Mit frischem Wind ins neue Jahr

Zum Jahreswechsel bekamen wir wie in den vergangenen Jahren Besuch von Kumpel Detlef aus Walsrode. Die Wiedersehensfreude war groß; entsprechend stetig war der Fluss selbstgebrauten Bieres. Dabei drehte es sich in der Hauptsache um ein dunkles Weihnachtsbier, mit Orangenschalen und Sternanis gewürzt, sowie einem Double IPA mit einem Alkoholgehalt von rund 8,5 %. Aber auch ein Besuch im nun wohl weltberühmten Pub Cardinal (dazu später mehr) gehörte natürlich zum Programm.

Mmh... Weihnachtsbier zu bescheidenem Raclettemahl

Mmh… Weihnachtsbier zu bescheidenem Raclettemahl

Traditionell gab es zu Silvester Essen vom Raclettegrill. Dabei gab es eine große Auswahl an Zutaten, so dass wir am Neujahrstag den Grill gleich noch einmal anfeuern konnten. Am Ende war noch so viel übrig, dass wir noch einen Auflauf davon machen konnten, der für zwei Tage hielt.

Zum Jahreswechsel schauten wir uns an exponierter Stelle das kommunale Feuerwerk an. Stavanger ist die Stadt in Norwegen mit den meisten Holzhäusern, daher ist das Abfeuern von Raketen und dergleichen für Privatpersonen in großen Teilen des Stadtgebietes aus Gründen des Brandschutzes untersagt. Statt dessen gibt es an mehreren Punkten öffentliche Feuerwerke.

Am Neujahrstag stürmte es bei ansonsten relativ gutem Wetter heftig. Das wollten wir uns dann doch einmal näher anschauen, und fuhren nach Tungenes Fyr, einem Leuchtturm an der Nordsee, der an der Mündung des Byfjordes steht, um uns dort das vom Wind aufgewühlte Wasser anzusehen.

Aufgewühlte Nordsee bei Tungenes Fyr

Aufgewühlte Nordsee bei Tungenes Fyr

Der starke Wind, so ungeschützt und direkt an der waterkant, war schon beeindruckend. Kein Wunder, an anderer Stelle hat er es ja auch geschafft, rund 270 Container ins Meer zu pusten 🙂

Nach den ersten Arbeitstagen im neuen Jahr können wir sagen, dass es für Tania genauso arbeitsam weitergehen wird wie gegen Ende des vergangenen Jahres. Überstunden für das kommende Wochenende sind schon beantragt und genehmigt…

Wir haben es ja schon lange gewusst, dass unser Lieblingspub Cardinal sozusagen Weltklasse ist. Seit mehreren Jahren gilt Cardinal als der beste Pub Norwegens und rangiert auf der Bierbewertungsseite ratebeer.com unter den Top 50 der besten Bierpubs weltweit. Das ist schon beachtlich für eine Kneipe in einer ansonsten doch ziemlich unbedeutenden, relativ kleinen Stadt in einem recht abseits gelegenen Land wie Norwegen. Zugegeben — ratebeer.com ist etwas für Nerds.

Aber nun hat die New York Times 52 Reiseziele auserkoren, die man in diesem Jahr unbedingt besuchen muss. Mit dabei, als Nr. 35: Norwegens Westküste samt Cardinal, wo man mit traditioneller norwegischer Hefe (kveik) hergestelltes Bier trinken soll. Als Aufmacherbild bzw. -video sieht man dabei nicht etwa einen spektakulären Wasserfall oder einen idyllischen Fjord, sondern das Zapfen eines Bieres im Cardinal. Wer also noch nicht da war, sollte sich darauf vorbereiten, dass es ab jetzt recht voll werden dürfte 😉

Winterruhe

Nach einem ereignisreichen Herbst haben wir nun bis Anfang nächsten Jahres Urlaub. Wir haben ja lange nichts mehr von uns hören lassen — uns fehlte einfach die Zeit, ein paar Zeilen zu schreiben.

