Zurück aus Dänemark

Seit zwei Tagen sind wir wieder in Stavanger, zurück von unserer Radtour in Dänemark. In diesem Jahr haben wir mit Tandem und Zelt einen Großteil des Limfjords umradelt (den Teil, den wir ausgelassen haben, kannten wir schon von unserer Tour von vor zwei Jahren).

Unser nächstes Auto: Mit außen angebrachten Zapfhähnen

Unser nächstes Auto: Mit außen angebrachten Zapfhähnen

Am 2. Juli ging es abends los zum 16 km entfernten Fähranleger Risavika, von wo aus wir mit der geliebten MS Bergensfjord nach Hirtshals in Dänemark starteten. Am nächsten Tag ging es von dort aus bei gutem Wetter zunächst nach Løkken, wo wir wieder das örtliche Brauhaus besuchten. Auch in diesem Jahr schmeckte das Bier dort gar nicht mal so gut. Unsere nächste Station hieß Attrup, ein kleines Kaff am Limfjord, aber mit gutem Campingplatz. Von dort aus ging es weiter nach Aalborg, für uns schon ein Höhepunkt der Radtour, denn dort findet sich der Braugasthof Søgaards. Da die Bierkarte dort sehr umfangreich ist, brauchten wir zwei Tage, um uns durch selbige zu trinken. Überraschenderweise trafen wir bei Søgaards auf eine Gruppe Radfahrer von den Danske Ølentusiaster, die in Jütland ein Radrennen der besonderen Art, nämlich von Brauhaus zu Brauhaus, unternahmen: Tour de Bière 2012. Unter ihnen ein bekanntes Gesicht: Odd Rune, den wir aus dem Cardinal kennen. Somit kamen wir gleich noch in den Genuss einer Brauereiführung.

Während wir bisher sehr gutes Wetter hatten, wurde es am zweiten Tag in Aalborg schlechter. Es regnete den ganzen Tag. Auch mein Handy wurde wohl nass, jedenfalls läuft es seitdem nicht mehr.

Geschafft: Draußen regnet's, wir sitzen im Trockenen in einer Hafenspelunke

Geschafft: Draußen regnet’s, wir sitzen im Trockenen in einer Hafenspelunke

Am nächsten Tag war es wieder trocken, obgleich während unserer Tour nach Løgstør die Wolken tief am Himmel hingen und es so aussah, als würde es jederzeit wieder beginnen zu regnen. Doch je weiter wir nach Westen kamen, umso besser wurde das Wetter; abends schien wieder die Sonne. Am nächsten Tag ging es auf die Insel Fur, angeblich die schönste Insel Dänemarks. Das Wetter war fast schon zu gut — die Sonne schien den ganzen Tag und es wehte kaum Wind. Auf Fur gibt es nicht nur ein Brauhaus, das ordentliches Bier braut, sondern auch ein kleines bisschen Geologie. An verschiedenen Stellen ist dort der für die Gegend typische Moler aufgeschlossen, ein Sedimentgestein bestehend aus Diatomeenresten und Ton. Eingelagert sind Lagen vulkanischer Asche. Durch Gletscherbewegungen während der letzten Eiszeit ist das Gestein verformt und gefaltet worden.

Da Fur so wunderwunderschön ist, blieben wir gleich zwei Nächte dort. Das war auch gut so. Am zweiten Tag erkundeten wir die Insel ein wenig, und dabei riss an unserem Tandem der Schaltzug. Der Schaden konnte aber schnell behoben werden, und zwar so schnell, dass wir es vor dem herannahenden Unwetter schafften, in einer Hafenkneipe unterzukommen :-)!

Am nächsten Tag fuhren wir von Fur aus bei kräftigem Südwestwind über Nykøbing/Mors an die Nordspitze der Insel Mors, Feggesund, wo es einen Kro gibt, dem wir einen Besuch abstatteten. Die Spezialität dort: Gebratener Aal. Übernachtet haben wir auf dem Campingplatz von Sejerslev. Von dort aus ging es am nächsten Tag weiter an der Westküste Mors‘ entlang bis nach Nees, wo wir die Fähre nach Thy nahmen. Unterwegs waren einige Höhenmeter zu bewältigen, so dass wir sogar den Berggang einlegen mussten. Nach einer Mittagspause in Hurup begann es stark zu regnen; nun ging es in Regenzeug weiter. Wir fuhren bis Vilsund, einem ganz kleinen Ort, wo es noch nicht einmal einen Supermarkt gibt. Zum Glück für uns gibt es aber einen tiptop Campingplatz, wo wir unter einem großen Vordach unsere nassen Klamotten trocknen konnten. Nachts kamen weitere Regenschauer, aber im Zelt blieb alles trocken.

