Bierreicher Herbst IV – Update

Probieren und bewerten: Trinksport anno 2017

Probieren und bewerten: Trinksport anno 2017

Der Herbst hat es, wie in jedem Jahr, so scheint es, in sich. In unserem letzten Artikel hatten wir ja bereits beschrieben, was im Oktober in und um Stavanger biermäßig los war. Wir konnten in besagter Woche immerhin vier verschiedene Bierevents wahrnehmen. Höhepunkt waren dabei natürlich die Bierfestivals What’s Brewing in Stavanger und das Bierfestival in Nærbø, kurz Nærbøl genannt. Während also im Oktober recht viel Bier konsumiert wurde, haben wir uns im November mehr auf das Brauen konzentriert: Ganze vier Mal haben wir Bier gebraut: ein Altbier (das so gut geworden ist, dass wir es wohl zur nächsten norwegischen Meisterschaft einreichen werden), ein süßliches Bier, das wir wohl Flüssiger Kuchen nennen werden, ein belgisches Dubbel sowie eine Berliner Weiße, die gestern Abend fertiggebraut wurde und jetzt am Gären ist.

Gebraut auf der Zweitbraurerei:

Gebraut auf der Zweitbraurerei: „Flüssiger Kuchen“

Am interessantesten dürfte das Flüssiger-Kuchen-Bier sein: Das Rezept stammt aus dem Heimbraumagazin Brew Your Own, das wir abonniert haben. Das Bier soll demnach der aus Mittel- und Südamerika stammenden Süßspeise Tres Leches geschmacklich sehr nahe kommen. Es enthält nur sehr wenig Hopfen, dafür aber Milchzucker, Vanille und Zimt. Wir sind auf das Endprodukt sehr gespannt. Inzwischen haben die ersten Kneipen und Pubs unser im August bei Berentsens Brygghus in Egersund gebrautes Bier am Hahn. Premiere war am 3. November im Gulating Pub hier in Stavanger, und wir waren natürlich eingeladen und haben auch ein paar Worte über das Bier erzählt. Die ersten Bewertungen bei Untappd und RateBeer liegen auch schon vor — bisher sind die Leute wohl zufrieden. So schreibt beispielsweise der User Holmen1 bei RateBeer: „Vom Fass im Gulating Pub Stavanger: braun schwarz mit vorbildlichem Schaum bis zum letzten Tropfen. Geröstetes Malz, französischer Espresso, 80% Schokolade und am Ende dunkle Lakritze. Weder süß noch roh, nur sehr gut. Ein schönes Weihnachtsbier mit solider Drehzahl, geeignet für den ganzjährigen Gebrauch.“ Nun warten wir darauf, dass das Bier auch im Cardinal an den Hahn kommt. Immerhin hat Cardinal sechs von den dreißig Fässern, die es von unserem Bier gibt, bei sich im Keller stehen.

In guter Gesellschaft zwischen Mikkeller und Omnipollo: Sweet Crude O' Mine

In guter Gesellschaft zwischen Mikkeller und Omnipollo: Sweet Crude O‘ Mine

Update 05.12.2017: Seit heute gibt unser Bier auch im Cardinal, sogar mit unserem Logo am Zapfhahn! Ein 0,3-l-Glas kostet 108 kr, das sind z.Zt. läppische 11 Euro 😉

Gestern erschien ein Interview mit uns im regionalen Bierblog Brewolution Rogaland, das wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen. Das Interview ist natürlich auf Norwegisch — hier geht’s zur wie immer amüsanten deutschen Übersetzung von Google Translate.

Stavanger Craft Beer Week?

Bier liegt in der Luft — selten zuvor gab es so viele Veranstaltungen in den einschlägigen Craft-Bier-Kneipen, wie in dieser Woche:

  • Montag: Mandag i annen (Montag in der zweiten (Etage)) im Cardinal – alle zwei Wochen kann man dort die Bierneuheiten zu einem angenehmen Preis verköstigen
  • Mittwoch: NKB – Nordic Kiwi Brewers zu Besuch im Cardinal, Tap-take-over mit der Kongsberg Bryggeri im På Kornet und Omnipollo bei Bøker og Børst
  • Donnerstag: Pyynikin im Gulating Pub Stavanger, „Belgien gegen USA” mit Brasserei Cantillon und Cascade Brewing im På Kornet, Tap-take-over im CIRKUS mit der kanadischen Brauereien Dieu du Ciel og Trou du Diable. Außerdem öffnet die True North Bar in der City
  • Freitag: What’s Brewing Bier Festival in Stavanger
  • Sonnabend: What’s Brewing Bier Festival in Stavanger

Uff — jetzt ist es schon so weit, dass man nicht mehr an allen Veranstaltungen teilnehmen kann und man priorisieren muss!