Tania war seit Anfang September beruflich sehr eingespannt. Sie arbeitet u.a. in einer Arbeitsgruppe, die die Vergabe von Ölbohrlizenzen an die Ölfirmen koordiniert. Jedes Jahr bewerben sich die Ölfirmen um neue Lizenzen, und dann müssen die Geologen in Tanias Behörde darüber entscheiden, wer den Zuschlag bekommt. Alles in allem ist das ein ziemlich komplexer und zeitaufwändiger Prozess, verbunden mit mehreren Dienstreisen nach Oslo zum Erdöl- und Energieministerium und vielen Überstunden.

Auf der anderen Seite wurde auch wieder viel Bier gebraut — so viel, dass zwischenzeitlich das Leergut knapp wurde! Ich gehe aber davon aus, dass sich die Situation während unseres Urlaubs deutlich entspannen wird 😉

Am vergangenen Wochenende unternahmen wir eine wahren Zug durch die Provinz: Zunächst ging es mit der Eisenbahn nach Egersund, einer Kleinstadt mit rund 11500 Einwohnern, ca. 75 km südlich von Stavanger. Mit dem Zug braucht man rund 2 Stunden, um dahin zu kommen. Dort gibt es angeblich einen der schönsten Weihnachtsmärkte in Norwegen.

Nun ja, wir hatten an und für sich nichts Großartiges erwartet, aber das Angebot, sowohl an Kunsthandwerk als auch Gastronomie, war doch arg begrenzt. Wir waren auf jeden Fall froh darüber, dass die örtliche Craftbierbar Mungåt die Öffnungszeiten an die des Weihnachtsmarktes angepasst hatte, so dass wir wenigstens noch ein vernünftiges Bier trinken konnten.

Von Egersund aus ging es zurück Richtung Stavanger, wir machten aber Halt in Bryne, ungefähr 35 km südlich von Stavanger. Dort hat vor kurzem eine Gasthausbrauerei aufgemacht, bei der ein deutscher Braumeister arbeitet. Wir probierten die meisten der eigenen Biere — alles gut, soweit. Besonders gefallen hat uns ein helles Rauchporter, das nach Kaffee und Schokolade schmeckt — sehr ungewöhnlich und überraschend für ein helles Bier!

Auf dem Weg zurück zum Bahnhof in Bryne liegt die Craftbierbar Mellombels, an der wir natürlich nicht vorbeigehen konnten, ohne mal reinzuschauen. Dort trafen wir auf ein paar Bekannte, womit der späte Nachmittag und frühe Abend noch richtig lustig wurde.

Zurück in Stavanger landeten wir noch auf ein Bier im Cardinal, ehe wir bei inzwischen stürmischem Wetter das letzte Stück des Heimweges antraten.

Vorweihnachtliches Stavanger bei Nacht

Vorweihnachtliches Stavanger bei Nacht

Herbst!

Vor gut einer Woche hat ja der astronomische Herbst begonnen, bei uns ist er gefühlt aber schon einen Monat lang. Nach dem überaus guten und auch bei uns ungewöhnlich trockenen Sommer bekommen wir nun das, wovon wir vorher zu wenig hatten, nämlich jede Menge Regen!

Bereits im August fiel in Stavanger eineinhalb mal mehr Niederschlag als „normal”, und auch der September hat sein Soll schon mehr als übererfüllt. Heute Abend zieht ein weiteres Regengebiet über uns hinweg — es soll bis zu 60 l Niederschlag innerhalb von sechs Stunden bringen, weitere 100 l folgen am morgigen Tag.

Aber all das hat ja auch seine guten Seiten: In Norwegen wird fast die gesamte elektrische Energie durch Wasserkraftwerke erzeugt, die ihr Wasser aus Stauseen beziehen. Diese sahen gegen Ende des Sommers gar nicht mal so gut aus, weil nicht mehr viel Wasser drin war. Entsprechend zogen bei uns die Strompreise an, und für den Winter wurden Strompreise in Rekordhöhe prognostiziert. Das wäre bitter, denn in Norwegen heizen die meisten direkt mit Strom.

