Abgeräumt!

Am Freitag haben wir an einem Heimbrauwettbewerb teilgenommen, dem Stavanger Øllag hjemmebryggerfestival. Rund 30 Biere traten in drei Klassen gegeneinander an, und das anwesende Publikum hatte die Aufgabe, die besten Biere zu bestimmen. Neben den besten Bieren in jeder Klasse musste auch das beste Bier des Abends gekürt werden. Unser ausgeschenktes Bier gewann sowohl die Klasse als auch den ersten Preis.

Wir haben schon eine ganze Weile nicht mehr an Heimbrauwettbewerben teilgenommen, bei denen das Publikum über das Ergebnis abstimmt, weil es dabei häufig zu verzerrten Ergebnissen kommt, wenn Heimbrauer einen Haufen Freunde im Publikum haben oder der Wettbewerb an sich nicht sauber organisiert ist — bei solchen Wettbewerben gewinnt nämlich nicht das beste Bier. Als wir von Mitgliedern der Stavanger Øllag, einem Bierklub in Stavanger, angesprochen wurden, ob wir nicht an deren Heimbraufestival teilnehmen wollten, waren wir zunächst skeptisch, wurden aber davon überzeugt, dass alles mit rechten Dingen zugehen würde.

Aufmerksamkeiterregend: Sweet Crude O' Mine

Aufmerksamkeiterregend: Sweet Crude O‘ Mine

So haben wir Ende Juli speziell für diesen Wettbewerb ein starkes Stout gebraut. Das Bier basiert auf einem Rezept aus dem Jahre 2014 — damals gewannen wir damit den 2. Platz beim What’s Brewing Bierfestival. Im Laufe der vergangenen Woche bereiteten wir uns akribisch auf den Wettbewerb vor: Der CO2-Druck in den Bierfässern wurde kontrolliert, Grafiken wurden angefertigt für Ausdrucke und den digitalen Bilderrahmen, der unseren Zapfkasten schmückt, und natürlich mussten wir unser Bier noch einmal probieren. Bereits am Donnerstag konnten wir unsere Bierfässer am Austragungsort, einer Sporthalle, abliefern, denn die Organisatoren hatten dafür gesorgt, dass die Wettkampfbiere über Nacht gekühlt werden konnten. Am Freitag schnappten wir uns unseren Zapfkasten, CO2-Flasche und unser obligatorisches Dekomaterial, wie z.B. etwas Hopfen und Malz. Ein paar Snacks wie Salzstangen und Erdnüsse durften auch nicht fehlen. Erstmals hatten wir auch eine Beschallungsanlage in Form eines Bluetooth-Lautsprechers dabei, der ununterbrochen Sweet Child O‘ Mine von Gun N‘ Roses abspielte. Dafür gibt es einen Grund, denn dieses Lied ist quasi der Namenspate für unser Bier, das den Namen Sweet Crude O‘ Mine trägt: Unser Stout ist recht süß und hat dazu eine samtig-ölige Konsistenz und ist schwarz, etwa wie Rohöl, auf Englisch crude oil.

Hinter den Kulissen: Unser Stand

Hinter den Kulissen: Unser Stand

Am Freitag waren wir um fünf Uhr nachmittags in der Halle, um unseren Stand vorzubereiten. Und um sieben ging es dann los, das Publikum strömte in die Halle. Knapp hundert interessierte Biertrinker kamen, um die heimgebrauten Biere zu probieren und zu bewerten. Dadurch, dass die teilnehmenden Biere in drei Klassen aufgeteilt waren und unser Bier der letzten Klasse zugeordnet wurde, hatten wir zunächst einen ruhigen Abend und konnten die übrigen Biere verkosten. So eine Teilnahme an einem Heimbrauwettbewerb ist auch für die Brauer interessant, zeigt es doch ein wenig, wo man qualitätsmäßig im Vergleich zu den anderen steht. Einige Biere waren dabei, die, wären sie von uns gewesen, wir nie einem breiteren Publikum angeboten hätten, und die Brauer waren auch noch stolz darauf 🙂

Alles klar: Ready to rumble!

Alles klar: Ready to rumble!

Am Ende gewann unser Bier mit großem Abstand sowohl die Klasse als auch die Gesamtwertung — darauf sind wir mächtig stolz, ist es doch das erste Mal, das wir wir mit einem unserer Biere einen Wettbewerb gewonnen haben! Und ordentliche Prämien gab es noch obendrein:

  • eine Jahresmitgliedschaft im norwegischen Heimbrauclub
  • je einen Warengutschein von den zwei hiesigen Heimbraugeschäften
  • einen Gutschein über 5000 Kronen bei einem Werbebüro
  • eine Brauereibesichtigung für sechs Personen bei der Lervig Brauerei

Abgesahnt: Prämienauswahl

Abgesahnt: Prämienauswahl

Soweit, so gut, aber das Geilste kommt jetzt: Unser Bier wird im nächsten Jahr bei der Brauerei Berentsens Brygghus in Egersund kommerziell gebraut und in Pubs und Restaurants, an die Berentsen liefert, ausgeschenkt! Hinzu kommt, dass ein lokales Biergeschäft, das erst in zwei Wochen öffnen wird, eine „Leichtbierversion” mit maximal 4,7 % Alkohol (das Original hat 9,3 %) vertreiben möchte. Dieses Bier soll bei der Jåttå Gårdsbryggeri in Stavanger gebraut werden. Das ist so ziemlich das Coolste, was einem Heimbrauer passieren kann, nämlich dass die eigenen Kreationen bei den Profis gebraut werden.