Kompilierte Karte, bestehend aus den GPS-Aufzeichnungen von Tanias Handy

Kompilierte Karte, bestehend aus den GPS-Aufzeichnungen von Tanias Handy

Am nächsten Tag fuhren wir über Thisted ins schöne Øsløs. Unterwegs kehrten wir in den Kro von Østerild ein und bestellten uns dort Mittagstisch. Wir hätten es lieber bei smørrebrød belassen sollen, denn die Portionen waren so reichhaltig, dass wir sie nicht bewältigen konnten. Mein Burger hatte 200 g, Tanias Schnitzel war so groß wie der halbe Teller, dazu gab es reichhaltige Beilagen, und bezahlt haben wir fast nichts. Nun gut, wir mussten für den Rest des Tages nichts mehr essen.

Der Campingplatz von Øsløs ist eine Erwähnung wert, weil er wohl der schlechteste Platz war, den wir hatten. Von der Anlage her war der Platz in Ordnung, aber die sanitären Einrichtungen waren alt, schmuddelig, in schlechtem Zustand. Hinzu kommt, dass an fast jeder Wand „Empfehlungen” für die Benutzung derselben klebten. Auf dem Damenklo war der Hinweis zu lesen, dass drei Blatt Papier für das kleine Geschäft ausreichen würden; im Aufenthaltsraum wuchsen grüne Algen an der Wand, wohlgemerkt innen…

Platz mit toller Aussicht, aber vielen Zecken: Hirtshals

Platz mit toller Aussicht, aber vielen Zecken: Hirtshals

Schnell weg, hieß es also für uns am nächsten Tag. Der Limfjord war soweit umrundet, aber wir hatten noch eine gute Woche Zeit, bis unsere Fähre zurück nach Stavanger gehen sollte. Uns zog es zurück an die Nordsee, auf den Platz Tranum Klit. Nach der Pleite auf dem letzten Platz hatten wir uns aus dem Campingplatzverzeichnis extra einen guten Platz ausgesucht. Wir wurden nicht enttäuscht, der Platz war wirklich super. Leider war das Wetter nicht so gut, aber der Platz verfügte über einen gemütlichen Aufenthaltsraum, so dass wir nicht nur im Zelt hocken mussten.

Nach drei Nächten in Tranum fuhren wir bei wieder besserem Wetter nach Hjørring, wo wir den örtlichen Braugasthof besuchten. Die letzte Etappe unserer Tour führte uns zurück nach Hirtshals, wo wir drei Nächte blieben. Dort kennen wir jetzt jeden Stein…

Am Ende standen 770 km auf unserem Tacho, bis auf den gerissenen Schaltzug pannenfrei bei Mensch und Material.

 

Deutsche Angler aufgepasst!

Denn jetzt geht’s euch an den Kragen! Der norwegische Zoll hat in diesem Sommer verstärkt deutsche Touristen, und dabei vor allem „Männer in Anglerwesten” im Visier. In einem Artikel von Aftenposten wird — nicht ohne Schadenfreude — dargelegt, wie der Zoll eine fünfköpfige Anglertruppe aus Stuttgart filzt. Zitat:

Sie haben absolut alles dabei für eine dreiwöchige Angeltour nach Norwegen: Fertiggekochte Kartoffeln, Würstchen, Eier, Brot, Klopapier und vor allem zu viel Bier und Wein.

Zwei Monate haben sie für die Tour nach Fosen in Trøndelag gespart. Heute morgen rollten sie am Hjortneskai an Land — und gingen dem Zoll ins Netz.

„Habt Ihr zu viel Bier, Schnaps oder Wein?” fragt der Zöllner Paul Ask von der Zollregion Oslo und Akershus.

