Geht doch!

Alljährlich fasst das Bierbewertungsportal ratebeer.com die Bewertungen des vergangenen Jahres zusammen und kürt die Jahresbesten.

Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass Stavanger Norwegens Bierhauptstadt ist, zumindest wenn man die Bewertungen für das Jahr 2016 berücksichtigt:

  • Bester Pub Norwegens: Cardinal, zum 7. Mal in Folge
  • Bestes Bier Norwegens: Lervig Brewers Reserve Barley Wine, in Bourbonfässern gereift — gebraut von Lervig in Stavanger
  • Beste neue Brauerei Norwegens: Salikatt Brauerei aus Stavanger

Besonders für die Salikatt-Brauerei freut es uns, eine kleine Brauerei, die von einem jungen Ehepaar betrieben wird. Die haben Haus und Hof verkauft, um eine professionelle Brauerei aufzubauen und dabei schuldenfrei und unabhängig von Investoren zu sein. Mit bescheidenen Mitteln haben sie es geschafft, ein paar gute Biere auf den Markt zu bringen.

Auf ein Neues!

Na, alle wieder nüchtern? Sollte wohl, oder? Der Jahreswechsel liegt schließlich schon knapp zwei Wochen zurück!

OK, was ist passiert bei uns?

Wir haben die letzten zwei Wochen des alten Jahres trotz arbeitnehmerunfreundlicher Lage der Feiertage frei nehmen können, Überstunden und Resturlaub sei Dank!

Best of two worlds: Alte und neue Braukessel kombiniert zu einer Brauerei

Best of two worlds: Alte und neue Braukessel kombiniert zu einer Brauerei

Vor Weihnachten haben wir zum ersten Mal mit unserer neuen Brauerei gebraut. Bei der neuen Anlage, die wir im November günstig gebraucht erstanden haben, handelt es sich um eine „3-Kessel-Brauerei” — somit ähnelt dieses Setup mehr einer „richtigen” Brauerei, nur eben en miniature für rund 25 Liter fertiges Bier. Im Unterschied zu unserer alten Brauerei ist mehr Handarbeit angesagt — von alleine läuft da nichts. Dafür können wir mit der neuen Anlage einfacher richtig starke Biere brauen, was bei uns allerdings nicht so häufig vorkommt.

Abgesehen davon waren bei der neuen Brauerei ein paar Gerätschaften dabei, die wir auch mit unserer alten Brauerei verwenden können — eine Pumpe zum Beispiel; nun müssen wir nicht mehr unsere 50-l-Gärfässer durch den Keller wuchten, sondern können die Bierwürze dorthin pumpen, wo wir sie haben wollen.

Zwölf Stunden geräuchert: Zerfallenes totes Schwein

Zwölf Stunden geräuchert: Zerfallenes totes Schwein

Parallel zum Bierbrauen haben wir auch wieder geräuchert. Dieses Mal gab es Pulled Pork — geräucherte Schweineschulter, die durch den Räuchervorgang und die damit verbundene lange Garzeit so zart wird, dass es fast von sich aus zerfällt und deshalb gezupft (daher der englische Name) werden kann.

Auch haben wir endlich die Renovierung unseres Schornsteins abschließen können. Der obere Teil des Schornsteins, der durch den Dachboden verläuft, musste neu verputzt werden — dazu später mehr in einem eigenen Artikel.

Weihnachten verbrachten wir in Ruhe und stressfrei allein zuhause; Essen und Trinken gab’s natürlich auch. Passend zu dem Brown Honey Ale, das wir gerade am Hahn hatten — ein obergäriges Braunbier, dem wir rund 1,5 kg Honig spendierten, bereiteten wir eine Ente zu.

Im Cardinal gesehen: Zwei ältere Herren beim Silvesterumtrunk

Im Cardinal gesehen: Zwei ältere Herren beim Silvesterumtrunk

Zu Silvester kam kurz entschlossen Detlef eingeflogen. Aufgrund ausgefallener Flüge einen Tag später als ursprünglich geplant, landete er am 31.12. vormittags in Stavanger. Da hatte er schon eine nächtliche Autofahrt von Walsrode nach Hamburg sowie die Flüge Hamburg-Amsterdam und Amsterdam-Stavanger in den Knochen.