Brauen mit den Profis

Regelmäßige Leser unseres Blogs werden sich erinnern: Letztes Jahr gewannen wir einen Heimbrauwettbewerb, und der Hauptgewinn bestand darin, dass unser Gewinnerbier in einer kleinen Charge von rund 1000 Litern bei der Brauerei Berentsen in Egersund gebraut wird.

Klein, aber fein: Berentsens Brygghus in Egersund

Klein, aber fein: Berentsens Brygghus in Egersund

Seitdem hatten wir den Chefbrauer Fred Berentsen auf ein paar Bierfestivals getroffen, und ein paar E-Mails wurden auch hin- und hergeschickt. Dann wurde es aber sehr ruhig, und wir rechneten ehrlich gesagt nicht mehr damit, dass unser Bier bei Berentsen tatsächlich gebraut werden würde. Doch während unseres Sommerurlaubes kam Fred mit einem Terminvorschlag zum gemeinsamen Brauen, und da zögerten wir natürlich nicht lange und sagten sofort zu.

Brauer beginnen früh mit der Arbeit, mussten wir Büroarbeiter erfahren: Wenn wir schon beim Malzschroten dabei sein wollen, sollten wir um sieben Uhr bei der Brauerei sein. Das hieß für uns, vor sechs Uhr in Stavanger loszufahren, denn nach Egersund fährt man über eine Stunde.

Handarbeit: Malz sortieren

Handarbeit: Malz sortieren

Als wir kurz nach sieben Uhr ankamen, waren Fred und Brauer Trond schon dabei, das benötigte Malz zu sortieren. Für unser Bier werden sechs verschiedene Malze benötigt — da gab es also ein bisschen was zu tun.

Hilfe durch den Gastbrauer: Malz schroten

Hilfe durch den Gastbrauer: Malz schroten

Das Malzschroten war, zumindest bei Berentsen, der einzige Arbeitsschritt, wo noch richtig Muskelkraft erforderlich war. Während die Basismalze in sehr großen Gebinden, die nur noch mit dem Gabelstapler hantiert werden können, an die Malzmühle kamen, wurden die 25-kg-Säcke mit den Spezialmalzen vom Brauer selbst in die Mühle geschüttet. Unser Bier hatte reichlich davon 🙂

Ab da lief aber das meiste automatisch. Dabei beeindruckte uns vor allem die Geschwindigkeit, mit der in der Brauerei die verschiedenen Vorgänge abliefen.

Schaltzentrale: Fred und Trond vor der Brauereisteuerung

Schaltzentrale: Fred und Trond vor der Brauereisteuerung

Zwischendurch bekamen wir noch eine Führung durch den gesamten Betrieb, und am Ende übergab Fred uns zwei Plastiktüten gefüllt mit Produkten des Hauses — da waren wir dann doch überrascht, es passiert wirklich nicht oft, dass man in Norwegen Alkohol geschenkt bekommt!

Eingekesselt: Brauer beim Fachsimpeln

Eingekesselt: Brauer beim Fachsimpeln

Nun warten wir darauf, dass das Bier fertig vergoren ist. Wenn alles nach Plan verläuft, soll es am 20. September im Rahmen einer Tap take-over-Veranstaltung in einem Pub hier in Stavanger, bei der Berentsen alle Zapfhähne im Pub mit eigenen Bieren beschickt, der geneigten Öffentlichkeit präsentiert werden. Wir sind gespannt, ob das professionell gebraute Bier genau so gut geworden ist wie unser selbstgebrautes.

Einmal Bremen und zurück

Seit ein paar Tagen sind wir zurück aus unserem diesjährigen Sommerurlaub, wo wir es so richtig haben krachen lassen: Wir sind mit Tandem und Zelt von Stavanger nach Bremen und wieder zurück geradelt.

Fast so lang wie ein Wohnmobil: Tandem mit Anhänger

Fast so lang wie ein Wohnmobil: Tandem mit Anhänger

Schon im letzten Jahr, als wir mit dem Rad in Nordjütland unterwegs waren, reifte unser Entschluss, einmal eine längere Tour zu unternehmen — damals waren uns die meisten Strecken zu kurz. Entsprechend gründlich waren unsere Vorbereitungen für unsere diesjährige Tour.

So haben wir uns einen neuen Fahrradanhänger zugelegt, der leer rund 8 kg weniger wiegt als unser alter Anhänger. Außerdem passt viel weniger rein, so dass wir entsprechend weniger mitnehmen können, was wiederum hilft, Gewicht zu sparen. Mit Hilfe der Webseite cycle.travel, einem Routenplaner für Radtouren, haben wir unsere Tour akribisch geplant. Am Ende hatten wir elf Tage für die Hinfahrt und zehn Tage für die Rückfahrt eingeplant; es blieben fünf Tage „Reserve” für unvorhersehbare Vorkommnisse, denn eines war sicher: am 8. August geht unsere Fähre von Hirtshals zurück nach Stavanger — die mussten wir unbedingt erreichen!