Die Antwort kommt etwas murmelnd: „Tja, wir haben wohl etwas zu viel dabei, aber wir sind ja auch drei Wochen unterwegs, und der, der uns die Hütte und das Boot leiht, möchte auch gerne ein kaltes Bier zum EM-Finale trinken. Außerdem sind wir ja auch zu fünft…”

Als der Zöllner die Persenning des Anhängers öffnete, offenbarte sich ihm eine imponierende Fracht an Lebensmitteln, ordentlich um eine Kühltruhe drapiert. Außerdem tauchten 16 Weinkartons, 50 Liter Bier, aber „nur” 6-7 Flaschen Hochprozentiges auf.

Nachdem die gesetzlich erlaubte Quote (1 l Schnaps, 1,5 l Wein, 2 l Bier) plus einem kleinen Ferienrabatt abgezogen war, musste jeder der fünf noch 360 Euro an Strafe bezahlen, bevor die Reise fortgesetzt werden durfte…

Ein kleiner Tipp: Alkohol darf durchaus verzollt werden, das ist immer noch billiger, als ihn in Norwegen zu kaufen. Mehr Infos gibt’s beim norwegischen Zoll.

Wer hätte das gedacht: Deutschland billig, Norwegen teuer

Nun haben wir es amtlich: In einer Studie des Statistischen Bundesamtes, in der das Preisniveau in verschiedenen Ländern Europas verglichen wurde, kam heraus, dass es sich in Deutschland vergleichsweise günstig leben lässt. Demnach liegen die Lebenshaltungskosten in Deutschland 3,4 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Abgesehen von Polen und Tschechien ist es in den Nachbarländern Deutschlands deutlich teurer: In Österreich liegen die Preise 6,7 Prozent über dem EU-Schnitt, in den Niederlanden 8,0 Prozent, in Frankreich 10,7 Prozent und in Belgien 11,8 Prozent. Das teuerste EU-Land ist Dänemark; dort liegen die Lebenshaltungskosten 42,2 Prozent über dem EU-Schnitt. Und Norwegen? Klar, wir haben noch mehr zu bieten, hier sind es 50,7 Prozent. Kleiner Trost: In der Schweiz ist es noch teurer (61,8 Prozent).

Schaubrauen und mehr

Braumagd Tania beim Abwiegen des Malzes

Braumagd Tania beim Abwiegen des Malzes

Ein anstrengendes Wochenende liegt hinter uns — es war wieder Stadtfest in Bryne (Jærdagene 2012). Bereits im letzten Jahr hatten wir unsere Brauutensilien zum Schaubrauen dorthin verfrachtet, und in diesem Jahr waren wir auch wieder dabei, nur, dass unser Engagement in diesem Jahr etwas stärker ausfiel.

Zum einen hatten wir bereits am 1. Mai mit dazu beigetragen, dass am Wochenende ein extra für das Stadtfest gebrautes Bier ausgeschenkt wurde, zum anderen hatten wir Selbstgebrautes zum Probieren dabei. Außerdem halfen wir tatkräftig beim Bierausschenken aus..

Die halbe Woche nutzten wir für die Vorbereitung auf das Wochenende: Da wir sowohl am Freitag als auch am Sonnabend brauen wollten, mussten wir ausreichende Mengen an Bierhefe und Gärfässern zur Hand haben. Daher wurde bereits am Pfingstwochenende ein Hefestarter angesetzt. Am Dienstag füllten wir 50 l Kölsch ab — wir brauchten das Gärfass und die Hefe, die sich im Laufe der Gärung darin absetzte, für das nächste Bier. Mittwoch schroteten wir das Malz und wogen die übrigen Zutaten wie Hopfen, getrocknete Apfelsinenschale und Koriandersamen ab. Am Donnerstag füllten wir unser Auto mit Braukessel, Zutaten, Gärfässern, Schläuchen, Kabel, Werkzeug und allem anderen, was man so brauchen könnte, und am Freitagmorgen (wir hatten uns extra freigenommen) ging es los nach Bryne. Wir legten noch einen kleinen Abstecher zur Brauerei Lervig ein, um dort ein wenig Hefe (eigentlich ein wenig mehr Hefe) für unseren Brauerkollegen Olav abzuholen. Olav braut in der 250-l-Klasse, entsprechend mehr Hefe benötigt er.