Angerichtet: Raclette for three

Angerichtet: Raclette for three

Da wir durch Detlefs verspätete Ankunft einen Tag weniger Zeit hatten als ursprünglich gedacht, mussten wir das geplante Programm irgendwie in diesen einen Silvestertag quetschen. Dazu gehörten ein paar Willkommensbiere am Mittag, ein Abstecher zum Cardinal und schließlich die Vorbereitungen für den Silvesterabend — das Schnippeln von Raclettezutaten — keine Frage, dass dabei auch das eine oder andere Bier konsumiert wurde. Dank bestens gefüllter Bierfässer und dem „Arnold-Bier-holen-Schicken” hatten wir dann noch eine lustige Nacht. Als am Ende eine Sechs vor dem Doppelpunkt stand war auch gut 😉

Immer an den Ohren zwirbeln: So reitet man Schafe zu!

Immer an den Ohren zwirbeln: So reitet man Schafe zu!

„Früh morgens wach ich auf 16 Uhr 10, die ganze Welt scheint sich um mich zu dreh’n” — was die Gebrüder Blattschuß schon 1978 in einer launigen Weise darboten, sollte auch fast 40 Jahre später noch aktuell sein. Gut, am frühen Neujahrsmorgen gegen 16 Uhr klopften wir schon wieder an die Tür vom Cardinal, aber die hatten geschlossen wegen Inventur, da war nichts zu machen. Auch sonst zeigte sich die Innenstadt von Stavanger nicht eben von ihrer gastfreundlichsten Seite, und das bei 2 Grad und einer steifen Brise!

Es blieb uns nichts anderes übrig, zuhause noch einmal den Raclettegrill anzuheizen, denn es waren noch genügend Reste vom Vorabend übrig. Zum Nachtisch gab es Pfirsichmelba — und weitere Folgen des Tatortreinigers 🙂

Abstecher nach Prag

Vor zwei Wochen waren wir mit acht weiteren Bierkennern auf Kneipentour kreuz und quer durch die Tschechische Hauptstadt. Gunnar, den wir aus dem Cardinal kennen, war schon rund zwanzig Mal in Prag und kennt sich entsprechend gut aus. Er hat für uns die Reise organisiert und geleitet. Am Sonnabendmorgen ging es um sieben Uhr früh los mit einem Direktflug von Stavanger nach Prag.

U Dobřenských: Mikrobrauerei auf 14 Quadratmetern

U Dobřenských: Mikrobrauerei auf 14 Quadratmetern

Unser Hotel lag recht zentral, günstig gelegen mit U-Bahn und verschiedenen Straßenbahnlinien in unmittelbarer Nähe. Prag hat eine hohe Dichte an Mikrobrauereien, und die traditionellen Industriebiere sind ja bekanntlich auch nicht so schlecht. So besuchten wir an den folgenden Tagen jede Menge verschiedene Kneipen und Brauereien.

Brauereimuseum: Maischebottich mit Rührwerk

Brauereimuseum: Maischebottich mit Rührwerk

Am Montag machten wir hingegen einen Ausflug in den kleinen Ort Kostelec nad Černými lesy, ca. 45 km östlich von Prag. Dort besuchten wir einen traditionellen tschechischen Landgasthof sowie ein Brauereimuseum, wo man seit ein paar Jahren versucht, eine traditionelle Brauerei in Betrieb zu nehmen, allerdings ist hier noch viel Arbeit zu leisten ehe es so weit sein wird.

Tennenmalz: Braugerste keimt auf der Tenne

Tennenmalz: Braugerste keimt auf der Tenne

Weiter ging es nach Kounice, wo wir die Mälzerei Klusáček besichtigten. Brauereien haben wir ja schon einige gesehen, aber eine Mälzerei war etwas Neues für uns, zumal es sich hier um eine traditionelle Tennenmälzerei handelte: Das Getreide wird auf dem Boden ausgebreitet und zum Keimen gebracht — Malz aus Bodenhaltung gewissermaßen. Die Mälzerei Klusáček arbeitet mit der deutschen Mälzerei Weyermann (von denen wir auch so einiges im Keller haben) zusammen, die sich so Zugang zu böhmischen Tennenmalz gesichert hat, denn manche Mikrobrauereien und Heimbrauer fragen solche Malztypen nach.

Na zdravi!

Na zdravi!