Die Strecke

Ein bisschen muss aber noch: Pause kurz vorm Etappenziel

Ein bisschen muss aber noch: Pause kurz vorm Etappenziel

Die Fährverbindung zwischen Stavanger und Hirtshals macht es uns leicht, direkt mit dem Rad zu Hause loszufahren und nach ca. 16 km auf die Fähre zu rollen. Nach der Ankunft in Dänemark ging es dann richtig los auf die erste Etappe von Hirtshals nach Aalborg. Von Aalborg aus wählten wir eine Strecke, die mehr oder weniger an der Ostküste Jütlands entlang nach Süden führt. Allerdings: An der Ostküste gibt es einige Höhenmeter zu bewältigen, so dass wir im voraus mithilfe von cycle.travel günstigere Routen ausgewählt hatten. Speziell den Raum Vejle umfuhren wir großzügig, da es dort extreme Steigungen gibt — Dänemarks steilste Strecken liegen dort.

Da kommt Freude auf: Nasses Zelt zum Frühstück

Da kommt Freude auf: Nasses Zelt zum Frühstück

Unsere erste Übernachtung in Deutschland hatten wir in Flensburg; von dort ging es weiter nach Kiel, von wo aus wir mehr oder weniger direkt nach Bremen fuhren. Die Strecke zwischen Kiel und Bremen wurde in erster Linie durch verfügbare und in passender Entfernung liegende Campingplätze bestimmt; naturgemäß gibt es davon im Niemandsland Schleswig-Holsteins und Niedersachsens weniger als in den Tourismus-Hochburgen an der Küste.

In Bremen legten wir unseren ersten Pausetag ein. Den brauchten wir auch, denn der Weg war teilweise recht anstrengend aufgrund der vielen Höhenmeter und des Gegenwindes, den wir meistens hatten. Obwohl wir unsere Übernachtungsplätze fast immer in die Nähe mehr oder weniger großer Ortschaften gelegt hatten, hatten wir abends häufig keine Muße mehr, uns die Orte anzusehen, da wir einfach zu erledigt waren.

Heimische Gefilde: Blocklander Deich

Heimische Gefilde: Blocklander Deich

Abgesehen davon musste unser Rad auf Vordermann gebracht werden. In Bremen mussten wir zwei neue Mäntel aufziehen, ein neuer Sattel für Tania musste her und unser alter Fahrradständer hatte auch die Biege gemacht.

Nachdem Mensch und Material wieder in Form waren, ging es zurück Richtung Norden, dieses Mal entlang der Westküste. Zunächst mehr oder weniger an der Weser entlang bis nach Wremen, von dort aus über Cuxhaven und Brunsbüttel an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste (Büsum, Husum) zurück nach Dänemark. Endlich bekamen wir ab Husum recht günstigen Wind, der uns bis nach Løkken treu bleiben sollte. Am besten lief es zwischen Søndervig und Thyborøn, wo wir über eine Strecke von 82 km einen Schnitt von 24 km/h hinlegten.

Geschafft: Angekommen in Bremen

Geschafft: Angekommen in Bremen

Gegen Ende unserer Tour wurden die Tagesstrecken dann etwas kürzer, weil wir noch ausreichend Zeit bis zur Abfahrt unserer Fähre hatten. Außerdem erwischte uns eine fiese Erkältung, so dass wir am Ende froh waren, nicht mehr allzu weit fahren zu müssen.

Das Wetter

Lecker: Kühles Hemelinger in Bremerhaven

Lecker: Kühles Hemelinger in Bremerhaven

Tja, das Wetter hätte besser sein können. Es gab kaum einen Tag, an dem wir keinen Regen hatten. Meistens regnete es nachts, so dass wir stets ein schweres, nasses Zelt durch die Gegend fuhren. Richtig kräftigen, länger anhaltenden Regen hatten wir nur an zwei, drei Tagen — es hätte also schlimmer kommen können. Anders herum schien ja auch die Sonne fast täglich, so dass wir unser nasses Zelt in der Regel auch wieder trocken bekamen.