Der Brauknecht am Braukessel

Der Brauknecht am Braukessel

Gegen zehn Uhr morgens waren wir in Bryne, und wir legten gleich los mit dem Aufbau unserer Brauerei und dem Brauen unseres ersten Bieres, einem belgischen Witbier. Das ist im Prinzip ein Weizenbier, das die bereits erwähnten Apfelsinenschalen und Koriander enthält; diese Zutaten sorgen für ein fruchtig-würziges Aroma (das bekannteste Witbier dürfte das von Hoegaarden sein). Während unser Bier vor sich hin braute, halfen wir mit beim Bierausschenken. Der Andrang hielt sich am Freitag noch in Grenzen, dennoch waren gut beschäftigt, den Leuten das Besondere von Villskot, dem für das Stadtfest in Bryne gebrauten Bier, zu erklären.

Die Idee für dieses Bier kam von Olav, der ein Bier brauen wollte, das möglicherweise typisch war für das auf Bauernhöfen der Region gebrautes Bier vergangener Zeiten — Bier, das in großen Mengen an die Landarbeiter ausgeschenkt wurde. Aus diesem Grund finden sich neben Hopfen und Malz aus heutiger Sicht exotische Zutaten wie Schafgarbe, Birkenblätter, Holunder und Giersch. Früher wurden diese Zutaten häufig als Ersatz für Hopfen verwendet, an den man in Norwegen nicht immer leicht herankam. Als Hefeart wurde Brettanomyces verwendet, eine Art Wildhefe, die für ein leicht fruchtig-säuerliches Aroma verantwortlich ist.

Präsentation unseres selbstgebrauten Bieres

Präsentation unseres selbstgebrauten Bieres

Am späten Nachmittag konnten wir, zusammen mit zwei weiteren Heimbrauern, im Rahmen einer geschlossenen Veranstaltung selbstgebrautes Bier präsentieren. Die Teilnehmer bekamen Geschmacksproben ausgeschenkt und wir Brauer mussten kurz beschreiben, um was für ein Bier es sich handelt. Wir präsentierten unser „Meisterschaftsbier” — das Bier, mit dem wir bei der Norwegischen Heimbraumeisterschaft antraten und von dem wir noch recht viel haben. Wir bekamen viel positives Feedback (sind halt alles freundliche Menschen hier ;-)).

Wir übernachteten bei Olav; dort wurde viel Selbstgebrautes aufgetischt, entsprechend feuchtfröhlich verlief der Abend. Am Sonnabend ging es wieder früh zum Festgelände, wo wir ein weiteres Bier brauten, ein Kölsch. Bei gutem Wetter war der Besucherandrang und das Interesse für Bier enorm, wir hatten alle Hände voll zu tun, um die durstigen Besucher zu versorgen. Am späten Nachmittag war unser neues Bier gebraut und wir packten unsere Sachen zusammen und fuhren nach Hause. Nachdem wir zwei Tage im wahrsten Sinne des Wortes auf den Beinen waren und auch so einiges geschleppt hatten, waren wir froh, zuhause zu sein und noch einen weiteren freien Tag zu haben.

Verdient: Feierabendbier, natürlich selbstgebraut

Verdient: Feierabendbier, natürlich selbstgebraut

Den verbrachten wir mit damit, weiter an unserem Haus zu malen. Bereits über Pfingsten, als das Wetter so gut war, hatten wir begonnen, den Anstrich an unserem Haus auszubessern. Nun ist es zwar nicht mehr so warm, aber immer noch trocken — das müssen wir natürlich ausnutzen.

Endlich!

Der April war von den Durchschnittstemperaturen her kälter als der März, und der Mai war auch nicht besser: Der 17. Mai war der kälteste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Stavanger (die allerdings erst 1943 begonnen haben), und bis vor zwei Tagen haben wir noch voll geheizt.

Seit gestern aber der Umschwung, auf einmal konnten wir auf Handschuhe und lange Radlerhose auf unserer morgendlichen Fahrt zur Arbeit verzichten, und jetzt in diesem Moment sind es 25 °C — draußen! So viel gutes Wetter auf einmal, das ist äußerst selten in Stavanger, und: Es soll wohl so bleiben!