Wenn man in einem der teuersten Länder Europas wohnt, hat das den Vorteil, dass es so gut wie überall sonst recht günstig für uns ist. Tschechien ist da keine Ausnahme. Die Preise in den Speisekarten der teuersten Restaurants und Kneipen sahen ähnlich aus wie in Norwegen, nur mit dem feinen Unterschied, dass es sich bei den Preisen um tschechische und nicht norwegische Kronen handelte — der Wert der tschechischen Krone entspricht ungefähr einem Drittel der norwegischen Krone. Für ein Glas hochwertiges Craft-Bier zahlt man teilweise nicht mehr als 45 tschechische Kronen — umgerechnet ca. € 1,70.

Wenn man gerne Bier mag und nichts gegen tschechische Hausmannskost hat, ist Prag und Tschechien also durchaus eine Reise wert!

Bierfestival in Stavanger

Am vergangenen Wochenende fand zum dritten Mal das Bierfestival What’s Brewing in Stavanger statt. What’s Brewing gilt als eines der besten Bierfestivals in Europa, und wir waren natürlich dabei.

Insgesamt 37 Brauereien aus 11 Ländern waren angereist, im Gepäck jeweils vier verschiedene Biere — wir hatten also ausreichend zu probieren! Die Länder mit den meisten Brauereien waren Großbritannien und USA; außerdem hatten wir Brauereien aus Spanien, Italien, Estland, den Niederlanden, Belgien, Dänemark, Schweden und natürlich Norwegen dabei; aus Deutschland kam die Berliner Filiale der US-Brauerei Stone Brewing.

Rund 2600 Bierverrückte, viele angereist aus anderen Städten Norwegens, fanden sich am Freitag und Sonnabend am Veranstaltungsort ein, um die neuesten Bierkreationen zu probieren. Das Spektrum der Bierstile war gewaltig: Neben den schon altbekannten Imperial Pale Ales und American Pale Ales, Stouts und Porters gab es in diesem Jahr viele Interpretationen der Berliner Weisse und Gose zu verkosten, zwei deutschen Bierstilen also, die bis vor kurzem so gut wie ausgestorben waren. Dank der Handwerksbrauereien werden diese Biere nun global gebraut, in diesem Jahr häufig mit verschiedenen Fruchtzusätzen.

Ein weiterer fast vergessener Bierstil ist das Grodziskie, ein sehr spezielles Weizenbier, das ursprünglich in der polnischen Stadt Grodzisk Wielkopolski gebraut wurde. Das Besondere an diesem Bier ist, dass es traditionell zu 100 % mit über Eichenholz geräuchertem Weizenmalz gebraut wird. Dadurch bekommt das Bier ein bitteres, rauchiges Aroma und unterscheidet sich deutlich von beispielsweise bayerischen Weizenbieren. So ein Bier hatte die italienische Brauerei Birrificio Lambrate im Ausschank — mir hat’s gefallen.

Dieser kurze Film zeigt, wie es auf dem Festival so aussah:

Abgeräumt!

Am Freitag haben wir an einem Heimbrauwettbewerb teilgenommen, dem Stavanger Øllag hjemmebryggerfestival. Rund 30 Biere traten in drei Klassen gegeneinander an, und das anwesende Publikum hatte die Aufgabe, die besten Biere zu bestimmen. Neben den besten Bieren in jeder Klasse musste auch das beste Bier des Abends gekürt werden. Unser ausgeschenktes Bier gewann sowohl die Klasse als auch den ersten Preis.

Wir haben schon eine ganze Weile nicht mehr an Heimbrauwettbewerben teilgenommen, bei denen das Publikum über das Ergebnis abstimmt, weil es dabei häufig zu verzerrten Ergebnissen kommt, wenn Heimbrauer einen Haufen Freunde im Publikum haben oder der Wettbewerb an sich nicht sauber organisiert ist — bei solchen Wettbewerben gewinnt nämlich nicht das beste Bier. Als wir von Mitgliedern der Stavanger Øllag, einem Bierklub in Stavanger, angesprochen wurden, ob wir nicht an deren Heimbraufestival teilnehmen wollten, waren wir zunächst skeptisch, wurden aber davon überzeugt, dass alles mit rechten Dingen zugehen würde.