Um es gleich klar zu stellen: Wir werden da in keiner Weise ökonomisch partizipieren, das läuft für uns alles unter der Rubrik „Ruhm und Ehre”. Und das fühlt sich gut an.

Danke noch mal an Axl, Izzy, Slash & Co. für die Inspiration bei der Namensgebung 😉

Endlich Sommer!

Hat hier jemals jemand über das Wetter in Stavanger gemeckert??

Jetzt wird es heiß: Stavanger Aftenblad vom 13. September 2016

Jetzt wird es heiß: Stavanger Aftenblad vom 13. September 2016

Na gut, so warm muss es dann auch wieder nicht sein, aber wir wollen mal nicht kleinlich werden. Dafür hatten wir es Anfang August schon so kalt, dass wir hin und wieder heizen mussten. Heute machen wir auf jeden Fall früh Feierabend, damit wir noch Gelegenheit haben, etwas Grillgut einzukaufen. Zum Grillen hatten wir in diesem Jahr nicht allzu oft die Gelegenheit, das müssen wir also ausnutzen!

Sommerradler

Seit knapp einer Woche sind wir zurück von unserem Sommerurlaub. Weil uns nicht Besseres einfiel, haben wir uns wieder unser Tandem, Anhänger und Zelt geschnappt und sind zu einer Rad-/Campingtour nach Dänemark aufgebrochen. An 19 Tagen legten wir 729 km zurück.

Kann losgehen: Die Frau kennt den Weg

Kann losgehen: Die Frau kennt den Weg

Die Anreise nach Dänemark ist für uns sehr einfach: Dank der direkten Fährverbindung von Stavanger nach Hirtshals in Dänemark brauchen wir nur aufs Rad zu steigen und die ca. 16 Kilometer zum Fähranleger zurückzulegen. Am nächsten Morgen können wir dann in Dänemark von der Fähre rollen. Der besondere Luxus für Rad- und Motorradfahrer: Wir dürfen als erstes an Bord, und in Hirtshals schafften wir es sogar, als erstes wieder von Bord zu fahren.

Pause auf dem Weg nach Skagen

Pause auf dem Weg nach Skagen

Wir hatten eine Weile überlegt, welche Richtung wir einschlagen sollten, schließlich hatten wir schon zwei Mal Radtouren in Jütland gemacht. Die Entscheidung wurde uns dann aber von der vorherrschenden Windrichtung abgenommen. Bei 5-6 Windstärken aus südwestlicher Richtung zögerten wir nicht lange und fuhren schön mit Rückenwind ins ca. 59 km entfernte Skagen, der nördlichsten Stadt Dänemarks, wo wir bereits gegen 12 Uhr eintrafen. So hatten wir noch genügend Zeit, im Hafen etwas zu essen und im Skagen Bryghus die dort gebrauten Biere zu verkosten. Diese dürften dem gemeinen deutschen Biertrinker zusagen, da sie allesamt recht malzig und vollmundig schmecken.

Nett: Überdachte und windgeschützte Sitzgelegenheit

Nett: Überdachte und windgeschützte Sitzgelegenheit

Am nächsten Tag war der Wind eingeschlafen, so dass wir ohne Probleme Richtung Süden nach Frederikshavn fahren konnten. Unterwegs, in einem Örtchen namens Ålbæk, liegt Det bette ølhus — das kleine Bierhaus, ein Bierladen mit Ausschank. Dort gibt es vorwiegend belgische Biere; da es draußen gerade arg nach Regen aussah, suchten wir dort Unterschlupf. Tania trank dort ein Tripel mit 10 % Alkohol — um sicher zu gehen, dass sie hinterher noch aufs Rad kommt, verdünnte sie es aber hinterher mit einem Bier, das nur 7 % hatte. So erreichten wir gut gelaunt gegen 15 Uhr einen Campingplatz nördlich von Frederikshavn — einem Riesenplatz mit allem drum und dran, sogar überdachte Sitzgelegenheiten für Camper wie uns, die nicht über beheizte Wohnwagen mit geräumigen Vorzelten verfügen.

Übersetzen über das Langerak

Übersetzen über das Langerak

Tags darauf wurde der Wind wieder stärker, kam aber wieder aus einer für uns günstigen Richtung. Wir setzten unseren Weg Richtung Süden fort bis nach Hals Strand Camping, etwas nördlich der Mündung des Limfjordes in das Kattegat.