Tolle Aussichten: Das Wetter für die nächsten neun Tage

Tolle Aussichten: Das Wetter für die nächsten neun Tage

Nun gut, bei den Temperaturen geht es wieder etwas abwärts, aber wir wollen mal nicht meckern!

Nationaler Feiertagsglanz in der Steingata

norwegische Flagge Heute ist nicht nur Himmelfahrt, sondern auch 17. Mai! Soll heißen, Norwegens Nationaltag, der Grundgesetztag, wird heute überall im Land gefeiert. Dadurch, dass diese beiden Feiertage zusammen fallen, geht uns in diesem Jahr natürlich ein freier Tag abhanden, aber wer wollte darüber meckern, wenn, gewissermaßen als Entschädigung, der Spielmannszug des hiesigen Erstligafußballclubs Viking FK einen schmissigen Marsch blasend durch die eigene Straße marschiert?

Wie schön! Zumindest spielten die Musikanten besser als die Fußballer es meistens tun, und dann noch bei diesem Wetter: Regen, 5 °C. Mehr zum Thema „17. Mai” gibt’s bei den Kollegen von ZBiO 😉

Renovieren … oder: Brauen bei den Profis

Seit Sonntag sind wir mehr oder weniger engagiert dabei, unser Treppenhaus zu renovieren: Die Treppe zum Dachboden war bisher mit PVC gepflastert; der Belag ist inzwischen entfernt, nun müssen noch Kleberreste entfernt werden und die Stufen lackiert werden. Ansonsten sollen alle Wände gestrichen werden.

Doch schon am Sonntag legten wir eine kleine Pause ein — das Wetter war super, daher zogen wir es vor, in der Sonne Bier zu trinken, anstatt drinnen Staub zu schlucken!

Gestern waren wir viel in Baumärkten unterwegs, um fehlende Materialien zu beschaffen. Abends ging es zum Heimbrauer- und Bierenthusiastentreff ins Cardinal. Die Teilnehmerzahl gestern Abend schlug alle Rekorde — die gesamte 2. Etage war belegt, schätzungsweise 100 Teilnehmer waren dabei! Wir hatten uns überlegt, für diesen Abend unser Meisterschaftsbier mitzunehmen, also das Bier, mit dem wir bei der norwegischen Heimbraumeisterschaft teilgenommen hatten. Insgesamt neun Liter hatten wir dabei, so konnte jeder eine Geschmacksprobe bekommen.

Heimbraukollege Olav fragte uns gestern Abend, ob wir Lust hätten, heute mit ihm zusammen ein Bier bei Lervig, der lokalen („richtigen”) Brauerei in Stavanger, zu brauen. Lust hatten wir natürlich schon, aber wir wollten doch unsere Treppe schleifen, so wurde also nichts daraus. Noch am gleichen Abend entschieden wir uns um und sagten selbstverständlich zu!

So radelten wir heute morgen die wenigen Kilometer in den Stadtteil Hillevåg zu Lervig. Als wir ankamen, waren Olav und Mitbrauer Frode sowie Brauer Charles Magne von Lervig schon dabei, das Wasser für das Einmaischen zu erwärmen. Gebraut wurde auf der Testbrauerei von Lervig, die eine Kapazität von 800 Litern hat — das ist schon ’ne andere Hausnummer, als die 50 Liter unserer Kellerbrauerei.

Das Bier, das heute gebraut wurde, wird Anfang Juni während der Jærdager in Bryne ausgeschenkt werden, einem Ort ca. 30 km südlich von Stavanger (im letzten Jahr haben wir dort schaugebraut), und es ist ein spezielles Bier: Olav ist bekannt dafür, (nicht nur für deutsche Biertrinker) ungewöhnliche Zutaten zu verwenden. Neben den üblichen Verdächtigen Wasser, Malz und Hopfen fanden u.a. Birkenblätter, Holunderblüten und Schafgarbe den Weg in den Sud. Aber: Wir haben ein vergleichbares Bier bereits getrunken, es schmeckt „anders”, aber sehr gut und reich an Aromen.