Aufmerksamkeiterregend: Sweet Crude O' Mine

Aufmerksamkeiterregend: Sweet Crude O‘ Mine

So haben wir Ende Juli speziell für diesen Wettbewerb ein starkes Stout gebraut. Das Bier basiert auf einem Rezept aus dem Jahre 2014 — damals gewannen wir damit den 2. Platz beim What’s Brewing Bierfestival. Im Laufe der vergangenen Woche bereiteten wir uns akribisch auf den Wettbewerb vor: Der CO2-Druck in den Bierfässern wurde kontrolliert, Grafiken wurden angefertigt für Ausdrucke und den digitalen Bilderrahmen, der unseren Zapfkasten schmückt, und natürlich mussten wir unser Bier noch einmal probieren. Bereits am Donnerstag konnten wir unsere Bierfässer am Austragungsort, einer Sporthalle, abliefern, denn die Organisatoren hatten dafür gesorgt, dass die Wettkampfbiere über Nacht gekühlt werden konnten. Am Freitag schnappten wir uns unseren Zapfkasten, CO2-Flasche und unser obligatorisches Dekomaterial, wie z.B. etwas Hopfen und Malz. Ein paar Snacks wie Salzstangen und Erdnüsse durften auch nicht fehlen. Erstmals hatten wir auch eine Beschallungsanlage in Form eines Bluetooth-Lautsprechers dabei, der ununterbrochen Sweet Child O‘ Mine von Gun N‘ Roses abspielte. Dafür gibt es einen Grund, denn dieses Lied ist quasi der Namenspate für unser Bier, das den Namen Sweet Crude O‘ Mine trägt: Unser Stout ist recht süß und hat dazu eine samtig-ölige Konsistenz und ist schwarz, etwa wie Rohöl, auf Englisch crude oil.

Hinter den Kulissen: Unser Stand

Hinter den Kulissen: Unser Stand

Am Freitag waren wir um fünf Uhr nachmittags in der Halle, um unseren Stand vorzubereiten. Und um sieben ging es dann los, das Publikum strömte in die Halle. Knapp hundert interessierte Biertrinker kamen, um die heimgebrauten Biere zu probieren und zu bewerten. Dadurch, dass die teilnehmenden Biere in drei Klassen aufgeteilt waren und unser Bier der letzten Klasse zugeordnet wurde, hatten wir zunächst einen ruhigen Abend und konnten die übrigen Biere verkosten. So eine Teilnahme an einem Heimbrauwettbewerb ist auch für die Brauer interessant, zeigt es doch ein wenig, wo man qualitätsmäßig im Vergleich zu den anderen steht. Einige Biere waren dabei, die, wären sie von uns gewesen, wir nie einem breiteren Publikum angeboten hätten, und die Brauer waren auch noch stolz darauf 🙂

Alles klar: Ready to rumble!

Alles klar: Ready to rumble!

Am Ende gewann unser Bier mit großem Abstand sowohl die Klasse als auch die Gesamtwertung — darauf sind wir mächtig stolz, ist es doch das erste Mal, das wir wir mit einem unserer Biere einen Wettbewerb gewonnen haben! Und ordentliche Prämien gab es noch obendrein:

  • eine Jahresmitgliedschaft im norwegischen Heimbrauclub
  • je einen Warengutschein von den zwei hiesigen Heimbraugeschäften
  • einen Gutschein über 5000 Kronen bei einem Werbebüro
  • eine Brauereibesichtigung für sechs Personen bei der Lervig Brauerei

Abgesahnt: Prämienauswahl

Abgesahnt: Prämienauswahl

Soweit, so gut, aber das Geilste kommt jetzt: Unser Bier wird im nächsten Jahr bei der Brauerei Berentsens Brygghus in Egersund kommerziell gebraut und in Pubs und Restaurants, an die Berentsen liefert, ausgeschenkt! Hinzu kommt, dass ein lokales Biergeschäft, das erst in zwei Wochen öffnen wird, eine „Leichtbierversion” mit maximal 4,7 % Alkohol (das Original hat 9,3 %) vertreiben möchte. Dieses Bier soll bei der Jåttå Gårdsbryggeri in Stavanger gebraut werden. Das ist so ziemlich das Coolste, was einem Heimbrauer passieren kann, nämlich dass die eigenen Kreationen bei den Profis gebraut werden.

Um es gleich klar zu stellen: Wir werden da in keiner Weise ökonomisch partizipieren, das läuft für uns alles unter der Rubrik „Ruhm und Ehre”. Und das fühlt sich gut an.

Danke noch mal an Axl, Izzy, Slash & Co. für die Inspiration bei der Namensgebung 😉

Endlich Sommer!

Hat hier jemals jemand über das Wetter in Stavanger gemeckert??

