber immerhin: Die Bewohner von Pflegeheimen sind nun alle geimpft – dort darf jetzt wieder umarmt werden!

Ansonsten erleben wir gerade so etwas wie Winter. Bereits der Januar war der kälteste seit zehn Jahren, und Schnee liegt auch. Vergangene Woche ging es bis minus zehn Grad herunter – sehr erfrischend während der morgendlichen Radtour zur Arbeit. In unserem Bierkeller herrschen jetzt optimale Verhältnisse – dort sind es sieben Grad 🙂

Frohes Fest!

Seit ein paar Tagen steigt die Anzahl der mit dem SARS-CoV-2-Virus Infizierten in Norwegen wieder stark an. Grund dafür dürfte sein, dass rund ein Viertel der norwegischen Bevölkerung zu Weihnachten „nach Hause“ zu Eltern und Großeltern reist. Viele arbeiten in den Städten, wo es eine größere Infektionsdichte gibt als in ländlicheren Regionen; auf diese Weise wird das Virus nun effektiv verteilt 🙂

Ich war gestern Nachmittag in der Innenstadt und habe ein paar Aufnahmen vom weihnachtlichen Stavanger gemacht. Also dann, schenkt euch noch einen ein und dann weiterhin schöne Feiertage!

Zweite Welle abgeritten

Auch Norwegen ist momentan von der „zweiten Welle“ der Covid-19-Infektionen betroffen, allerdings weniger stark als Deutschland. Während Deutschland inzwischen fast flächendeckend sehr hohe Infektionsraten aufweist, haben wir es in Norwegen bisher mit lokalen Ausbrüchen zu tun gehabt. Hauptsächlich betroffen sind dabei die Städte: Oslo und Bergen kämpfen schon seit dem Ende des Sommers mit sehr hohen Werten, zwischendurch kamen Tromsø und Drammen hinzu. Aber auch eher ländlich geprägte Gegenden kommen immer wieder in die Schlagzeilen; vor knapp zwei Wochen schnellten die Infektionszahlen in der Gemeinde Lyngdal im Süden Norwegens nach oben – Grund dafür war ein größeres Treffen im christlich-fundamentalistischen Bethaus-Milieu. Ähnliches passierte vor einer Weile in Fredrikstad, wo sich viele Muslime getroffen hatten und offensichtlich die Abstandsregeln nicht eingehalten haben.

Man sieht also: Beten und Frömmigkeit helfen offensichtlich nicht gegen Corona!

Landesweit gesehen geht die Anzahl der Neuinfizierten nun leicht zurück; der Inzidenzwert liegt bei 146 per 100.000 Einwohner. In Stavanger sieht es bei 60/100.000 im Moment so aus, als ob wir die zweite Welle hinter uns hätten.

Stavanger Vågen bei Nacht
Alles ruhig: Stavanger während der Pandemi

Uns geht es bei alldem immer noch gut. Nach zuvor stark ansteigenden Infektionszahlen gelten in Stavanger zur Zeit wieder verschärfte Maßnahmen; u.a. wird empfohlen, dass jeder, der es irgendwie ermöglichen kann, vom Homeoffice aus arbeitet. Allerdings haben wir keinen Lockdown wie im Frühling; Schulen, Universitäten, Geschäfte, Kneipen und Restaurants haben geöffnet, und die jeweils geltenden Maßnahmen unterscheiden sich von Gemeinde zu Gemeinde – je nachdem, wie hoch die Infektionszahlen vor Ort sind.

Am Freitag waren wir zum Essen in einem Restaurant und danach noch in zwei Pubs. An und für sich sollte man ja zu Hause bleiben und die sozialen Kontakte minimieren, andererseits wollen wir auch in Zukunft, wenn diese Pandemie überstanden ist, auf ein breites Gastronomieangebot zurückgreifen zu können. Abgesehen davon werden nach unseren Erfahrungen die geltenden Abstands- und Hygieneregeln in Restaurants und Kneipen eingehalten.