Nun sieht aber alles viel besser aus — alleine in den vergangenen zwei Wochen hat sich der Strompreis an der Börse fast halbiert. Der Grund dafür: Die Stauseen füllen sich zusehends, inzwischen liegt der Füllgrad bei 74,4 % in unserem „Stromerzeugungsgebiet”. Allerdings fehlen noch rund zehn Prozentpunkte bis der langjährige Mittelwert erreicht ist, aber mit den zu erwartenden Niederschlägen schaffen wir das auch noch!

Während es draußen langsam kälter wird (gestern Abend 5 °C in Stavanger, in Oslo gab es schon Frost), hat für Tania der heiße Herbst begonnen: Gerade jetzt laufen die Bewerbungen der Ölfirmen für neue Förderlizenzen, was für Tania und einige ihrer Kollegen viel Arbeit bedeutet. In den vergangenen drei Wochen lag die Wochenarbeitszeit im Schnitt bei über 55 Stunden, inklusive Arbeit am Wochenende.

Im Braukeller geht aber alles seinen gewohnten Gang. Gerade gärt ein American Imperial IPA vor sich hin, das uns mit voraussichtlich 8 vol.-% Alkohol im Herbst und Winter wärmend begleiten wird 😉

Zurück aus Europa

Seit ein paar Tagen sind wir wieder zurück von unserer Urlaubstour mit Auto und Zelt, die uns durch sieben Länder führte.

Erste Fähre von dreien: Überfahrt von Helsingborg nach Helsingør

Erste Fähre von dreien: Überfahrt von Helsingborg nach Helsingør

Ende Juni packten wir unser Auto und machten uns auf den Weg in Richtung Bretagne in Frankreich. Allerdings sollten wir nicht auf direktem Wege dorthin gelangen, denn vorher standen einige Besuche bei Freunden und Verwandten auf dem Plan.

Altes Gemäuer: Den gamle by in Aarhus

Altes Gemäuer: Den gamle by in Aarhus

Daher ging es zunächst nach Drøbak, ungefähr 40 km südlich von Oslo. Dort in der Nähe liegt die Hütte von Merethe und Audun, unseren Freunden aus Oslo, die wir dort für eine Nacht besuchten. Wir fuhren über das Gebirge und wurden bei gutem Wetter mit Ausblicken auf norwegische Bilderbuchlandschaft verwöhnt.

Craftbierbar: Mig og Ølsnedkeren in Aarhus

Craftbierbar: Mig og Ølsnedkeren in Aarhus

Am nächsten Tag ging es weiter auf der E6 Richtung Süden. Wir hatten kein konkretes Ziel und fuhren, so lange wir Lust hatten und übernachteten auf einem Campingplatz in Halmstad. Weiter ging es nach Aarhus in Dänemark. Wir wählten den von der Strecke her kürzesten, aber zeitlich längsten Weg, weil wir insgesamt drei Fähren nehmen mussten: Zunächst die über den Øresund von Helsingborg nach Helsingør, dann, an der Nordküste Seelands, die Fähre, die die Mündung des Isefjords überquert, und schließlich die Fähre über das Kattegat von Sjællands Odde nach Aarhus. Aarhus wollten wir schon lange einmal besuchen; dauernd fährt man mit dem Auto dran vorbei, und auch im letzten Jahr während unserer Radtour von Stavanger nach Bremen klappte es nicht mit einem Aufenthalt dort. Wir blieben daher zwei Nächte, so dass wir einen Tag Zeit hatten, uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt anzusehen. Ganz oben auf der Liste stand natürlich Den gamle by (Die alte Stadt), einem Freilichtmuseum bestehend aus rund 80 alten Gebäuden, die hauptsächlich aus Jütland stammend hier wieder aufgebaut wurden. Es ist immer wieder interessant zu sehen, unter welchen Bedingungen die Menschen früher leben mussten!