Die Radwege

Die Navigatorin kennt den Weg

Die Navigatorin kennt den Weg

Von unseren Touren in Dänemark sind wir eine gute Ausschilderung und Qualität der Radwanderwege gewohnt. Erstaunlich, wie schlecht Radwege in Deutschland ausgeschildert sind, von deren Qualität mal ganz zu schweigen: Wir fahren schnell, also meistens irgendetwas zwischen 20 und 30 km/h — die meisten der als Radwege gekennzeichneten Rüttelpisten sind dafür ungeeignet, also wichen wir häufig – zum Missvergnügen der Autofahrer – auf die Straße aus.

Während in Dänemark nationale und regionale Radrouten durch eindeutige Nummern gekennzeichnet und demnach leicht zu folgen sind, gibt es in Deutschland nur ein einheitliches, unscheinbares Schildchen ohne Angabe, für welche Strecke es gilt, häufig hinter Vegetation verborgen und so klein, dass man es im Vorbeifahren nicht rechtzeitig erkennt. Die extra angeschafften Fahrradkarten waren auch keine große Hilfe, so dass wir in Deutschland ausschließlich mit dem Handy navigierten.

Die Campingplätze

Wird schon wieder: Gute Miene zu schlechtem Wetter

Wird schon wieder: Gute Miene zu schlechtem Wetter

Auch bei den Campingplätzen gibt es ein deutliches Nord-Süd-Gefälle — betrachtet mit den Augen des durchziehenden Radwanderers. Aus Platz- und Gewichtsgründen haben wir nur ein kleines Zelt und keinen Tisch und keine Stühle dabei. Aus Dänemark sind wir es gewohnt, dass es einen gewissen Komfort auf den Plätzen gibt: Küche, Aufenthaltsräume oder zumindest überdachte Sitzgelegenheiten. Dass wir derartige Einrichtungen nicht unbedingt auf einem Platz wie Weddelbrook, mitten in der schleswig-holsteinischen Pampa liegend, erwarten, leuchtet ein — das ist ein Platz für Dauercamper; dort werden nur wenige Radwanderer Halt machen. Aber Flensburg, Kiel, Büsum? Dort gibt es schon ein paar mehr von unserer Art. Deshalb machten wir uns von Bremen aus auch schnell auf den Weg zurück nach Dänemark, dem gelobten Campingland.

Einen neuen Standard setzte übrigens der Campingplatz in Ribe, Dänemarks ältester Stadt: Dort gab es sowohl eine Innen- als auch Außenküche, samt Tischdecken und frischen Blümchen, sowie luxuriöse Einzelwaschräume mit Haartrockner — der Standard dort war besser als bei uns zu Hause.

Muss das sein? Nicht unbedingt, aber es zeigt eine andere Haltung dem Campinggast gegenüber.

Zur Ehrenrettung der deutschen Plätze sei erwähnt, dass wir dort per Übernachtung 10-15 Euro zahlten, während es in Dänemark rund 25-35 Euro waren.

Und sonst so?

Radweg durch die Dünenanpflanzung (Klitplantage)

Radweg durch die Dünenanpflanzung (Klitplantage)

Kleiner Tip Nr. 1: Wenn man schon in zwei guten Kneipen war und dort einige Biere getrunken hat, dann braucht man auf dem Weg zurück zum Campingplatz nicht noch ein paar weitere Flaschen aus dem Supermarkt mitzunehmen und die dann auch noch trinken. Verkatert 80 km Rad fahren bei 25 Grad im Schatten und Gegenwind, das kommt nicht wirklich gut!

Kleiner Tip Nr. 2: Solltet ihr einmal auf einem Campingplatz zelten, dann haltet Abstand zu Radwanderern. Die gehen meistens früh zu Bett, schnarchen dann den ganzen Platz voll, und sind morgens die ersten, die ihre Sachen packen (=herumlärmen) und abfahren. Schlimmer noch sind biertrinkende Radwanderer; die müssen nachts öfter mal zur Toilette, was das Öffnen und Schließen von drei Reißverschlüssen mit sich bringt. Die schlimmste Kategorie sind erkältete biertrinkende Radwanderer. In der Zeit wo sie mal nicht schnarchen oder zur Toilette gehen (Reißverschlüsse!), husten oder niesen sie, und das meistens abwechselnd.

Fährt sich gut bei Rückenwind: Straße nach Thyborøn

Fährt sich gut bei Rückenwind: Straße nach Thyborøn

Woran erkennt man übrigens deutsche Touristen in Norddänemark (oder auch in Norwegen)? Egal wie das Wetter sein mag, laufen sie stets mit übermäßig festem Schuhwerk, einer häufig viel zu großen (aber sicher sehr bequemen) Hose mit abnehmbaren Hosenbeinen und einem ordentlichen GoreTex-Anorak, ganz bis oben hin verschlossen, herum. Mit anderen Worten: Die sehen aus, als seien sie auf einer großen Expedition in bisher unentdeckte Ecken dieser großen, weiten Welt, fernab jeglicher Zivilisation. Sieht irgendwie merkwürdig aus, wenn alle anderen in T-Shirt, kurzer Hose und barfuß in Sandalen herumlaufen. Die ganz Extremen sind übrigens mit einem Land Rover da, ordentlich mit Reserverädern und jeder Menge Kanister auf dem Dach. OK, man weiß ja nicht, wie weit die noch fahren, wenn man sie in Dänemark antrifft. Wer weiß, vielleicht wollen die ja noch zum Nordkapp? Kommt man allerdings auch mit ’nem alten Golf hin, habe ich gehört 😉