Ein typischer Besuch in einer Kneipe beispielsweise verläuft bei uns folgendermaßen: Beim Betreten des Lokals wird mit dem Smartphone ein QR-Code eingescannt, über den man auf eine Registrierungswebseite gelangt. Dort trägt man Namen und Telefonnummer ein, um im Infektionsfall die Detektivarbeit der Gesundheitsämter zu erleichtern. Bestellt wird am Tisch, ebenfalls per Smartphone und Webseite. Das Menü vom Cardinal beispielsweise ist hier einsehbar, På Kornet hat sein Menü hier. Nach erfolgter Bestellung wird vorzugsweise per Bezahlapp bezahlt, aber Bank- oder Kreditkarte funktionieren natürlich auch. Die Bestellungen laufen dann an der Theke auf und schlussendlich wird das bestellte Bier am Tisch serviert. Schön für uns, aber die Bedienungen sind natürlich viel mehr in Bewegung als früher 😉

Altmetall vorm Haus

Nur über Umwege konnten wir heute nach der Arbeit unser Haus erreichen, da viele Straßen in der Nachbarschaft wegen Filmaufnahmen gesperrt waren. Zur Zeit wird die zweite Staffel der norwegischen Fernsehserie Lykkeland (in etwa: Glücksland) gedreht, die den Wandel Stavangers von einer pietistischen, von Fischerei, Seefahrt und Landwirtschaft geprägten Provinzstadt zur reichen Ölstadt beschreibt.

Ein blauer Opel Rekord C am Straßenrand
Gut in Schuss: Opel Rekord 1900

Während die erste Staffel im Jahr 1969 spielte, dem Jahr, als in der Nordsee vor Norwegen das erste Öl entdeckt wurde, handelt die zweite Staffel von den wilden 70-er und 80-er Jahren, eine Zeit, in der hemdsärmelige Cowboymentalität das Geschäft bestimmte.

Skoda 1000 B und Opel Rekord C Caravan auf einem Parkplatz
Škoda 1000 MB und Opel Rekord Caravan

Um für die Aufnahmen das zeitlich passende Ambiente zu schaffen, mussten wir unser Auto heute woanders parken, und an anderen Häusern in der Nachbarschaft wurden beispielsweise Parabolantennen demontiert.

Lloyd Arabella in einer Straße in Stavanger
Ordentlich Altmetall: Lloyd Arabella und Austin Maxi

Und (fast) vor unserem Haus stand eine Lloyd Arabella, ein Auto, das von 1959 bis 1963 in Bremen gebaut wurde. Direkt vor unserem Haus parkte ein Austin Maxi aus den siebziger Jahren. In weitere Statistenrollen kamen zwei Opel Rekord C, ein Škoda 1000 MB sowie eine 70-er Jahre S-Klasse vor, und ein Volvo 140 durfte natürlich auch nicht fehlen, schließlich sind wir hier in Skandinavien 😉

Nun sind wir natürlich gespannt, ob unser Haus es auch in die Serie geschafft hat – 2022 werden wir es erfahren.

Sommer

Was macht man während des Sommerurlaubs in Zeiten einer Pandemie? Ursprünglich hatten wir eine Fahrradtour nach Kopenhagen geplant, hatten uns aber schon im Winter entschieden, die Tour nicht zu machen – die Vorstellung, während einer Rad- und Campingtour an Corona zu erkranken, war nicht so verlockend . Im Nachhinein stellte sich ja auch heraus, dass wir aufgrund der bestehenden Reisebeschränkungen während unseres Urlaubs gar nicht hätten reisen können.

Nur das eigene Zelt auf dem Campingplatz Buøy Camping in Dalen
Noch Platz: Wenige Touristen in Dalen

Somit fiel die Entscheidung, im Großen und Ganzen zu Hause zu bleiben und mehrere kurze Auto- und Radtouren in der Umgebung zu unternehmen, mit einer Ausnahme: Zu Beginn unseres Urlaubs Anfang Juli stand eine Tour nach Oslo auf dem Programm, wo Tania einen Termin bei der deutschen Botschaft hatte.

Wenige Touristen im Vigelands-Park, Oslo
Noch Platz: Wenige Touristen im Vigelands-Park

Die Tour nach Oslo gingen wir ruhig an – auf dem Hinweg fuhren wir „über das Gebirge“ – eine Strecke, die zum Teil über schmale Passstraßen führt – und legten eine Übernachtung in Dalen ein. In Oslo selbst hatten wir zwei Übernachtungen in einem zentral gelegenen Hotel. So hatten wir Gelegenheit, ein paar neue Pubs kennenzulernen.

Den Rückweg nach Stavanger ging zunächst über Kristiansand, wo Tania sich in einem speziellen Teegeschäft bevorratete. Von dort aus ging es weiter nach Hornnes, einem kleinen Ort im Setesdal, wo wir wieder übernachteten, ehe es am nächsten Tag zurück nach Stavanger ging.