Wir haben dabei natürlich nur Handlangerarbeiten ausgeführt, wie Malzsäcke schleppen, Birkenblätter zupfen und den heiligen Brauereiboden wischen. Das Bedienen der Brauerei war logischerweise dem Brauer von Lervig vorbehalten.

Nachmittags gegen drei war das Brauen beendet. Wir haben den sonnigen Tag mit einigen Selbstgebrauten auf der Terrasse ausklingen lassen. Vielleicht ist ja morgen Gelegenheit, mal die Treppenstufen zu schleifen…

Bier läuft super!

Bier läuft super — klar, das war jetzt kein überraschendes Statement von uns. Im heutigen Posting geht es allerdings nicht um Durchflussmengen unserer eigenen Zapfanlage im Keller, sondern um den Bierdurchsatz im Cardinal, unserer Stammkneipe und Norwegens bestem Bierlokal.

Vor ein paar Tagen veröffentlichte Stavanger Aftenblad Statistiken über den Getränkeausschank in der Stadt. Alle Gaststätten müssen einmal im Jahr ihre Umsatzzahlen an die Gemeinde melden, die dann die Schanksteuer berechnet. Dabei kam heraus, dass im vergangenen Jahr 8,3 % mehr Bier, 9,3 % mehr Wein und 7,2 % mehr Branntwein verkauft wurden als 2010.

Beim Bierumsatz erreichte Cardinal den 4. Platz, beim Weinumsatz einen souveränen 1. Platz. Das überrascht auf den ersten Blick, man muss aber dabei wissen, dass „steuertechnisch” alle Getränke mit einem Alkoholgehalt zwischen 4,7 und 22 % in die Weinklasse eingestuft werden. Dadurch, dass die meisten Biere im Cardinal mehr als 4,7 % Alkohol enthalten, wird Cardinal zum größten Weindealer der Stadt.

Im Zeitungsartikel unterstreicht der Inhaber vom Cardinal, dass es für ihn momentan gute Zeiten sind: „Wir haben den Umsatz im vergangenen Jahr um 26 % gesteigert. Innerhalb von sechs Jahren haben wir den Umsatz verfünffacht. An einem durchschnittlichen Montag verkaufen wir heutzutage für 10.000 Kronen mehr als an einem durchschnittlichen Sonnabend vor sechs Jahren!” Ein weiteres Wachstum lässt sich kaum noch erreichen: „Jetzt ist es im Großen und Ganzen voll an den am meisten belebten Wochentagen. Unsere Möglichkeit liegt darin, die Auslastung an den Wochentagen von Montag ab zu verbessern.”

Addiert man die Bier- und „Wein”verkäufe vom Cardinal, kommt man auf die Summe von 145.500 Litern — im Schnitt knapp 400 Liter pro Tag. Das ist schon eine beachtliche Menge! Mit den Biervorräten, die wir im Keller lagern, könnten wir das Cardinal nur einen halben Tag versorgen…

Im Spätsommer werden wir vermutlich selbst dazu beitragen, die Vorräte im Cardinal zu erhöhen. Wir sind gefragt worden, ob wir nicht Lust hätten, im Cardinal ein Heimbrauseminar für interessierte Bierenthusiasten anzubieten, inklusive Brauen vor Ort — wir haben zugesagt.

Und abwärts!

Auf Norwegens winterlichen Straßen sorgen vor allem ausländische LKW immer wieder für Aufsehen, da sie gerne ohne passende Ausrüstung (Winterreifen, Schneeketten) angerollt kommen. Viele bleiben dann bereits bei kleinsten Steigungen liegen. Dass auch am Haken eines Abschleppwagens noch so einiges schief gehen kann, zeigt dieses spektakuläre Video aus Nordnorwegen (nördlich von Mosjøen):

Der Fahrer des LKW überlebte und liegt mit schweren Knochenbrüchen im Krankenhaus.

Zurück aus der Hauptstadt

Am vergangenen Wochenende traten wir die Reise nach Oslo zur langersehnten Norwegischen Meisterschaft im Heimbrauen an. Am Freitagmorgen ging es los, bepackt mit knapp 80 Litern selbstgebrautem Bier und dem dazugehörigen Zapfgeschirr.