Am Strand von Slettestrand

Am Strand von Slettestrand

Einer meiner Facebook-Freunde meinte neulich, wir seine die Härtesten. Nee, bei weitem nicht. Unterwegs trafen wir einen Schweizer Radwanderer, der auf der Rückreise aus Bergen war. Der war auf eigene Achse von der Schweiz, durch Deutschland und Dänemark nach Norwegen und dort bis Bergen unterwegs, und nun fuhr er eben das Ganze zurück.

Dann trafen wir auf dem Platz an der Løgten Bucht, bei Aarhus, ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden, auch mit Tandem und Anhänger unterwegs — die hatten den gleichen Anhänger wie wir. Deren Zelt war wesentlich größer als unseres, die hatten Stühle mit und auch sonst sahen wir einige Gegenstände, auf die wir verzichtet hatten. Da haben wir uns schon gefragt, wo die ihr Gepäck lassen! Verflixt, diese Holländer, die sind eben doch zum Camping geboren!

Können Zeltstangen altern? Dass das Zelt an sich irgendwann, von UV-Strahlung zermürbt, brüchig wird, leuchtet ein. Das Gestänge sollte aber länger halten als der Rest. Unser Zelt haben wir erst im letzten Jahr gekauft und ja auch benutzt, da war alles gut. Auf dieser Reise jedoch ist eine Stange drei Mal gebrochen, eine weitere ein Mal. Reparaturhülsen gibt es nirgendwo zu kaufen. Am Ende mussten wir uns einen Meter Kupferrohr aus einem Baumarkt in Thisted holen, dazu einen Rohrabschneider, um uns selbst ein paar Hülsen zu basteln, damit wir die gebrochenen Stangen reparieren und unser Zelt weiter benutzen konnten.

Fazit

Zurück in Hirtshals

Zurück in Hirtshals

Es geht doch noch: 1735 km an 26 Tagen; nimmt man die beiden kurzen Etappen in Stavanger heraus, bleiben noch ca. 1700 km an 24 Fahrradtagen, d.h. ca. 71 km pro Tag im Schnitt.

Auch wenn meine ursprüngliche Aussage „Mit hundert Kilometern pro Tag sind wir nach einer Woche in Bremen!” etwas optimistisch war, so sind achtzig Kilometer täglich doch ein realistischer Wert. Wir hätten uns nur etwas mehr Zeit gewünscht, um uns unterwegs etwas mehr anzusehen. So war es halt eher ein Rennen nach Bremen und eine etwas entspanntere Tour zurück. Für andere Dinge reichte die Gesamtzeit nicht aus. Ansonsten fühlen wir uns (mal abgesehen von unserer mitgebrachten Erkältung) fit und überlegen schon, wo die nächste Tour hingehen könnte.


Die Karte mit unserem Routenverlauf lässt sich in einem eigenen, größeren Fenster öffnen (dafür auf das Symbol oben rechts klicken). Wie üblich kann man beliebig rein-/rauszoomen. Die einzelnen Streckenabschnitte sind anklickbar; so lassen sich weitere Informationen zum jeweiligen Abschnitt anzeigen.

Tiffany & Co.

Nein, hier handelt es sich nicht um den amerikanischen Juwelier gleichen Names, sondern um mein neues Hobby.

Schon lange wünsche ich mir zusätzlich zum Bierbrauen ein weiteres kreatives Hobby, gerne eines, das etwas buntere Resultate liefert. Früher habe ich ja mal gemalt, aber diese Zeiten sind irgendwie vorbei. Stricken oder Häkeln kann man ja mal machen, ist aber auf Dauer auch nicht wirklich mein Ding. Ich kam dann vor einigen Monaten auf Glasgestaltung in Tiffanytechnik. Ich dachte mir, dass die Kombination von Kreativität, bunten Farben und handwerklichem Geschick bestimmt etwas für mich sei.