Aufgrund schlechten Wetters fiel dann unsere ursprüngliche Urlaubsplanung sprichwörtlich ins Wasser – nach Radtouren und Ausflügen war uns nicht zumute. Im Juli gab es nur einen Tag, an dem die Temperatur in Stavanger die 20-Grad-Grenze überschritt, und das war am einunddreißigsten 🙂

Ungewohnte Zutaten in der Brauerei: Apfelmost und Johannisbeersaft

Dafür haben wir allein im Juli viermal brauen können. Das war aber auch nötig – dadurch, dass wir den Urlaub zum größten Teil zu Hause verbrachten, wurden unsere Biervorräte arg ausgedünnt. So konnten wir ein Belgisches Blond, einen Apfel-Johannisbeer-Cider und zwei American Pale Ales herstellen.

Grund zur Freude hatten wir auch Anfang August: In unserer direkten Nachbarschaft eröffnete die örtliche Brauerei Lervig einen Brewpub. Laut Google Maps sind es nur 280 m, aber es geht noch etwas kürzer 🙂 Mit anderen Worten: Falls vor der Toilette mal ’ne Schlange ist, gehen wir lieber zu Hause aufs Klo, das geht vermutlich schneller!

Mitte August bekamen wir wieder Besuch von meinen (A.) Eltern. Sie hatten die Reise nach Norwegen schon vor langer Zeit gebucht, und es war lange unklar, ob die Reise aufgrund der geltenden Beschränkungen in Dänemark und Norwegen überhaupt hätte durchgeführt werden können. Seit 15. Juli waren die Grenzen für Deutsche wieder geöffnet, aber inzwischen zählt Deutschland (wie der Rest von Kontinentaleuropa) aufgrund der hohen Anzahl an Neuinfizierten wieder als „rotes“ Land; eine Einreise nach Norwegen würde derzeit wieder eine 10-tägige Quarantäne nach sich ziehen.

Alles halb so schlimm?

Seit rund vier Wochen geht es in Norwegen schrittweise in Richtung Normalzustand. Wirtschaftlich geht es wieder aufwärts – die Anzahl der Arbeitslosen hat sich seit dem Höchststand im März (ca. 10 %) fast halbiert auf 5,5 %. Allerdings lag die Arbeitslosigkeit vor der Corona-Krise bei rund 3,5 % – da ist also noch etwas Luft. Der Kurs der norwegischen Krone gegenüber dem Euro hat sich ebenfalls normalisiert. Ein Euro kostet nun rund 10,80 kr, gegenüber 13 kr im März. Schulen und Universitäten haben wieder normal geöffnet, allerdings sind seit Montag Schulferien, und an den Unis ist jetzt auch nicht mehr los.

Sieht alles aus wie immer: Kvitsøyfjord
Sieht alles aus wie immer: Kvitsøyfjord

Auch bei uns persönlich geht es mehr in Richtung Normalität. Ich bin bereits seit Pfingsten wieder am Arbeitsplatz. Tania könnte auch ins Büro zurückkehren, aber sie kann ihre Arbeit genauso gut von zu Hause aus erledigen, weshalb sie noch weiter im Homeoffice bleibt.

Die Anzahl der Covid-19-Ansteckungen und -Erkrankungen ist in Norwegen und speziell in unserer Region sehr niedrig. In Stavanger selbst gibt es seit dem 12. Mai keinen registrierten Ansteckungsfall.

Starke Einschränkungen gibt es allerdings noch bei den Auslandsreisen. Im Moment ist Norwegen das „geschlossenste“ Land innerhalb von EU und EWR. Island, Finnland und Dänemark – das sind die Länder, in die wir z.Zt. reisen dürfen, ohne bei der Rückkehr nach Norwegen erst einmal für 10 Tage in Quarantäne zu müssen. Gleichermaßen besteht ein Einreiseverbot nach Norwegen für Bürger aller anderen Länder. Allerdings hat die Regierung gestern eine Lockerung bekanntgegeben: Ab dem 15. Juli dürfen wir auch in Länder reisen, die zum Schengen- oder EWR-Gebiet gehören – abgesehen von Schweden. Sollte sich die Situation in diesen Ländern in der Zukunft ändern, können die Maßnahmen allerdings wieder verschärft werden. Entsprechend verhält es sich auch bei der Einreise nach Norwegen.

Uns ist es egal – für uns steht schon lange fest, dass wir unseren Urlaub in diesem Jahr größtenteils in der Region verbringen werden.