Artgerecht seziert: Räucheraal in Ulbjerg

Artgerecht seziert: Räucheraal in Ulbjerg

Aalborg ist für uns immer eine Reise wert, daher war die Stadt unser nächstes Etappenziel. Nach dem Übersetzen über das Langerak, wie der Limfjord östlich von Aalborg heißt, bekamen wir einen Vorgeschmack auf das, was an den nächsten Tagen folgen sollte: Kräftiger Gegenwind. Wir waren froh, dass wir zunächst nur rund 35 km davon hatten. In Aalborg kehrten wir in Søgaards Bryghus ein, wo es wieder ein paar neue Biere gab. Auf dem Campingplatz in Aalborg machten wir auch Bekanntschaft mit Elvira und Wigmund aus Haugesund. Wigmund heißt eigentlich Sigmund, aber er hatte nur noch wenige Zähne, daher bereitete ihm die Aussprache des „S” einige Probleme …

Geradeaus so weit das Auge reicht: Ehemalige Eisenbahnstrecke

Geradeaus so weit das Auge reicht: Ehemalige Eisenbahnstrecke

Nach einem Ruhetag in Aalborg (und pflichtgemäßem Besuch der Cask-Beer-Bar „The Wharf” am zweiten Abend unseres Aufenthaltes) machten wir uns auf in Richtung Südwesten. Wir hatten zunächst überlegt, noch weiter an der Ostküste Jütlands nach Süden zu fahren, z.B. nach Århus, aber die Aussicht auf anhaltende Westwinde, die wir später auf rund 150 km Strecke gen Westen gehabt hätten, und schlechtes Wetter im mittleren und südlichen Jütland bewogen uns zu der Entscheidung, lieber im Norden zu bleiben und gleich in Richtung Westen aufzubrechen. Somit stand uns ein ganzer Tag bei heftigem Gegenwind bevor. Zeitweise verlief der Wanderradweg auf ehemaligen, zu Radwegen umgebauten Eisenbahnstrecken. Diese boten durch Bäume und Büsche guten Schutz vor dem Wind und hatten nur geringe Steigungen. Da es aber kilometerweit nur geradeaus ging, war es auf diesen Wegen auch recht eintönig. Am Ende waren wir froh, nach rund 75 km den Campingplatz in Ulbjerg erreicht zu haben. Immerhin hatten wir noch einen Schnitt von 17,8 km/h erzielt, gemessen allerdings nur während der Zeit, wo wir uns auch bewegten. Insgesamt brauchten wir 6,5 Stunden an diesem Tag.

Halbwegs windgeschützt: Platz in Nørre Vorupør

Halbwegs windgeschützt: Platz in Nørre Vorupør

Am nächsten Tag mussten wir unser Zelt nass einpacken, denn es hatte nachts und früh morgens geregnet. Der Wind wehte schwach bis mäßig aus Südwest, so dass wir uns zeitweise über Rückenwind freuen können. Diese Freude wurde durch die teilweise heftige Morphologie getrübt, aber wo es bergauf geht, geht es auch wieder bergab — auf einer längeren, geraden Strecke erreichten wir unseren neuen „All-Time-Rekord” von 62,6 km/h. Bei der Tour de France sind die Radler ja ähnlich schnell unterwegs, aber bei denen habe ich noch nie einen Anhänger gesehen 🙂 Am Ende des Tages erreichen wir den Campingplatz von Nykøbing/Mors; wir hatten wieder über 70 km auf der Uhr.

Kleine Stärkung unterwegs

Kleine Stärkung unterwegs

Nach einem weiteren Tag mit vielen Höhenmetern, aber nur 56 km Entfernung, erreichten wir die Westküste bei Agger. Das Wetter war abends sehr regnerisch, so dass wir froh waren, dass der Campingplatz über gute Facilities verfügte. Von nun an lagen nur kurze Distanzen vor uns; wir fuhren langsam aber sicher in Richtung Hirtshals. Von Agger ging es nach Nørre Vorupør. Der Platz dort ist nett gelegen — mitten in den Dünen, teilweise mit Meerblick, aber wegen des starken Windes zogen wir es vor, auf einem windgeschützten Platz zu zelten. Von Nr. Vorupør ging es ins nur 31 km entfernte Thisted. Hier gibt es eine kleine Brauerei, die ein paar gute Biere im Programm hat, die man im Nordwesten Jütlands so gut wie überall kaufen kann. Genannt seien hier Porse Guld, ein helles, etwas stärkeres Bier, das mit den Blättern des Gagelstrauches gewürzt wird, Limfjordsporter, ein starkes Porter, sowie das Stenøl 5, einem sehr malzigen Bier, in dessen Würze glühendheiße Steine getaucht werden. Dadurch karamellisiert der in der Würze enthaltene Zucker an der Steinoberfläche; während der Lagerung wird dieser Zucker wieder im Bier gelöst und trägt mit süßlichen Röstaromen zum Aroma des Bieres bei. Da wir noch viel Zeit bis zu unserer Rückreise hatten, legten wir in Thisted wieder einen Ruhetag ein.

Weiter ging es nach Klim Strand, wo es eigentlich nichts außer einem riesen Campingplatz gibt, der über Restaurant, Supermarkt, Schwimmbad und einer Wellness-/Spaabteilung verfügt. Nun gut, brauchen wir alles nicht wirklich. Von Klim ging es nach Blokhus, wo wir abermals einen Tag Pause einlegten. Das Wetter wurde nun endlich sommerlich. Blokhus verfügt u.a. über einen englischen Pub. Man gibt sich dort Mühe, auch Biere abseits von Carlsberg/Tuborg/Royal anzubieten, allerdings scheinen diese nicht so richtig zu laufen, denn sie schmeckten nicht mehr ganz frisch.