Jetzt wird es heiß: Stavanger Aftenblad vom 13. September 2016

Jetzt wird es heiß: Stavanger Aftenblad vom 13. September 2016

Na gut, so warm muss es dann auch wieder nicht sein, aber wir wollen mal nicht kleinlich werden. Dafür hatten wir es Anfang August schon so kalt, dass wir hin und wieder heizen mussten. Heute machen wir auf jeden Fall früh Feierabend, damit wir noch Gelegenheit haben, etwas Grillgut einzukaufen. Zum Grillen hatten wir in diesem Jahr nicht allzu oft die Gelegenheit, das müssen wir also ausnutzen!

Sommerradler

Seit knapp einer Woche sind wir zurück von unserem Sommerurlaub. Weil uns nicht Besseres einfiel, haben wir uns wieder unser Tandem, Anhänger und Zelt geschnappt und sind zu einer Rad-/Campingtour nach Dänemark aufgebrochen. An 19 Tagen legten wir 729 km zurück.

Kann losgehen: Die Frau kennt den Weg

Kann losgehen: Die Frau kennt den Weg

Die Anreise nach Dänemark ist für uns sehr einfach: Dank der direkten Fährverbindung von Stavanger nach Hirtshals in Dänemark brauchen wir nur aufs Rad zu steigen und die ca. 16 Kilometer zum Fähranleger zurückzulegen. Am nächsten Morgen können wir dann in Dänemark von der Fähre rollen. Der besondere Luxus für Rad- und Motorradfahrer: Wir dürfen als erstes an Bord, und in Hirtshals schafften wir es sogar, als erstes wieder von Bord zu fahren.

Pause auf dem Weg nach Skagen

Pause auf dem Weg nach Skagen

Wir hatten eine Weile überlegt, welche Richtung wir einschlagen sollten, schließlich hatten wir schon zwei Mal Radtouren in Jütland gemacht. Die Entscheidung wurde uns dann aber von der vorherrschenden Windrichtung abgenommen. Bei 5-6 Windstärken aus südwestlicher Richtung zögerten wir nicht lange und fuhren schön mit Rückenwind ins ca. 59 km entfernte Skagen, der nördlichsten Stadt Dänemarks, wo wir bereits gegen 12 Uhr eintrafen. So hatten wir noch genügend Zeit, im Hafen etwas zu essen und im Skagen Bryghus die dort gebrauten Biere zu verkosten. Diese dürften dem gemeinen deutschen Biertrinker zusagen, da sie allesamt recht malzig und vollmundig schmecken.

Nett: Überdachte und windgeschützte Sitzgelegenheit

Nett: Überdachte und windgeschützte Sitzgelegenheit

Am nächsten Tag war der Wind eingeschlafen, so dass wir ohne Probleme Richtung Süden nach Frederikshavn fahren konnten. Unterwegs, in einem Örtchen namens Ålbæk, liegt Det bette ølhus — das kleine Bierhaus, ein Bierladen mit Ausschank. Dort gibt es vorwiegend belgische Biere; da es draußen gerade arg nach Regen aussah, suchten wir dort Unterschlupf. Tania trank dort ein Tripel mit 10 % Alkohol — um sicher zu gehen, dass sie hinterher noch aufs Rad kommt, verdünnte sie es aber hinterher mit einem Bier, das nur 7 % hatte. So erreichten wir gut gelaunt gegen 15 Uhr einen Campingplatz nördlich von Frederikshavn — einem Riesenplatz mit allem drum und dran, sogar überdachte Sitzgelegenheiten für Camper wie uns, die nicht über beheizte Wohnwagen mit geräumigen Vorzelten verfügen.

Übersetzen über das Langerak

Übersetzen über das Langerak

Tags darauf wurde der Wind wieder stärker, kam aber wieder aus einer für uns günstigen Richtung. Wir setzten unseren Weg Richtung Süden fort bis nach Hals Strand Camping, etwas nördlich der Mündung des Limfjordes in das Kattegat.