Am Ärmelkanal: Strand und Kreidefelsen von Étretat

Am Ärmelkanal: Strand und Kreidefelsen von Étretat

Es folgten ein paar Nächte in Hamburg, wo wir uns mit Tanias Familie trafen.

Weiter ging es zu Kumpel Detlef nach Walsrode. Damit uns dort nicht langweilig wurde, hatte er ordentlich allerhand verschiedene Biere eingekauft — viele bayerische und einen Haufen deutscher Craftbiere — die meisten kannten wir noch nicht.

Abtei- und Festungsinsel: Le Mont-Saint-Michel

Abtei- und Festungsinsel: Le Mont-Saint-Michel

Unsere vorläufig letzte Station in Deutschland sollten Kirchhorst bei Hannover werden, wo wir Annemiek besuchten.

Saint-Malo: Ältestes Haus der Stadt

Saint-Malo: Ältestes Haus der Stadt

Am nächsten Tag machten wir uns auf in Richtung unseres eigentlichen Reiseziels. Und auf der A2, kurz hinter Hannover, wurden wir Zeuge eines selten gewordenen Wetterphänomens: Es regnete, und das nicht zu knapp. Wir schafften es bis nach Gent in Belgien.

Saint-Malo: Strand bei Niedrigwasser

Saint-Malo: Strand bei Niedrigwasser

Von Gent aus fuhren wir nach Oostende, um dann immer an der Küste entlang Richtung Frankreich zu rollen. Auf diese Weise näherten wir uns der Bretagne nur sehr langsam. Unterwegs besuchten wir ein paar Sehenswürdigkeiten, wie z.B. die Kreidefelsen von Étretat, die auch ein beliebtes Exkursionsziel für norwegische Erdölfirmen sind, oder die Festungs- und Abteiinsel Le Mont-Saint-Michel sowie die Innenstadt von Saint-Malo. Wir versuchten auch, die Zentren von Brest und Rennes zu besuchen, sahen aber schnell ein, dass es dort nicht viel zu sehen gibt. Speziell Brest wurde während des 2. Weltkrieges heftig bombardiert und weitgehend zerstört, da der Hafen wichtiger Stützpunkt für Hitlers Atlantikkrieg war.

Nur echt mit Baguette: Frühstück unterwegs in Frankreich

Nur echt mit Baguette: Frühstück unterwegs in Frankreich

Brest war dann auch der westlichste Ort und somit Wendepunkt unserer Reise. Während der Rückreise fuhren wir in Frankreich zumeist auf gut ausgebauten Routes Nationales und auf Autobahnen, so dass wir nach zwei Tagen wieder in Belgien waren. Hier zog es uns zu einem großen Getränkehändler, um uns dort mit belgischem Bier einzudecken. Wir waren ziemlich erschlagen von der Riesenauswahl; dementsprechend war unser Auto hinterher deutlich tiefergelegt 😉

Direkt am Wasser: Der bretonische Strand

Direkt am Wasser: Der bretonische Strand

Wir freuten uns auch über das gute Bierangebot in der Bar des Campingplatzes, auf dem wir übernachteten — drei Biere vom Fass und mehr als zehn verschiedene Flaschenbiere sowie dazu passende Gläser haben uns rundherum zufriedengestellt!

Blick über die Jammerbucht: Svinkløv

Blick über die Jammerbucht: Svinkløv

Am nächsten Tag rollten wir zurück nach Deutschland und übernachteten auf einem Platz bei Bramsche. Es folgten am Tag darauf Besuche bei unseren Eltern in Varrel und Bremen, ehe es abends nach Hamburg zu Tanias Bruder weiterging.

Letzter Tag: Warten auf die Fähre am Strand von Løkken

Letzter Tag: Warten auf die Fähre am Strand von Løkken

Schließlich ging es nach Dänemark auf den Campingplatz Svinkløv, wo wir unsere letzten Urlaubstage verbrachten, ehe es mit der Fähre von Hirtshals zurück nach Stavanger ging.