Am Strand von Blokhus

Am Strand von Blokhus

Wer Blokhus sagt, muss natürlich auch Løkken sagen. Daher ging es am nächsten Tag für zwei Nächte in den nur 23 km entfernte Touristenort. Da die Entfernung so kurz war, befuhren wir Strecken, die wir mit bepacktem Tandem sonst eher meiden: Unbefestigte Wege durch die sogenannten Klitplantagen, den waldähnlichen Gebieten, die man vor rund 200 Jahren in den Dünen angelegt hat, um Sandflucht zu vermeiden. Auf den sandigen Wegen sackten wir mit unseren schmalen Reifen ein gutes Stück ein, so dass wir nur langsam voran kamen. Ab Grønhøj fuhren wir sogar am Strand, mussten allerdings zwischendurch schieben, weil der Sand zu locker war.

Leuchtturm von Rubjerg Knude

Leuchtturm von Rubjerg Knude

In Løkken blieben wir abermals zwei Nächte — wir wollten unbedingt vermeiden, in Hirtshals übernachten zu müssen. Am zweiten Tag unseres Aufenthaltes in Løkken unternahmen wir — zur Abwechslung ohne Gepäck — eine kurze Radtour zur größten Wanderdüne Europas, Rubjerg Knude und dem dazugehörigen Strandvogtmuseum. Hin- und Rückweg waren dabei allerdings länger als die Einzeldistanzen an den vorherigen Tagen.

Geschafft: Zurück in Hirtshals

Geschafft: Zurück in Hirtshals

Am letzten Tag ging es dann nach Hirtshals. Bei bestem Wetter wollten wir es noch einmal wissen — auf den knapp 43 Kilometern schafften wir einen Schnitt von 23 km/h; nach weniger als zweieinhalb Stunden Fahrt erreichten wir unser Ziel.

Bis zur Abfahrt unserer Fähre um 20 Uhr blieb uns noch ausreichend Zeit, uns eingehend mit der örtlichen Gastronomie zu beschäftigen, allerdings ist die Auswahl beschränkt.

Als Radfahrer kamen wir wieder als erste an Bord. Nachdem wir geduscht und im Bordrestaurant gegessen hatten, durch den Taxfree-Shop gegangen waren und unser erstes Bier in der Bordbar tranken, konnten wir nur mitleidig auf die Autoschlange am Anleger schauen — die letzten Fahrzeuge waren noch immer nicht an Bord 🙂

 
 
 

Unsere gefahrene Strecke kann hier nachvollzogen werden (bitte hineinzoomen, um Details zu sehen):

20 Jahre Tandembrauerei

In diesen Tagen feiern wir das zwanzigjährige Bestehen der Tandembrauerei, oder Tandembryggeri, wie wir unsere Nanobrauerei heute nennen. Wir nehmen das als Anlass, ein bisschen zurück zu blicken.

Damit ging es los: Das erste Brauset

Damit ging es los: Das erste Brauset

Angefangen hat alles damit, dass wir seinerzeit in der Universität Bremen Zugang zum Internet bekamen, und einer der ersten Begriffe, nach denen wir suchten, war natürlich „Bier”. Schnell fanden wir heraus, dass man Bier auch selber machen kann; so bestellten wir bei einem Versand in Oldenburg unsere erste Brauaustattung und ein Brauset.

In der Küche: Brauen mit Malzextrakt anno 1996

In der Küche: Brauen mit Malzextrakt anno 1996

Die ersten Brauversuche verliefen vielversprechend, auf jeden Fall schmeckte das Resultat schon irgendwie nach Bier. Dennoch brauten wir in den ersten Jahren nicht besonders häufig.

Frühes Etikett: Bahndammbräu

Frühes Etikett: Bahndammbräu

Das änderte sich mit unserem Umzug nach Norwegen — norwegische Bierpreise und deutscher Durst passen irgendwie schlecht zusammen. Daher waren wir froh, dass wir bereits über Ausstattung und Know-how verfügten. Wir brauten zunächst, wie auch schon in Deutschland, auf Malzextraktbasis. Dabei mischt man ein sirupartiges Malzextrakt mit etwas Wasser, kocht es kurz auf, verdünnt das Ganze mit kaltem Wasser und fügt Hefe hinzu. Nach zehn Tagen ist das Bier fertig zum Abfüllen. Vorteil bei dieser Methode: Man braucht nur wenige Gerätschaften und es geht sehr schnell. Nachteil: Die Anzahl der braubaren Biersorten ist beschränkt und man hat keinen Einfluss auf die Malzmischung.

Bierabfüllung 2002 in Oslo

Bierabfüllung 2002 in Oslo

Nach ein paar Jahren war uns das zu wenig, daher kauften wir 2005 unsere erste All-Grain-Brauerei. Von nun war es uns möglich, jeden Bierstil zu brauen. Allerdings nutzten wir die neue Brauerei nicht allzu oft, da die Gegebenheiten in unserer Wohnung und später in unserem Haus nicht so optimal waren.