Artgerecht seziert: Räucheraal in Ulbjerg

Artgerecht seziert: Räucheraal in Ulbjerg

Aalborg ist für uns immer eine Reise wert, daher war die Stadt unser nächstes Etappenziel. Nach dem Übersetzen über das Langerak, wie der Limfjord östlich von Aalborg heißt, bekamen wir einen Vorgeschmack auf das, was an den nächsten Tagen folgen sollte: Kräftiger Gegenwind. Wir waren froh, dass wir zunächst nur rund 35 km davon hatten. In Aalborg kehrten wir in Søgaards Bryghus ein, wo es wieder ein paar neue Biere gab. Auf dem Campingplatz in Aalborg machten wir auch Bekanntschaft mit Elvira und Wigmund aus Haugesund. Wigmund heißt eigentlich Sigmund, aber er hatte nur noch wenige Zähne, daher bereitete ihm die Aussprache des „S” einige Probleme …

Geradeaus so weit das Auge reicht: Ehemalige Eisenbahnstrecke

Geradeaus so weit das Auge reicht: Ehemalige Eisenbahnstrecke

Nach einem Ruhetag in Aalborg (und pflichtgemäßem Besuch der Cask-Beer-Bar „The Wharf” am zweiten Abend unseres Aufenthaltes) machten wir uns auf in Richtung Südwesten. Wir hatten zunächst überlegt, noch weiter an der Ostküste Jütlands nach Süden zu fahren, z.B. nach Århus, aber die Aussicht auf anhaltende Westwinde, die wir später auf rund 150 km Strecke gen Westen gehabt hätten, und schlechtes Wetter im mittleren und südlichen Jütland bewogen uns zu der Entscheidung, lieber im Norden zu bleiben und gleich in Richtung Westen aufzubrechen. Somit stand uns ein ganzer Tag bei heftigem Gegenwind bevor. Zeitweise verlief der Wanderradweg auf ehemaligen, zu Radwegen umgebauten Eisenbahnstrecken. Diese boten durch Bäume und Büsche guten Schutz vor dem Wind und hatten nur geringe Steigungen. Da es aber kilometerweit nur geradeaus ging, war es auf diesen Wegen auch recht eintönig. Am Ende waren wir froh, nach rund 75 km den Campingplatz in Ulbjerg erreicht zu haben. Immerhin hatten wir noch einen Schnitt von 17,8 km/h erzielt, gemessen allerdings nur während der Zeit, wo wir uns auch bewegten. Insgesamt brauchten wir 6,5 Stunden an diesem Tag.

Halbwegs windgeschützt: Platz in Nørre Vorupør

Halbwegs windgeschützt: Platz in Nørre Vorupør

Am nächsten Tag mussten wir unser Zelt nass einpacken, denn es hatte nachts und früh morgens geregnet. Der Wind wehte schwach bis mäßig aus Südwest, so dass wir uns zeitweise über Rückenwind freuen können. Diese Freude wurde durch die teilweise heftige Morphologie getrübt, aber wo es bergauf geht, geht es auch wieder bergab — auf einer längeren, geraden Strecke erreichten wir unseren neuen „All-Time-Rekord” von 62,6 km/h. Bei der Tour de France sind die Radler ja ähnlich schnell unterwegs, aber bei denen habe ich noch nie einen Anhänger gesehen 🙂 Am Ende des Tages erreichen wir den Campingplatz von Nykøbing/Mors; wir hatten wieder über 70 km auf der Uhr.

Kleine Stärkung unterwegs

Kleine Stärkung unterwegs

Nach einem weiteren Tag mit vielen Höhenmetern, aber nur 56 km Entfernung, erreichten wir die Westküste bei Agger. Das Wetter war abends sehr regnerisch, so dass wir froh waren, dass der Campingplatz über gute Facilities verfügte. Von nun an lagen nur kurze Distanzen vor uns; wir fuhren langsam aber sicher in Richtung Hirtshals. Von Agger ging es nach Nørre Vorupør. Der Platz dort ist nett gelegen — mitten in den Dünen, teilweise mit Meerblick, aber wegen des starken Windes zogen wir es vor, auf einem windgeschützten Platz zu zelten. Von Nr. Vorupør ging es ins nur 31 km entfernte Thisted. Hier gibt es eine kleine Brauerei, die ein paar gute Biere im Programm hat, die man im Nordwesten Jütlands so gut wie überall kaufen kann. Genannt seien hier Porse Guld, ein helles, etwas stärkeres Bier, das mit den Blättern des Gagelstrauches gewürzt wird, Limfjordsporter, ein starkes Porter, sowie das Stenøl 5, einem sehr malzigen Bier, in dessen Würze glühendheiße Steine getaucht werden. Dadurch karamellisiert der in der Würze enthaltene Zucker an der Steinoberfläche; während der Lagerung wird dieser Zucker wieder im Bier gelöst und trägt mit süßlichen Röstaromen zum Aroma des Bieres bei. Da wir noch viel Zeit bis zu unserer Rückreise hatten, legten wir in Thisted wieder einen Ruhetag ein.