Sommer!

Unglaublich aber wahr — wir haben gerade für zwei Tage echtes Sommerwetter in Stavanger. Schon gestern hatten wir 25 Grad, und heute soll es ebenso werden. Dazu weht es zwar heftig, aber der Wind fühlt sich recht warm an. Wir haben natürlich gestern die Gelegenheit gleich wahrgenommen und abends gegrillt. Morgen ist es mit dem Sommer dann wieder vorbei — uns werden 50-70 mm Regen prophezeit:

Schnarch!

Gestern Abend haben wir uns dann das erste Halbfinale des diesjährigen Eurovision Song Contests angetan — ich muss sagen, das war echt eine ziemlich verschnarchte Veranstaltung! Die Moderation beim ESC ist ja immer etwas speziell und aus der Zeit gefallen, aber so gestelzt und verkrampft wie gestern war es schon lange nicht mehr. Und die musikalischen Beiträge waren auch nicht gerade erfrischend — da darf man sich dann nicht darüber wundern, dass es auch beim ESC Protestwähler gibt, oder wie ist es sonst zu erklären, dass wir beispielsweise Netta aus Israel im Finale wiedersehen werden:

Auf Vereinskosten nach Oslo

Am vorletzten Wochenende waren wir in offizieller Mission in Oslo: Die Regionalabteilung von Norbrygg, dem norwegischen Heimbrauerverein, schickte uns und drei weitere Mitglieder als Delegierte von Norbrygg Rogaland nach Oslo zur Jahreshauptversammlung. Klar, es gibt spannendere Dinge in Oslo zu unternehmen als sich mit dem Rechenschaftsbericht des Vorstandes und dem Haushaltsplan für das kommende Jahr auseinanderzusetzen, aber irgendjemand muss es ja tun! Der Versammlungsort lag übrigens nur wenige hundert Meter von unserer ersten Wohnung entfernt. Am Sonntag hatten wir dann noch ein bisschen Zeit, bei gutem Wetter durch das Zentrum von Oslo zu spazieren, ehe es zurück zum Flughafen ging.

Mach’s noch einmal, Alexander!

Jedes Jahr im Frühling bereitet sich Europa auf die weltweit größte Unterhaltungsshow vor, den Eurovision Song Contest. Gestern Abend lief die norwegische Qualifikationsrunde, die hier Melodi Grand Prix heißt. Von zehn Kandidaten durften die Fernsehzuschauer sowie eine Jury aus zehn europäischen Ländern denjenigen auswählen, der Norwegen am 12. Mai beim ESC in Lissabon vertreten wird. Und wie schon im Jahre 2009 heißt der Teilnehmer aus Norwegen Alexander Rybak, „Mr. 12 Points” also.

ESC-Fans werden sich erinnern: Alexander Rybak gewann 2009 das ESC-Finale in Moskau und stellte damals einen Rekord auf: Er bekam jeweils 12 Punkte aus 16 Ländern — das hatte noch niemand vor ihm geschafft. In den darauf folgenden Wochen dudelte sein Lied Fairytale auf dem gesamten Kontinent; es verkaufte sich überaus erfolgreich. Wer es nicht mehr im Ohr hat, kann sein Gedächtnis etwas auffrischen:

Nun kehrt Rybak also wieder auf die ESC-Bühne zurück, in diesem Jahr mit dem Titel That’s how you write a song. Ich muss zugeben, dass ich etwas skeptisch war, als ich davon hörte, dass Rybak am diesjährigen norwegischen Melodi Grand Prix teilnehmen würde. Gestern Abend wurden meine Zweifel aber ausgeräumt. Die ganze Show plätscherte irgendwie vor sich hin, mit teilweise grottenschlechten Beiträgen, bis als letzter Artist Alexander Rybak auf die Bühne kam. Eine eingängige Melodie, eine fast perfekte Bühnenshow, ein authentisches Auftreten sorgten dafür, dass er den norwegischen Wettbewerb gewann. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Rybak einer der Favoriten des kommenden ESC sein wird, zumal er über eine große Fanbasis in Osteuropa verfügt.