Neue Brauerei: Bierbrauen im Bad 2005

Neue Brauerei: Bierbrauen im Bad 2005

In der Zwischenzeit zog Tania nach Stavanger — Gäreimer und ein paar Flaschen Leergut gehörten natürlich zum Umzugsgut.

Als wir 2009 in unser Haus in Stavanger einzogen, verfügten wir endlich über einen Keller, in dem man gut Bier brauen kann. Im Jahre 2010 legten wir uns einen neuen Braukessel zu. Für uns war das wie eine Zeitenwende: Die Qualität der Biere hat sich verbessert, und dank größerer Kapazität sind wir nun in der Lage, uns komplett selbst mit Bier zu versorgen.

Es folgten Teilnahmen an Heimbrauwettbewerben, Schaubrauen und von uns durchgeführte Heimbraukurse; außerdem sind wir aktive Heimbrauwettbewerbsschiedsrichter und Mitglieder des (vorläufigen) Vorstandes von Norbrygg Rogaland.

Bierberwerter II

Menschen die an Bieren riechen

Menschen die an Bieren riechen

Vergangene Woche waren wir wieder eingespannt als Heimbrauwettbewerbsschiedsrichter. Zur Zeit läuft die diesjährige norwegische Meisterschaft im Heimbrauen, zu der teilnehmende Brauer ihre Wettbewerbsbiere an die jeweiligen Bewertungsteams in Oslo, Grenland, Grimstad, Stavanger, Bergen, Trondheim und Bodø geschickt haben. In Stavanger wurde in diesem Jahr die Klasse Imperial Pale Ale (IPA) bewertet. Dabei wurden die 54 eingeschickten Biere in acht ungefähr gleich große Gruppen aufgeteilt und dann von Teams aus jeweils drei bis vier Schiedsrichtern bewertet. Elf Biere haben es in das Klassenfinale geschafft. Wir waren am Dienstag bei einer der acht Vorentscheide dabei sowie am Donnerstag beim Klassenfinale, in dem schließlich das beste IPA gekürt wurde.

Berwertungsprotokoll

Berwertungsprotokoll

Die Qualität der Biere ließ insgesamt sehr zu wünschen übrig. Am Dienstag hatten wir es mit einigen Bieren zu tun, die wirklich nicht lecker waren. Unseren „Kollegen” erging es nicht viel anders. Am Donnerstag war es logischerweise besser, weil hier die jeweils besten Biere aus den Vorentscheiden aufeinander trafen. Auch wenn man von jedem Bier keine großen Mengen konsumiert, ist das konzentrierte und konstruktive Bewerten von elf Bieren, allesamt Starkbiere, schon eine kleine Herausforderung. Vier Stunden haben wir für das Bewerten der Finalbiere benötigt. In zwei Wochen, während des von Norbrygg veranstaltenden Heimbrauwochenendes, muss sich das siegreiche Bier dann noch im Finale gegen die übrigen Klassenbesten durchsetzen, um als bestes Heimbraubier 2016 gekürt zu werden.

Einmal Frühling und zurück

Enge Gassen: Gothisches Viertel

Enge Gassen: Gothisches Viertel

Vergangene Woche waren wir wieder in Barcelona. Tanias Arbeitgeber hält dort eine Wohnung bereit, die die Mitarbeiter gegen Zahlung eines relativ geringen Betrages mieten können — bereits im vergangenen Jahr haben wir von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Die Wohnung wird immer wochenweise an interessierte Mitarbeiter vergeben; bewerben sich mehrere Mitarbeiter um die gleiche Woche, entscheidet das Los. Wir hatten Glück — denn im Gegensatz zum letzten Jahr hatten wir in diesem Jahr gleich zwei Mitbewerber. So konnten wir zum zweiten Mal in Folge über Ostern nach Barcelona reisen. Wie im letzten Jahr hatten wir unsere Geschwister eingeladen; Birte und Thomas waren wieder dabei.

Überblick: Fahrt mit der Seilbahn

Überblick: Fahrt mit der Seilbahn

So wandelten wir bei milden 15-20 °C durch die engen Gassen des Gothischen Viertels, in dessen Nachbarschaft auch unsere Wohnung liegt, nahmen die Seilbahn, die über den Hafen führend auf den Stadtberg Montjuïc führt oder flanierten am schon recht gut bevölkerten Stadtstrand entlang.

Nah am Wasser gebaut: Barcelonas Stadtstrand

Nah am Wasser gebaut: Barcelonas Stadtstrand

Hauptaugenmerk galt aber wieder den vielen interessanten Mikrobrauereien und Pubs mit ihren Bieren, die die Stadt zu bieten hat. Natürlicher Startpunkt war dabei BlackLab, eine Mikrobrauerei mit Restaurant, nur rund 500 m von unserer Wohnung entfernt. Das Essen dort war in diesem Jahr nicht so der Hammer, die Biere dafür umso mehr. Speziell Tania fand Gefallen an Sour Lady, einer Berliner Weiße, gebraut mit Passionsfrucht, wie wir aus einer kleinen Fachsimpelei mit dem Brauer erfuhren.