Da geht's runter: Blick aus unserem Hotelzimmer in der 9. Etage

Da geht's runter: Blick aus unserem Hotelzimmer in der 9. Etage

In Oslo angekommen führte uns unser Weg zunächst zu einem unserer Zutatenlieferanten, bryggselv.no. Hier konnten wir unsere Bierfässer zur Kühlung im Kühlraum übernachten lassen. Außerdem hatten wir dort eine größere Bestellung zur Abholung aufgegeben — auf diese Weise sparten wir die Frachtkosten.

Danach ging es weiter in unser zentrumsnah gelegenes Hotel. Praktisch: Auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegt die Schouskjelleren Mikrobryggeri, eine Gasthausbrauerei, die sich in den historischen Kellergewölben der ehemaligen Schous Brauerei befindet.

Das Wetter in Oslo war sehr frühlingshaft, die Sonne schien und es war recht warm. Dementsprechend waren Straßen, Plätze sowie Kneipen und Restaurants, die Sitze im Freien anzubieten hatten, sehr belebt. Auf der Suche nach einem Restaurant sahen wir vermutlich so viele Menschen, wie Stavanger Einwohner hat. Wir merkten schnell, dass wir wieder in Oslo waren, einer richtigen Stadt eben. Unser Essen nahmen wir schließlich im Olympen in Grønland ein. Den Rest des Abends verbrachten wir bei sowohl gutem als auch nicht ganz so gutem Bier in der Schouskjeller Mikrobryggeri. Hier konnten wir uns bei gedämpftem Licht gut mental auf den kommenden Wettbewerbstag vorbereiten 😉

Perfekter Schaum: Nøgne Ø Sunturn Brew

Perfekter Schaum: Nøgne Ø Sunturn Brew

Am nächsten Morgen schafften wir es gerade noch rechtzeitig, bis elf Uhr unser Frühstück im Hotel einzunehmen. Offensichtlich waren wir nicht die einzigen Brauer, die dieses Hotel zum Übernachten nutzten, anhand ihrer Trikots konnte man die anderen leicht erkennen. Nachmittags gegen 14 Uhr ging es dann zunächst zu bryggselv.no, um unsere gut gekühlten Fässer abzuholen. Danach fuhren wir zur Kanonhalle, dem Veranstaltungsort. Ab 15.00 Uhr konnten wir dort unseren Stand aufbauen.

Unsere Bierfässer isolierten wir mit Isomatten aus Schaumstoff, die wir um die Fässer wickelten. Unser Stand war schnell hergerichtet. Wir hatten schwarzen Stoff als Tischtuch, etwas Hopfen und Malz sowie ein paar Bierflaschen und ausgedruckte Logos unserer „Brauerei” als Dekoration. Außerdem hatten wir noch laminierte A7-Ausdrucke unseres Bierrezeptes ausliegen. Tania hatte in der letzten Woche etwa zweihundert davon in geduldiger Handarbeit mühevoll mit dem Skalpell zurechtgeschnitten.

Zwischen 17 und 19 Uhr war für uns Aktive Gelegenheit, gegenseitig unsere Biere zu probieren. Insgesamt gab es mehr als hundert verschiedene. Zu diesem Zeitpunkt waren schon rund 200 Leute anwesend — Brauer wie wir, die ihr Bier anboten sowie Leute, die an der Organisation beteiligt waren. Ab 19 Uhr strömten ca. 430 weitere Besucher in die Halle, und von da ab gab’s keine Pause mehr.

Pausenlos schenkten wir Geschmacksproben unseres Bieres aus. Wir redeten uns den Mund fusselig; erklärten, wie unser Bier gebraut wurde und forderten die Besucher auf, für unser Bier zu stimmen. Irgendwie war das Ganze wie eine Mischung aus Speeddating und Wärmedeckenverkaufen.

Für uns überraschend kam unser Bier sehr gut an. Wir selbst waren ja eigentlich nicht so zufrieden mit diesem Bier, dennoch bekamen wir sehr viel positives Feedback, so dass wir schon früh das Gefühl hatten, hier geht heut‘ noch was!