Hoffen wir nur, dass es nicht zum Sieg reicht, sonst droht uns zur Finanzierung des nächsten ESC-Finales in Norwegen eine Rundfunkgebührenerhöhung…

Es gibt uns noch…

Ja, lange ist es her, dass wir an dieser Stelle etwas Neues von uns berichtet haben, was natürlich daran liegen könnte, dass es nicht so viel Berichtenswertes gibt.

Super Weihnachtsgeschenk: Eichenfass für Tania

Super Weihnachtsgeschenk: Eichenfass für Tania

Währen der letzten zwei Wochen des vergangenen Jahres hatten wir Urlaub, den wir gut gebrauchen konnten. Im Großen und Ganzen war der Plan, eigentlich nichts zu unternehmen, aber in der Heimbrauerei mussten natürlich trotzdem ein paar Handgriffe erledigt werden: zwei Biere haben wir abgefüllt, ein weiteres (am 26. Dezember) gebraut.

Bei diesem Bier handelt es sich um ein Pils, ein Bierstil, den wir bisher nur äußerst selten selbst gebraut haben. Inzwischen, nach rund vierwöchiger Gärung, ist auch dieses Bier abgefüllt und wird nun erst einmal gelagert, ehe es in ein paar Wochen an den Hahn kommen wird. Ein paar Geschmacksproben haben wir „unterwegs” natürlich genommen — es sieht so aus, als würde es ein gutes Bier werden.

Aufgetischt: Raclette & Selbstgebrautes

Aufgetischt: Raclette & Selbstgebrautes

Zu Silvester kam, wie schon im Jahr zuvor, Kumpel Detlef wieder herübergejettet. Am ersten Tag unternahmen wir einen ordentlichen Zug durch die Gemeinde: Bøker & Børst, Gulating Pub, På Kornet und Cardinal hießen die Destinationen — allesamt Kneipen, in denen es Craft-Bier zu trinken gibt. Das Gute dabei: Alle liegen im Zentrum in Laufentfernung zueinander und nur 15 Minuten Fußweg von unserem Haus entfernt — besonders vorteilhaft für den Rückweg 😉

An Silvester und den darauf folgenden Tagen gab es reichlich Raclette.

Mitte Januar bekamen wir eine kleine Brauereierweiterung geliefert: Wir haben uns zwei neue Kühlschränke zum Lagern von Bier angeschafft. Damit wir die in unserem an und für sich schon recht vollen Keller unterbringen konnten, waren einige Umräumarbeiten nötig. Die beiden neuen Kühlschränke wanderten in unseren bisherigen Vorratsraum, ein weiterer Kühlschrank, den wir zum Vergären verwenden, gesellte sich dazu. Weichen müssen dafür ein paar Plastikkästen, in denen wir Malz lagerten, sowie ein paar von unseren inzwischen 35 Bierkisten. Viele davon sind leer — ein sicheres Zeichen also, dass wir sie gar nicht benötigen! Noch steht sehr viel irgendwo im Weg herum, aber das Puzzle wird schon noch irgendwie passen …