Gute Stimmung bei gutem Bier: Garage Beer

Gute Stimmung bei gutem Bier: Garage Beer

Gleich zwei Mal ließen wir uns bei Garage Beer blicken. Die Mikrobraurei gibt es erst seit knapp einem Jahr. Sie ist so erfolgreich, dass bereits eine neue, größere Brauerei gebaut werden muss. Die Palette der gebrauten Biere kann sich sehen lassen. Ansonsten gab es gute Biere auch bei BierCab, Mikkeller, Kælderkold und Ale&Hop, wo wir ein seltenes Imperial Porter von Lervig aus Stavanger fanden.

Donnerstag ging es dann wieder nach Hause; statt sonnigen zwanzig Grad haben wir jetzt wieder frische sechs, aber dafür regnet es auch 😉

Staatlicher Bierdealer

Als anspruchsvoller Biertrinker hatte man es nicht leicht in Norwegen. Aufgrund der rigiden Alkoholpolitik im Lande müssen alkoholische Getränke, die mehr als 4,7 vol.-% Alkohol enthalten, in den staatlichen Vinmonopol-Läden vertrieben werden. Obwohl die Läden den Namen Vinmonopol tragen, gibt es dort natürlich auch starkes Bier und Spirituosen. Je nach Vinmonopol-Filiale sah das Bierangebot jedoch mehr oder weniger kümmerlich aus, vermutlich je nach Interesse des jeweiligen Filialleiters gegenüber dem Thema Bier.

Im Ølmonopol: Hoffentlich eine gute Wahl getroffen

Im Ølmonopol: Hoffentlich eine gute Wahl getroffen

Bis vor ein paar Jahren mag das noch OK gewesen sein — schließlich gab es nur ein paar norwegische und ausländische Starkbiere, die dort verkauft wurden. Aber seitdem vor rund 15 Jahren die Craft-Bier-Welle das Land traf, war das Angebot im Vinmonopol ungenügend und alles andere als kundenfreundlich.

Das alles ist jetzt anders. Seit vergangenen Freitag gibt es die ersten zwei Ølmonopol-Läden in Norwegen. Und überraschenderweise steht einer der beiden Läden in Sandnes, einer Kleinstadt rund 15 km südlich von Stavanger! Der Name Ølmonopol ist ein wenig missweisend, handelt es sich doch um ansonsten normale Vinmonopolläden, die lediglich über eine erweiterte Bierabteilung verfügen.

Im Kühlschrank bleibt es länger frisch: APA, IPA, Pils & Co.

Im Kühlschrank bleibt es länger frisch: APA, IPA, Pils & Co.

Aber diese Erweiterung kann sich sehen lassen: Rund 550 verschiedene Biere sollen stets angeboten werden, und alle zwei Wochen wird ein Teil des Angebotes ausgetauscht. Die Biere sind ordentlich nach Stilrichtungen sortiert und nicht etwa nach Brauereien, Herkunftsländern oder Flaschengröße. Biere, bei denen es ein bisschen auf ordentliche Lagerung ankommt, stehen in Kühlschränken.

Dementsprechend war die Resonanz groß: dreißig bis vierzig Bierverrückte standen morgens Schlange, ehe sich um zehn Uhr die Türen öffneten. Ein besonders seltenes Bier, von dem es nur 15 Flaschen gab, war nach dreißig Sekunden ausverkauft.

Wir ließen es da etwas ruhiger angehen und fuhren erst nach Feierabend zum Biereinkaufen; es war immer noch genügend Bier da, so dass wir auch noch etwas abbekamen 😉

Der Keller

Als wir im Mai dieses Jahres entdeckten, dass wir wieder Mitbewohner im Keller hatten, war für uns klar, dass wir dieses Mal eine größere Renovierung vor uns haben würden. Bereits 2011 hatten wir ja Ratten im Keller — damals hatten wir keine gefangen, aber in diesem Jahr waren uns zwei Stück in die Falle gegangen.

Los geht's!

Los geht’s!

Somit begann ich während Tanias Dienstreisen nach Spanien im Juni, einen Teil unseres Kellers auseinander zu nehmen. In dem betroffenen Kellerraum, unserem Serverraum und Werkstatt, ist die Grundmauer mit Spanplatten verkleidet gewesen. Direkt an der Mauer befand sich eine Kunststoffabdeckung; der Hohlraum zwischen dieser Abdeckung und der Spanplatte war mit Steinwolle isoliert, und hier hatten es sich die Ratten gemütlich gemacht.

Nachdem die Spanplatten entfernt waren, war deutlich zu sehen, wie weit die Nager in die Wand eingedrungen waren. Die Rattenbehausung zog sich über mehrere Meter. Zum Glück haben die Ratten sich auf den Keller beschränkt und sind nicht weiter nach oben in die Decke zwischen Erdgeschoss und Keller gegangen.

Der Eingang, durch den die Ratten überhaupt ins Haus gekommen waren, war dann auch schnell gefunden: Ein ehemaliges Lüftungsloch, das in die Grundmauer eingelassen war, war nicht richtig dicht. Dazu muss man wissen, dass die Grundmauer bei unserem Haus im unteren Teil aus Natursteinen und darüber aus zwei parallelen Reihen Ziegelsteinen besteht. Zwischen den Ziegelsteinreihen befindet sich ein Hohlraum, in den Ratten und Mäuse beispielsweise von unten eindringen können. Durch das defekte Lüftungsloch ergab sich eine Verbindung zwischen diesem Hohlraum und unserem Keller. Der Schädlingsbekämpfer hat es mir so erklärt; es ist ein bekanntes Problem in den alten Häusern in Stavanger.