Am späteren Abend war dann klar, dass unser Bier von den Anwesenden auf Platz 23 (von mehr als 100) gestimmt wurde. Damit waren wir (als einzige Brauer aus der Stavanger-Region) unter die Top 30 gekommen und konnten als Prämie ein nagelneues 9-l-Fass mit nach Hause nehmen. Diese Fässer sind in Heimbrauerkreisen durchaus begehrt, da sie gebraucht (anders als die 18-l-Fässer, die wir sonst verwenden) fast nicht zu bekommen sind.

In der Flaschenbierwertung kam unser Bier nicht unter die Top 3 unserer Bierklasse. Die genaue Platzierung kennen wir noch nicht. Anders als bei der Besucherwertung wurden die Flaschenbiere von mehreren geschulten Bewertungsrichtern beurteilt. Die Konkurrenz war dort noch größer — mehr als 300 Biere wurden zur Bewertung eingeschickt. Ausgerechnet das Gewinnerbier konkurrierte mit unserem in der gleichen Klasse.

Gegen Mitternacht war das Spektakel vorüber. Danach hieß es noch abbauen, alles im Auto verstauen und dann mit der T-Bane zurück zum Hotel. Von unserem Bier haben wir noch reichlich, rund 27 Liter haben wir ausgeschenkt.

Inzwischen schmieden wir schon Pläne für das nächste Jahr, denn soviel ist sicher: Wir kommen wieder!

Bierporno

In Norwegen herrscht eine strengere Alkoholgesetzgebung als in Deutschland. So gibt es zum Beispiel seit 1975 ein Verbot für jegliche Form von Werbung für alkoholische Getränke, und über die Einhaltung dieses Verbotes wacht das norwegische Gesundheitsamt. Allerdings treibt dieses Verbot zuweilen seltsame Blüten.

Obszön: Nackte Biergläser

Obszön: Nackte Biergläser (Foto: Bryggeriforeningen)

Den norwegischen Brauereien ist es beispielsweise untersagt, auf ihren Internetseiten über ihre Produkte zu informieren, da dies bereits unter das Reklameverbot fällt. Kurioserweise darf auch über alkoholfreies Bier nicht informiert werden. Bekanntlich gibt es im Internet keine Grenzen, „Produktinformationen” ausländischer Brauereien sind nur ein paar Mausklicks entfernt. Die heimischen Brauereien beklagen daher eine gewisse Wettbewerbsverzerrung.

Andersherum gibt es in den Tageszeitungen regelmäßige Biertests. Kaum ein Blatt, das nicht im November das beste Weihnachtsbier kürt. Ähnliche Tests gibt es im Frühjahr und im Sommer, wenn es um Påskeøl (Osterbier) und Sommerøl geht. Die Brauereien wiederum dürfen nicht einmal auf ihren Webseiten auf entsprechende Biertests in den Onlinezeitungen verlinken — verbotene Alkoholreklame. Auch die staatlichen Monopolläden für Alkohol, in denen alle Getränke, die mehr als 4,75 % Alkohol enthalten, verkauft werden müssen, sparen nicht an ausführlichen Produktinformationen, wie z.B. über Aass Bock. Da fragt man sich wirklich, warum die Brauereien diese Informationen nicht anbieten dürfen.

Gesetzeskonform: Produktinformation bei drikkeglede.no

Gesetzeskonform: Produktinformation bei drikkeglede.no (Foto: Bryggeriforeningen)

Vergangene Woche traf es drikkeglede.no, die Website der norwegischen Brauerei- und Getränkehersteller. Dort wird u.a. darüber informiert, welches Bier zu welchem Essen passt. Die Webseiten sind illustriert mit Abbildungen gefüllter Biergläser.

Damit ist nun Schluss. „Gefüllte Biergläser” = verbotene Alkoholreklame. Entsprechende Abbildungen waren unter Androhung eines Tagessatzes von 25.000 Kronen umgehend von den Webseiten zu entfernen. Drikkeglede.no hat nun alle Abbildungen von Biergläsern mit einem schwarzen Balken versehen — hier &#8222Pornobalken” genannt, weil in norwegischen Pornos bis vor wenigen Jahren die Geschlechtsteile mit schwarzen Balken verdeckt werden mussten.