Weiter ging es nach Klim Strand, wo es eigentlich nichts außer einem riesen Campingplatz gibt, der über Restaurant, Supermarkt, Schwimmbad und einer Wellness-/Spaabteilung verfügt. Nun gut, brauchen wir alles nicht wirklich. Von Klim ging es nach Blokhus, wo wir abermals einen Tag Pause einlegten. Das Wetter wurde nun endlich sommerlich. Blokhus verfügt u.a. über einen englischen Pub. Man gibt sich dort Mühe, auch Biere abseits von Carlsberg/Tuborg/Royal anzubieten, allerdings scheinen diese nicht so richtig zu laufen, denn sie schmeckten nicht mehr ganz frisch.

Am Strand von Blokhus

Am Strand von Blokhus

Wer Blokhus sagt, muss natürlich auch Løkken sagen. Daher ging es am nächsten Tag für zwei Nächte in den nur 23 km entfernte Touristenort. Da die Entfernung so kurz war, befuhren wir Strecken, die wir mit bepacktem Tandem sonst eher meiden: Unbefestigte Wege durch die sogenannten Klitplantagen, den waldähnlichen Gebieten, die man vor rund 200 Jahren in den Dünen angelegt hat, um Sandflucht zu vermeiden. Auf den sandigen Wegen sackten wir mit unseren schmalen Reifen ein gutes Stück ein, so dass wir nur langsam voran kamen. Ab Grønhøj fuhren wir sogar am Strand, mussten allerdings zwischendurch schieben, weil der Sand zu locker war.

Leuchtturm von Rubjerg Knude

Leuchtturm von Rubjerg Knude

In Løkken blieben wir abermals zwei Nächte — wir wollten unbedingt vermeiden, in Hirtshals übernachten zu müssen. Am zweiten Tag unseres Aufenthaltes in Løkken unternahmen wir — zur Abwechslung ohne Gepäck — eine kurze Radtour zur größten Wanderdüne Europas, Rubjerg Knude und dem dazugehörigen Strandvogtmuseum. Hin- und Rückweg waren dabei allerdings länger als die Einzeldistanzen an den vorherigen Tagen.

Geschafft: Zurück in Hirtshals

Geschafft: Zurück in Hirtshals

Am letzten Tag ging es dann nach Hirtshals. Bei bestem Wetter wollten wir es noch einmal wissen — auf den knapp 43 Kilometern schafften wir einen Schnitt von 23 km/h; nach weniger als zweieinhalb Stunden Fahrt erreichten wir unser Ziel.

Bis zur Abfahrt unserer Fähre um 20 Uhr blieb uns noch ausreichend Zeit, uns eingehend mit der örtlichen Gastronomie zu beschäftigen, allerdings ist die Auswahl beschränkt.

Als Radfahrer kamen wir wieder als erste an Bord. Nachdem wir geduscht und im Bordrestaurant gegessen hatten, durch den Taxfree-Shop gegangen waren und unser erstes Bier in der Bordbar tranken, konnten wir nur mitleidig auf die Autoschlange am Anleger schauen — die letzten Fahrzeuge waren noch immer nicht an Bord 🙂

 
 
 

Unsere gefahrene Strecke kann hier nachvollzogen werden (bitte hineinzoomen, um Details zu sehen):

20 Jahre Tandembrauerei

In diesen Tagen feiern wir das zwanzigjährige Bestehen der Tandembrauerei, oder Tandembryggeri, wie wir unsere Nanobrauerei heute nennen. Wir nehmen das als Anlass, ein bisschen zurück zu blicken.

Damit ging es los: Das erste Brauset

Damit ging es los: Das erste Brauset

Angefangen hat alles damit, dass wir seinerzeit in der Universität Bremen Zugang zum Internet bekamen, und einer der ersten Begriffe, nach denen wir suchten, war natürlich „Bier”. Schnell fanden wir heraus, dass man Bier auch selber machen kann; so bestellten wir bei einem Versand in Oldenburg unsere erste Brauaustattung und ein Brauset.

In der Küche: Brauen mit Malzextrakt anno 1996

In der Küche: Brauen mit Malzextrakt anno 1996

Die ersten Brauversuche verliefen vielversprechend, auf jeden Fall schmeckte das Resultat schon irgendwie nach Bier. Dennoch brauten wir in den ersten Jahren nicht besonders häufig.