Für uns war klar, dass wir die Wand nicht wieder verkleiden würden. Zum einen schien es uns besser für die Mauer zu sein; sie war an manchen Stellen etwas feucht, nachdem wir die Verkleidung entfernt hatten. Kein Wunder, wegen der Kunststoffverkleidung stand es mit der Belüftung nicht zum Besten! Zum anderen haben wir etwas Platz durch die fehlende Verkleidung gewonnen. Abgesehen davon haben wir einen Raumteiler entfernt.

"Ich mach mich jetzt 'mal locker," dachte der Putz

„Ich mach mich jetzt 'mal locker,“ dachte der Putz

Beim Mauern und Verputzen der Kellerwand hat man sich vor hundert Jahren offensichtlich nicht so viel Mühe gegeben. Wasserwaage und Lot schien es damals in Stavanger noch nicht gegeben zu haben. Und der verwendete Mörtel bestand zum allergrößten Teil aus Sand und konnte sich nur leidlich der Schwerkraft widersetzen; demzufolge lag das meiste davon auf dem Boden. Somit haben wir den Restputz abgeklopft, anschließend wurde neu verfugt und verputzt — eine ganz neue Erfahrung, komplette Wände zu verputzen, bisher hatten wir es nur mit Ausbesserungsarbeiten an der Außenseite der Grundmauer zu tun. Wir waren ziemlich erstaunt, wie viel Zement man so braucht — rund 90 kg Trockengewicht waren es.

Da durch die fehlende Verkleidung mit Spanplatten der Kellerraum um ca. 20 cm in Länge und Breite gewachsen ist, mussten wir auch die Verkleidung der Kellerdecke erneuern. Ähnliches galt am Boden; dort mussten wir in mühsamer Arbeit noch alte Farbe vom Beton kratzen. Offensichtlich hatten wir dort Farbe verwendet, die nicht sehr atmungsaktiv war; durch aufsteigende Feuchtigkeit war ein Großteil bereits abgeplatzt, aber das verbliebene „Kleinteil” haftete dann doch noch ganz gut!

Zu guter Letzt musste alles neu gestrichen werden, ehe es an die Inneneinrichtung ging. Wir entschieden uns für die praktischen Kellerschränke von Ikea, die uns jede Menge Stauraum und eine große Arbeitsplatte bringen würden. Dadurch wurde der Arbeitsplatz in der Heimbrauerei gleich viel ergonomischer, weil jetzt die meisten Gerätschaften dort aufbewahrt werden, wo sie beim Brauen benötigt werden. Allerdings war es nicht damit getan, die Möbel einfach zusammenzubauen und aufzustellen. Dadurch, dass der untere Teil unserer Kellerwand aus Natursteinen besteht, ist sie nun einmal nicht gerade — viele der Steine ragen relativ weit in den Raum hinein. Wir konnten die Schränke auch nicht beliebig weit von der Wand abrücken, weil unsere Waschmaschine, die auf einem in der Tiefe begrenzten gemauerten Sockel steht, in die Möbelzeile integriert werden sollte. Daher musste fast jeder Schrank noch einmal ordentlich mit der Stichsäge malträtiert werden, bis alles passte.

Der erste Schrank steht schon mal

Der erste Schrank steht schon mal

Und wo die Wand nicht eben gerade ist, ist der Fußboden nicht gerade eben! Sechzehn der zwanzig Metallfüße, auf denen die Schränke stehen, mussten abgesägt werden; die Länge variiert wegen des unebenen Fußbodens zwischen fünf und fünfzehn Zentimetern.

Die Elektroinstallation musste auch erneuert werden. Durch das Entfernen von Wand und Deckenverkleidung war der größte Teil der Steckdosen und Schalter eh verschwunden. Nun folgten auch noch die Steckdosen in dem Bereich des Kellers, der von der Renovierung eigentlich nicht betroffen war, damit es mit dem Rest zusammenpasste. Sie wurden von der Decke an die Wand verlegt. Nun haben wir in unserem „neuen Keller” zwölf Doppelsteckdosen — das sollte erst einmal reichen 😉

Nun ist das meiste erledigt. Inzwischen haben wir schon drei Mal in unserem neuen Keller gebraut, und langsam gewöhnen wir uns auch an die neuen Aufbewahrungsorte unserer Brauutensilien. Wir verfügen jetzt auch über einen Gärschrank, bei dem wir präzise die Temperatur steuern können, was beim Vergären ziemlich wichtig ist. Dabei handelt es sich um einen normalen Kühlschrank, der mit einer elektronischen Steuerung und einer kleinen Wärmeplatte versehen wurde; somit können wir dort kühlen oder heizen, je nach gewünschter Temperatur.

Bierreicher Herbst III

Tja, da isser wieder, der Herbst, und wieder gibt es so allerhand Biere zu trinken: An den letzten zwei Wochenenden fanden gleich zwei Bierfestivals in Stavanger und der näheren Umgebung statt, und wir waren selbstverständlich dabei. Zum einen, vor nun anderthalb Wochen, gab es das Ølfestival in Nærbø, einer Kleinstadt rund 40 km südlich von Stavanger, zum anderen lief zum zweiten Mal das lokale Bierfestival What’s Brewing vom Stapel.

