Coronakonsequenzen

Seit einer Woche ist nicht mehr viel los in Norwegen – wie im vorherigen Posting bereits beschrieben, sind viele Unternehmen geschlossen. Wir sitzen seit vergangenem Freitag, wie viele andere im Land, im Homeoffice und üben unseren Job über das Internet aus. Gelegentlich haben wir über das Internet Meetings mit Kollegen. Für uns läuft das alles gut – wir könnten noch eine Weile so weiterarbeiten.

Ansonsten sieht es aber nicht so gut aus im Land, insbesondere, wenn man die wirtschaftlichen Folgen betrachtet.

Der Ölpreis, der einen großen Einfluss auf die norwegische Wirtschaft hat, hat sich innerhalb eines Monates mehr als halbiert, und liegt nun bei 28 US-$ per Barrel. Mit dem Ölpreis steigt oder fällt auch der Kurs der norwegischen Krone. Gestern kostete ein Euro rund 13 Kronen – zum Jahreswechsel musste man nur rund 10 Kronen für einen Euro bezahlen. Der Grund für den niedrigen Ölpreis ist allerdings nicht nur die nachlassende Nachfrage aufgrund der globalen Corona-Krise, sondern auch die Uneinigkeit über Förderquoten zwischen Saudi-Arabien und Russland. Heute gab es Gerüchte, dass die USA versuchen würden, Saudi-Arabien zu niedrigeren Förderquoten zu überreden. Kein Wunder, denn bei derartig niedrigen Ölpreisen lohnt sich die Förderung aus den meisten Schieferölvorkommen in den USA nicht mehr. Daraufhin zogen Ölpreis und Kronekurs wieder ein wenig an.

Die Arbeitslosigkeit in Norwegen hat sich innerhalb einer Woche mehr als verdoppelt. Dazu muss man wissen, dass es zwar auch hier einen Mechanismus wie Kurzarbeit gibt, allerdings werden davon betroffene Arbeitnehmer als arbeitslos betrachtet. Hier ein paar Zahlen:

  • 50 % aller Betriebe hat Kurzarbeit eingeführt. Dennoch erwägen knapp 80 % der Betriebe, Kurzarbeit einzuführen oder auszuweiten
  • 28 % aller Betriebe erwägen Entlassungen
  • 28 % aller Betriebe haben Liquiditätsprobleme

Die norwegische Arbeitgeberorganisation NHO meint, die Arbeitslosigkeit sei seit der Wirtschaftskrise in den 1930-er Jahren nicht so hoch wie heute gewesen.

Besonders betroffen ist natürlich die Reisebranche, insbesondere die Luftfahrtunternehmen. Momentan sieht es sehr stark nach einem Konkurs der norwegischen Fluggesellschaft Norwegian aus. Aber auch bei der Konkurrenz, der skandinavischen Fluggesellschaft SAS, sieht es nicht viel besser aus.

Ich schätze mal, da kommt noch einiges auf uns zu; die Sache ist ja noch längst nicht ausgestanden.

Aber wo Schatten ist, ist auch Licht! Viele Leute scheinen jetzt ordentlich Zeit zu haben, zumindest vermelden die Heimbrauläden im ganzen Land, dass sie die Auftragsflut kaum bewältigen können – mit mehreren Tagen Lieferzeit ist zu rechnen! Das hatten wir erwartet, und haben uns schon letzte Woche ausreichend bevorratet; und im Gärtank gären rund 50 l Pils 😉

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