Frühes Etikett: Bahndammbräu

Frühes Etikett: Bahndammbräu

Das änderte sich mit unserem Umzug nach Norwegen — norwegische Bierpreise und deutscher Durst passen irgendwie schlecht zusammen. Daher waren wir froh, dass wir bereits über Ausstattung und Know-how verfügten. Wir brauten zunächst, wie auch schon in Deutschland, auf Malzextraktbasis. Dabei mischt man ein sirupartiges Malzextrakt mit etwas Wasser, kocht es kurz auf, verdünnt das Ganze mit kaltem Wasser und fügt Hefe hinzu. Nach zehn Tagen ist das Bier fertig zum Abfüllen. Vorteil bei dieser Methode: Man braucht nur wenige Gerätschaften und es geht sehr schnell. Nachteil: Die Anzahl der braubaren Biersorten ist beschränkt und man hat keinen Einfluss auf die Malzmischung.

Bierabfüllung 2002 in Oslo

Bierabfüllung 2002 in Oslo

Nach ein paar Jahren war uns das zu wenig, daher kauften wir 2005 unsere erste All-Grain-Brauerei. Von nun war es uns möglich, jeden Bierstil zu brauen. Allerdings nutzten wir die neue Brauerei nicht allzu oft, da die Gegebenheiten in unserer Wohnung und später in unserem Haus nicht so optimal waren.

Neue Brauerei: Bierbrauen im Bad 2005

Neue Brauerei: Bierbrauen im Bad 2005

In der Zwischenzeit zog Tania nach Stavanger — Gäreimer und ein paar Flaschen Leergut gehörten natürlich zum Umzugsgut.

Als wir 2009 in unser Haus in Stavanger einzogen, verfügten wir endlich über einen Keller, in dem man gut Bier brauen kann. Im Jahre 2010 legten wir uns einen neuen Braukessel zu. Für uns war das wie eine Zeitenwende: Die Qualität der Biere hat sich verbessert, und dank größerer Kapazität sind wir nun in der Lage, uns komplett selbst mit Bier zu versorgen.

Es folgten Teilnahmen an Heimbrauwettbewerben, Schaubrauen und von uns durchgeführte Heimbraukurse; außerdem sind wir aktive Heimbrauwettbewerbsschiedsrichter und Mitglieder des (vorläufigen) Vorstandes von Norbrygg Rogaland.

Bierberwerter II

Menschen die an Bieren riechen

Menschen die an Bieren riechen

Vergangene Woche waren wir wieder eingespannt als Heimbrauwettbewerbsschiedsrichter. Zur Zeit läuft die diesjährige norwegische Meisterschaft im Heimbrauen, zu der teilnehmende Brauer ihre Wettbewerbsbiere an die jeweiligen Bewertungsteams in Oslo, Grenland, Grimstad, Stavanger, Bergen, Trondheim und Bodø geschickt haben. In Stavanger wurde in diesem Jahr die Klasse Imperial Pale Ale (IPA) bewertet. Dabei wurden die 54 eingeschickten Biere in acht ungefähr gleich große Gruppen aufgeteilt und dann von Teams aus jeweils drei bis vier Schiedsrichtern bewertet. Elf Biere haben es in das Klassenfinale geschafft. Wir waren am Dienstag bei einer der acht Vorentscheide dabei sowie am Donnerstag beim Klassenfinale, in dem schließlich das beste IPA gekürt wurde.

Berwertungsprotokoll

Berwertungsprotokoll

Die Qualität der Biere ließ insgesamt sehr zu wünschen übrig. Am Dienstag hatten wir es mit einigen Bieren zu tun, die wirklich nicht lecker waren. Unseren „Kollegen” erging es nicht viel anders. Am Donnerstag war es logischerweise besser, weil hier die jeweils besten Biere aus den Vorentscheiden aufeinander trafen. Auch wenn man von jedem Bier keine großen Mengen konsumiert, ist das konzentrierte und konstruktive Bewerten von elf Bieren, allesamt Starkbiere, schon eine kleine Herausforderung. Vier Stunden haben wir für das Bewerten der Finalbiere benötigt. In zwei Wochen, während des von Norbrygg veranstaltenden Heimbrauwochenendes, muss sich das siegreiche Bier dann noch im Finale gegen die übrigen Klassenbesten durchsetzen, um als bestes Heimbraubier 2016 gekürt zu werden.