Auftakt zum Bierherbst: Erste Geschmacksprobe

Auftakt zum Bierherbst: Erste Geschmacksprobe

Das Ølfestival in Nærbø findet seit 2009 regelmäßig alle zwei Jahre statt. Es wird von einem lokalen Bierklub in viel freiwilliger Arbeit organisiert; nur norwegische Brauereien werden zu diesem Bierfest eingeladen, und 25 von ihnen kamen. Schon zum dritten Mal bekamen wir zu diesem Anlass Besuch von unseren Freunden Anne und Frode aus Fredrikstad. Traditionell starten wir das Wochenende mit ein paar selbstgebrauten Bieren, ehe es dann abends ins Cardinal geht. Inzwischen hat sich zwar auch in Fredrikstad das Bierangebot verbessert — auch dort gibt es inzwischen eine ordentliche Mikrobrauerei — aber das Angebot im Cardinal ist so einfach eben nicht zu toppen. Am nächsten Tag geht es dann mit dem Zug nach Nærbø. Auf dem Festival bekommt man 0,1-l-Geschmacksproben von den angebotenen Bieren, zwischen 12 und 18 Uhr hat man Zeit, sich die besten Biere auszusuchen.

What’s Brewing, Stavangers „eigenes” Festival, ist ein kleines bisschen größer. Es wird unter anderem von Mitarbeitern der lokalen Lervig-Brauerei organisiert. In diesem Jahr waren 34 Craft-Beer-Brauereien aus 13 Ländern dabei; jede Brauerei brachte bis zu acht verschiedene Biersorten mit, so dass wir bei vermutlich über 250 verschiedenen Bieren (wir haben sie nicht gezählt) die Qual der Wahl hatten. Allein schon aus diesem Grund waren wir an beiden Festivaltagen dabei, zusammen mit rund 3000 anderen Besuchern.

Guter Dinge: Frode, Anne und Tania

Guter Dinge: Frode, Anne und Tania

Zum ersten Mal konnten wir auch Handwerksbier aus Deutschland auf diesem Festival probieren: Die Brauerei Buddelship aus Hamburg war mit acht guten Bieren vertreten. Über Hamburg hat man als Bremer ja so seine eigene Meinung, aber man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass die Stadt in Sachen Bierqualität nun in etwa mit Bremen auf Augenhöhe liegen könnte. Das ist natürlich nur eine Momentaufnahme.

Für What’s Brewing mussten wir uns wegen der hohen Anzahl an Bieren, teilweise von Brauereien, die wir noch nicht kannten, akribisch vorbereiten. An zwei Abenden vor dem Festival haben wir uns anhand einer Bierliste und des Internets über die angebotenen Biere informiert, so dass wir auf dem Festival selbst zielgerichtet vorgehen konnten und keine unnötige Zeit verplemperten. In diesem Jahr voll im Trend sind allgemein Sauerbiere, d.h. spontan vergorene Biere wie die belgischen Bierstile Lambic und Gueuze oder Flamish Red, aber auch, man höre und staune, Berliner Weiße und Gose. Bis noch vor rund zwei Jahren waren diese Biertypen so gut wie ausgestorben. In Berlin gab es nur noch eine Brauerei, die die Berliner Weiße braute, und bei der Leipziger Gose sah es ähnlich aus. Jetzt kann man, wie es aussieht, diese Biere sozusagen weltweit bekommen. Insofern trägt die globale Craft Beer Revolution dazu bei, auch alte Bierstile aus Deutschland neu zu beleben.

Volle Ausstattung: Tania beim Bierbewerten

Volle Ausstattung: Tania beim Bierbewerten

Schon in den Wochen vor What’s Brewing waren wir quasi an der Vorbereitung des Festivals beteiligt. Unser lokaler Brauzutatendealer, Bryggselv, hatte für What’s Brewing einen Heimbrauwettbewerb veranstaltet, und da Tania und ich seit Anfang dieses Jahres zertifizierte Heimbraubierwettbewerbsschiedsrichter sind, waren wir an jeweils zwei Abenden als solche eingeteilt, um die eingesandten Biere zu begutachten. Interessierte Heimbrauer konnten ihre Kreationen in zwei Klassen, Imperial Stout und Farmhouse Ale, einsenden. Bedingung war, dass neben Wasser, Malz, Hopfen und Hefe mindestens eine weitere Zutat beim Brauen verwendet werden musste. Beim Stout waren das gerne Dinge wie Schokolade, Kaffee oder Chili, beim Farmhouse Ale kamen häufig Früchte und Gewürze zum Einsatz. Dabei schoss so mancher Heimbrauer über das Ziel hinaus. Wir wissen jetzt zum Beispiel, dass Safran nicht so gut ins Bier passt.

In unserem Keller geht es brautechnisch auch langsam wieder voran. Nach einer langen renovierungsbedingten Braupause haben wir nun schon wieder drei Biere gebraut. Ein paar weitere werden in diesem Jahr wohl noch hinzukommen.