Blick in den neuen Gär- und Lagerraum

Blick in den neuen Gär- und Lagerraum

Links wird gelagert, rechts vergoren

Links wird gelagert, rechts vergoren

Bierreicher Herbst IV – Update

Probieren und bewerten: Trinksport anno 2017

Probieren und bewerten: Trinksport anno 2017

Der Herbst hat es, wie in jedem Jahr, so scheint es, in sich. In unserem letzten Artikel hatten wir ja bereits beschrieben, was im Oktober in und um Stavanger biermäßig los war. Wir konnten in besagter Woche immerhin vier verschiedene Bierevents wahrnehmen. Höhepunkt waren dabei natürlich die Bierfestivals What’s Brewing in Stavanger und das Bierfestival in Nærbø, kurz Nærbøl genannt. Während also im Oktober recht viel Bier konsumiert wurde, haben wir uns im November mehr auf das Brauen konzentriert: Ganze vier Mal haben wir Bier gebraut: ein Altbier (das so gut geworden ist, dass wir es wohl zur nächsten norwegischen Meisterschaft einreichen werden), ein süßliches Bier, das wir wohl Flüssiger Kuchen nennen werden, ein belgisches Dubbel sowie eine Berliner Weiße, die gestern Abend fertiggebraut wurde und jetzt am Gären ist.

Gebraut auf der Zweitbraurerei:

Gebraut auf der Zweitbraurerei: „Flüssiger Kuchen“

Am interessantesten dürfte das Flüssiger-Kuchen-Bier sein: Das Rezept stammt aus dem Heimbraumagazin Brew Your Own, das wir abonniert haben. Das Bier soll demnach der aus Mittel- und Südamerika stammenden Süßspeise Tres Leches geschmacklich sehr nahe kommen. Es enthält nur sehr wenig Hopfen, dafür aber Milchzucker, Vanille und Zimt. Wir sind auf das Endprodukt sehr gespannt. Inzwischen haben die ersten Kneipen und Pubs unser im August bei Berentsens Brygghus in Egersund gebrautes Bier am Hahn. Premiere war am 3. November im Gulating Pub hier in Stavanger, und wir waren natürlich eingeladen und haben auch ein paar Worte über das Bier erzählt. Die ersten Bewertungen bei Untappd und RateBeer liegen auch schon vor — bisher sind die Leute wohl zufrieden. So schreibt beispielsweise der User Holmen1 bei RateBeer: „Vom Fass im Gulating Pub Stavanger: braun schwarz mit vorbildlichem Schaum bis zum letzten Tropfen. Geröstetes Malz, französischer Espresso, 80% Schokolade und am Ende dunkle Lakritze. Weder süß noch roh, nur sehr gut. Ein schönes Weihnachtsbier mit solider Drehzahl, geeignet für den ganzjährigen Gebrauch.“ Nun warten wir darauf, dass das Bier auch im Cardinal an den Hahn kommt. Immerhin hat Cardinal sechs von den dreißig Fässern, die es von unserem Bier gibt, bei sich im Keller stehen.

In guter Gesellschaft zwischen Mikkeller und Omnipollo: Sweet Crude O' Mine

In guter Gesellschaft zwischen Mikkeller und Omnipollo: Sweet Crude O‘ Mine

Update 05.12.2017: Seit heute gibt unser Bier auch im Cardinal, sogar mit unserem Logo am Zapfhahn! Ein 0,3-l-Glas kostet 108 kr, das sind z.Zt. läppische 11 Euro 😉

Gestern erschien ein Interview mit uns im regionalen Bierblog Brewolution Rogaland, das wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen. Das Interview ist natürlich auf Norwegisch — hier geht’s zur wie immer amüsanten deutschen Übersetzung von Google Translate.

Stavanger Craft Beer Week?

Bier liegt in der Luft — selten zuvor gab es so viele Veranstaltungen in den einschlägigen Craft-Bier-Kneipen, wie in dieser Woche:

  • Montag: Mandag i annen (Montag in der zweiten (Etage)) im Cardinal – alle zwei Wochen kann man dort die Bierneuheiten zu einem angenehmen Preis verköstigen
  • Mittwoch: NKB – Nordic Kiwi Brewers zu Besuch im Cardinal, Tap-take-over mit der Kongsberg Bryggeri im På Kornet und Omnipollo bei Bøker og Børst
  • Donnerstag: Pyynikin im Gulating Pub Stavanger, „Belgien gegen USA” mit Brasserei Cantillon und Cascade Brewing im På Kornet, Tap-take-over im CIRKUS mit der kanadischen Brauereien Dieu du Ciel og Trou du Diable. Außerdem öffnet die True North Bar in der City
  • Freitag: What’s Brewing Bier Festival in Stavanger
  • Sonnabend: What’s Brewing Bier Festival in Stavanger

Uff — jetzt ist es schon so weit, dass man nicht mehr an allen Veranstaltungen teilnehmen kann und man priorisieren muss!