Glücklicherweise befindet sich in Stavangers Gamleby, also in Laufentfernung zu unserem Haus, eine Glaswerkstatt samt (Online-) Shop. Dort wollte ich eigentlich einen Kurs machen, habe dann aber das Geld doch nach dem Motto „lieber Klotzen, nicht Kleckern“ in eine komplette Grundausstattung investiert. Bei der Abholung konnte sich die Besitzerin den Kommentar „Sehr mutig“ nicht verkneifen, als sie hörte, dass ich Tiffany noch nie ausprobiert habe.

Inzwischen habe ich einige Stücke produziert und auch einiges an Verbrauchsmaterial billig in Deutschland nachgekauft. Tiffany macht mir irre Spaß, aber es ist ein zeitaufwändiges Hobby … Im Schnitt soll jedes einzelne Teil ca. 30 Minuten benötigen. Das kommt in etwa hin: Für den letzen 16-teiligen Stern habe ich insgesamt etwa 7 Stunden gebraucht, also 23 Minuten per Teil.

So, auf besonderen Wunsch folgen hier Bilder der bisher angefertigten Objekte in chronologischer Reihenfolge (Übung macht auch bei Tiffany den Meister). Bei Gegenlicht haben die Stücke natürlich viel kräftigere Farben und sehen sehr viel besser aus!

Neue Haustür

Ausgetauscht: Haustür

Ausgetauscht: Haustür

Seit gut einer Woche haben wir eine neue Haustür! Die alte Tür war sowieso nicht die schönste, und zum Haus passte sie auch nicht. Im Zuge des Austauschs unserer Kellerfenster und -tür hatten wir uns entschlossen, die Haustür gleich mit zu tauschen, auch in Hinblick auf besseren Einbruchsschutz.

Die Tür hatten wir schon eine Weile im Hausflur liegen, und eigentlich sollte sie schon im Februar eingebaut werden. Aber die ursprünglich beauftragte Firma ging pleite und konnte den Einbau daher nicht ausführen.

„Alles gut,” ist man geneigt zu sagen — ist es aber nicht! Wir hatten eigentlich eine Tür mit Klarglas bestellt, geliefert wurde allerdings Milchglas. Nun wird also das Türblatt in ein paar Wochen noch einmal auf Herstellerkosten getauscht.

Und im Keller geht es auch frühestens in vier Wochen weiter.

Schornstein neu verputzt

Da momentan nicht viel Berichtenswertes passiert bei uns, greifen wir sozusagen auf „Archivmaterial” zurück. Hier kommt nun der spannende Bericht über das Verputzen unseres Schornsteines!

Mit Riss und recht locker: Schornstein mit altem Putz

Mit Riss und recht locker: Schornstein mit altem Putz

Im Herbst letzten Jahres mussten wir den Teil unseres Schornsteins, der durch den Dachboden verläuft, neu verputzen. Wie schon an anderen Stellen unseres Hauses (siehe hier, hier und hier) zeigte sich der Putz von seiner lockeren Seite. Ein großer Riss war sichtbar, und man konnte durch Klopfen feststellen, dass der Putz an vielen Stellen nicht mehr mit dem Untergrund verbunden war. Da half nur eines — 'runter mit dem Zeug! Naja, so toll sah der Putz sowieso nicht aus — ein Maurer hatte seine Hände beim Verputzen wohl nicht im Spiel, so schief und krumm, wie da gearbeitet wurde.

Alles ist runter: Der alte Putz ist ab!

Alles ist runter: Der alte Putz ist ab!

Mitte Oktober machten wir uns an die Arbeit. Tatsächlich ging das Abklopfen des alten Putzes sehr schnell von der Hand — der größte Teil erwies sich als sehr entgegenkommend. Leider zeigte sich nicht nur der Putz, sondern auch einer der Ziegelsteine als sehr brüchig: Ausgerechnet einer der Steine, die direkt über der Wartungsklappe lagen, zerbröselte förmlich. War natürlich blöd, weil man dort nicht so ohne Weiteres einen neuen Stein einsetzen konnte, da die Auflage wegen der darunter liegenden schmalen Klappe fehlte. Einen weiteren Stein hatten wir sowieso nicht.

Abwärts: Schutteimer am Flaschenzug

Abwärts: Schutteimer am Flaschenzug

Ich musste daher eine Vorrichtung basteln, die durch die Schornsteinklappe bugsiert wurde, um dem neuen Stein (den wir uns von einem Schutthaufen von der Recyclingstation besorgten) eine Stütze zu bieten, bis der Mörtel fest geworden war.

Als nächstes mussten wir neu verfugen, denn der alte Mörtel in den Fugen war auch sehr locker. Als dann folgten zwei Runden mit Putz, ehe wir am Ende weiß gefärbten Feinputz mit der Farbrolle auftrugen.

Nun ist wieder alles gut, und rechtzeitig zur Ofensaison hatten wir den Schornstein fertig.

 
 
 
 
 
 
 

Geht doch!