Brauen mit den Profis

Regelmäßige Leser unseres Blogs werden sich erinnern: Letztes Jahr gewannen wir einen Heimbrauwettbewerb, und der Hauptgewinn bestand darin, dass unser Gewinnerbier in einer kleinen Charge von rund 1000 Litern bei der Brauerei Berentsen in Egersund gebraut wird.

Klein, aber fein: Berentsens Brygghus in Egersund

Klein, aber fein: Berentsens Brygghus in Egersund

Seitdem hatten wir den Chefbrauer Fred Berentsen auf ein paar Bierfestivals getroffen, und ein paar E-Mails wurden auch hin- und hergeschickt. Dann wurde es aber sehr ruhig, und wir rechneten ehrlich gesagt nicht mehr damit, dass unser Bier bei Berentsen tatsächlich gebraut werden würde. Doch während unseres Sommerurlaubes kam Fred mit einem Terminvorschlag zum gemeinsamen Brauen, und da zögerten wir natürlich nicht lange und sagten sofort zu.

Brauer beginnen früh mit der Arbeit, mussten wir Büroarbeiter erfahren: Wenn wir schon beim Malzschroten dabei sein wollen, sollten wir um sieben Uhr bei der Brauerei sein. Das hieß für uns, vor sechs Uhr in Stavanger loszufahren, denn nach Egersund fährt man über eine Stunde.

Handarbeit: Malz sortieren

Handarbeit: Malz sortieren

Als wir kurz nach sieben Uhr ankamen, waren Fred und Brauer Trond schon dabei, das benötigte Malz zu sortieren. Für unser Bier werden sechs verschiedene Malze benötigt — da gab es also ein bisschen was zu tun.

Hilfe durch den Gastbrauer: Malz schroten

Hilfe durch den Gastbrauer: Malz schroten

Das Malzschroten war, zumindest bei Berentsen, der einzige Arbeitsschritt, wo noch richtig Muskelkraft erforderlich war. Während die Basismalze in sehr großen Gebinden, die nur noch mit dem Gabelstapler hantiert werden können, an die Malzmühle kamen, wurden die 25-kg-Säcke mit den Spezialmalzen vom Brauer selbst in die Mühle geschüttet. Unser Bier hatte reichlich davon 🙂

Ab da lief aber das meiste automatisch. Dabei beeindruckte uns vor allem die Geschwindigkeit, mit der in der Brauerei die verschiedenen Vorgänge abliefen.

Schaltzentrale: Fred und Trond vor der Brauereisteuerung

Schaltzentrale: Fred und Trond vor der Brauereisteuerung

Zwischendurch bekamen wir noch eine Führung durch den gesamten Betrieb, und am Ende übergab Fred uns zwei Plastiktüten gefüllt mit Produkten des Hauses — da waren wir dann doch überrascht, es passiert wirklich nicht oft, dass man in Norwegen Alkohol geschenkt bekommt!

Eingekesselt: Brauer beim Fachsimpeln

Eingekesselt: Brauer beim Fachsimpeln

Nun warten wir darauf, dass das Bier fertig vergoren ist. Wenn alles nach Plan verläuft, soll es am 20. September im Rahmen einer Tap take-over-Veranstaltung in einem Pub hier in Stavanger, bei der Berentsen alle Zapfhähne im Pub mit eigenen Bieren beschickt, der geneigten Öffentlichkeit präsentiert werden. Wir sind gespannt, ob das professionell gebraute Bier genau so gut geworden ist wie unser selbstgebrautes.