Alljährlich fasst das Bierbewertungsportal ratebeer.com die Bewertungen des vergangenen Jahres zusammen und kürt die Jahresbesten.

Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass Stavanger Norwegens Bierhauptstadt ist, zumindest wenn man die Bewertungen für das Jahr 2016 berücksichtigt:

  • Bester Pub Norwegens: Cardinal, zum 7. Mal in Folge
  • Bestes Bier Norwegens: Lervig Brewers Reserve Barley Wine, in Bourbonfässern gereift — gebraut von Lervig in Stavanger
  • Beste neue Brauerei Norwegens: Salikatt Brauerei aus Stavanger

Besonders für die Salikatt-Brauerei freut es uns, eine kleine Brauerei, die von einem jungen Ehepaar betrieben wird. Die haben Haus und Hof verkauft, um eine professionelle Brauerei aufzubauen und dabei schuldenfrei und unabhängig von Investoren zu sein. Mit bescheidenen Mitteln haben sie es geschafft, ein paar gute Biere auf den Markt zu bringen.

Auf ein Neues!

Na, alle wieder nüchtern? Sollte wohl, oder? Der Jahreswechsel liegt schließlich schon knapp zwei Wochen zurück!

OK, was ist passiert bei uns?

Wir haben die letzten zwei Wochen des alten Jahres trotz arbeitnehmerunfreundlicher Lage der Feiertage frei nehmen können, Überstunden und Resturlaub sei Dank!

Best of two worlds: Alte und neue Braukessel kombiniert zu einer Brauerei

Best of two worlds: Alte und neue Braukessel kombiniert zu einer Brauerei

Vor Weihnachten haben wir zum ersten Mal mit unserer neuen Brauerei gebraut. Bei der neuen Anlage, die wir im November günstig gebraucht erstanden haben, handelt es sich um eine „3-Kessel-Brauerei” — somit ähnelt dieses Setup mehr einer „richtigen” Brauerei, nur eben en miniature für rund 25 Liter fertiges Bier. Im Unterschied zu unserer alten Brauerei ist mehr Handarbeit angesagt — von alleine läuft da nichts. Dafür können wir mit der neuen Anlage einfacher richtig starke Biere brauen, was bei uns allerdings nicht so häufig vorkommt.

Abgesehen davon waren bei der neuen Brauerei ein paar Gerätschaften dabei, die wir auch mit unserer alten Brauerei verwenden können — eine Pumpe zum Beispiel; nun müssen wir nicht mehr unsere 50-l-Gärfässer durch den Keller wuchten, sondern können die Bierwürze dorthin pumpen, wo wir sie haben wollen.

Zwölf Stunden geräuchert: Zerfallenes totes Schwein

Zwölf Stunden geräuchert: Zerfallenes totes Schwein

Parallel zum Bierbrauen haben wir auch wieder geräuchert. Dieses Mal gab es Pulled Pork — geräucherte Schweineschulter, die durch den Räuchervorgang und die damit verbundene lange Garzeit so zart wird, dass es fast von sich aus zerfällt und deshalb gezupft (daher der englische Name) werden kann.

Auch haben wir endlich die Renovierung unseres Schornsteins abschließen können. Der obere Teil des Schornsteins, der durch den Dachboden verläuft, musste neu verputzt werden — dazu später mehr in einem eigenen Artikel.

Weihnachten verbrachten wir in Ruhe und stressfrei allein zuhause; Essen und Trinken gab’s natürlich auch. Passend zu dem Brown Honey Ale, das wir gerade am Hahn hatten — ein obergäriges Braunbier, dem wir rund 1,5 kg Honig spendierten, bereiteten wir eine Ente zu.

Im Cardinal gesehen: Zwei ältere Herren beim Silvesterumtrunk

Im Cardinal gesehen: Zwei ältere Herren beim Silvesterumtrunk

Zu Silvester kam kurz entschlossen Detlef eingeflogen. Aufgrund ausgefallener Flüge einen Tag später als ursprünglich geplant, landete er am 31.12. vormittags in Stavanger. Da hatte er schon eine nächtliche Autofahrt von Walsrode nach Hamburg sowie die Flüge Hamburg-Amsterdam und Amsterdam-Stavanger in den Knochen.

Angerichtet: Raclette for three

Angerichtet: Raclette for three

Da wir durch Detlefs verspätete Ankunft einen Tag weniger Zeit hatten als ursprünglich gedacht, mussten wir das geplante Programm irgendwie in diesen einen Silvestertag quetschen. Dazu gehörten ein paar Willkommensbiere am Mittag, ein Abstecher zum Cardinal und schließlich die Vorbereitungen für den Silvesterabend — das Schnippeln von Raclettezutaten — keine Frage, dass dabei auch das eine oder andere Bier konsumiert wurde. Dank bestens gefüllter Bierfässer und dem „Arnold-Bier-holen-Schicken” hatten wir dann noch eine lustige Nacht. Als am Ende eine Sechs vor dem Doppelpunkt stand war auch gut 😉

Immer an den Ohren zwirbeln: So reitet man Schafe zu!

Immer an den Ohren zwirbeln: So reitet man Schafe zu!

„Früh morgens wach ich auf 16 Uhr 10, die ganze Welt scheint sich um mich zu dreh’n” — was die Gebrüder Blattschuß schon 1978 in einer launigen Weise darboten, sollte auch fast 40 Jahre später noch aktuell sein. Gut, am frühen Neujahrsmorgen gegen 16 Uhr klopften wir schon wieder an die Tür vom Cardinal, aber die hatten geschlossen wegen Inventur, da war nichts zu machen. Auch sonst zeigte sich die Innenstadt von Stavanger nicht eben von ihrer gastfreundlichsten Seite, und das bei 2 Grad und einer steifen Brise!

Es blieb uns nichts anderes übrig, zuhause noch einmal den Raclettegrill anzuheizen, denn es waren noch genügend Reste vom Vorabend übrig. Zum Nachtisch gab es Pfirsichmelba — und weitere Folgen des Tatortreinigers 🙂

Abstecher nach Prag

Vor zwei Wochen waren wir mit acht weiteren Bierkennern auf Kneipentour kreuz und quer durch die Tschechische Hauptstadt. Gunnar, den wir aus dem Cardinal kennen, war schon rund zwanzig Mal in Prag und kennt sich entsprechend gut aus. Er hat für uns die Reise organisiert und geleitet. Am Sonnabendmorgen ging es um sieben Uhr früh los mit einem Direktflug von Stavanger nach Prag.

U Dobřenských: Mikrobrauerei auf 14 Quadratmetern

U Dobřenských: Mikrobrauerei auf 14 Quadratmetern

Unser Hotel lag recht zentral, günstig gelegen mit U-Bahn und verschiedenen Straßenbahnlinien in unmittelbarer Nähe. Prag hat eine hohe Dichte an Mikrobrauereien, und die traditionellen Industriebiere sind ja bekanntlich auch nicht so schlecht. So besuchten wir an den folgenden Tagen jede Menge verschiedene Kneipen und Brauereien.

Brauereimuseum: Maischebottich mit Rührwerk

Brauereimuseum: Maischebottich mit Rührwerk

Am Montag machten wir hingegen einen Ausflug in den kleinen Ort Kostelec nad Černými lesy, ca. 45 km östlich von Prag. Dort besuchten wir einen traditionellen tschechischen Landgasthof sowie ein Brauereimuseum, wo man seit ein paar Jahren versucht, eine traditionelle Brauerei in Betrieb zu nehmen, allerdings ist hier noch viel Arbeit zu leisten ehe es so weit sein wird.

Tennenmalz: Braugerste keimt auf der Tenne

Tennenmalz: Braugerste keimt auf der Tenne

Weiter ging es nach Kounice, wo wir die Mälzerei Klusáček besichtigten. Brauereien haben wir ja schon einige gesehen, aber eine Mälzerei war etwas Neues für uns, zumal es sich hier um eine traditionelle Tennenmälzerei handelte: Das Getreide wird auf dem Boden ausgebreitet und zum Keimen gebracht — Malz aus Bodenhaltung gewissermaßen. Die Mälzerei Klusáček arbeitet mit der deutschen Mälzerei Weyermann (von denen wir auch so einiges im Keller haben) zusammen, die sich so Zugang zu böhmischen Tennenmalz gesichert hat, denn manche Mikrobrauereien und Heimbrauer fragen solche Malztypen nach.

Na zdravi!

Na zdravi!

Wenn man in einem der teuersten Länder Europas wohnt, hat das den Vorteil, dass es so gut wie überall sonst recht günstig für uns ist. Tschechien ist da keine Ausnahme. Die Preise in den Speisekarten der teuersten Restaurants und Kneipen sahen ähnlich aus wie in Norwegen, nur mit dem feinen Unterschied, dass es sich bei den Preisen um tschechische und nicht norwegische Kronen handelte — der Wert der tschechischen Krone entspricht ungefähr einem Drittel der norwegischen Krone. Für ein Glas hochwertiges Craft-Bier zahlt man teilweise nicht mehr als 45 tschechische Kronen — umgerechnet ca. € 1,70.

Wenn man gerne Bier mag und nichts gegen tschechische Hausmannskost hat, ist Prag und Tschechien also durchaus eine Reise wert!