Der Fernerkundler

Ich weiß auch nicht genau, wie ich da nun wieder hineingerutscht bin, aber seit knapp einem Monat bin ich beruflich mit dem Thema Fernerkundung befasst — neben meinen übrigen Aufgaben an der Universität, versteht sich.

Anfang August war ich mit meinem Kollegen Néstor im spanischen Alicante, um dort ein bisschen mit unserem neuen unbemannten Luftfahrzeug, im Volksmund auch Drohne genannt, herumzufliegen. Ziel meines Einsatzes war es, mit der an der Drohne befestigten Kamera bestimmte Gesteinsformationen so zu fotografieren, dass aus den Fotos ein zusammenhängendes Panorama in 3D hergestellt werden konnte. Mit Hilfe dieser 3D-Modelle wollen nun Néstor und sein spanischer Kollege Iván von der Universität in Alicante strukturgeologische Modelle erstellen.

Der Drohnenbändiger

Der Drohnenbändiger

Unser Tagesablauf sah ungefähr so aus: Morgens gegen acht Uhr holte uns Iván mit dem Uni-Geländewagen von unserem Hotel ab. Meistens fuhren wir rund eine Stunde, ehe wir im Gelände waren und ich loslegen konnte, mit der Drohne die Aufschlüsse abzufliegen. Da wir zur Zeit nur über drei Batterien für das Fluggerät verfügen, war die Gesamtflugzeit auf maximal eine Stunde begrenzt. Danach ging es also wieder zurück zum Hotel, wo ich zum einen die Batterien eine nach der anderen wieder auflud und zum anderen aus den Fotos, die wir während der Flüge am Vormittag gemacht hatten, an meinem Notebook 3D-Panoramen erstellte (für diesen Zweck gibt es natürlich passende Software). So konnte ich auch schnell feststellen, ob ich von den interessanten Gebieten ausreichend Fotos gemacht hatte, so dass später im Panorama keine Lücken auftauchen.

Nach einem kleinen Mittagessen in einer der vielen Tapasbars Alicantes ging es nachmittags gegen 15:00 Uhr mit frisch aufgeladenen Batterien zum zweiten Mal ins Gelände, wieder für rund eine Stunde. Nach der Rückkehr zum Hotel dann wieder das gleiche Spiel: Aufladen der Batterien und Erstellen der 3D-Panoramen. Mit einer Unterbrechung durch das Abendessen mit Néstor war ich so häufig bis Mitternacht beschäftigt.

Am letzten Tag wurden die 3D-Modelle dann einigen Professoren an der Uni Alicante vorgestellt — alle waren erstaunt über die Qualität der Modelle und vor allem darüber, wie schnell man sich mit Hilfe einer relativ günstigen Drohne einen recht genauen Überblick über das Gelände verschaffen kann.

Am Wegesrand: Lidar in Aktion

Am Wegesrand: Lidar in Aktion

Nach meiner Rückkehr nach Stavanger hatte ich einen Tag, um Schmutzwäsche aus- und frische Wäsche einzupacken, denn ich musste weiter nach Griechenland. Die Drohne blieb dabei zuhause, denn dieses Mal nahm ich unseren gerade erst im Juni gelieferten Lidar-Scanner mit. Ein Lidar ähnelt von der Funktionsweise her einem Radargerät, nur dass statt elektromagnetischen Wellen Lichtwellen (Laserstrahlen) verwendet werden, um die Umgebung abzutasten.

Bereits im April war ich in Griechenland Teilnehmer einer Exkursion, bei der auch eine Gruppe von der Universität Heidelberg teilnahm. Die hatten damals einen in etwa baugleichen Lidar dabei, so dass ich eine Einführung in die Handhabung des Gerätes bekam. Dieses Mal war ich mit zwei unserer Professoren sowie drei Masterstudenten und zwei Doktoranden vor Ort. Nun musste ich zum ersten Mal alleine das Gerät bedienen. Klar, dass nicht alles auf Anhieb klappte, aber nach rund einem Tag Herumprobieren und Handbuchlesen hatte ich den Dreh in etwa heraus. Mit meinem kleinen geliehen Geländewagen war ich fortan in der Umgebung des Ortes Kalavryta unterwegs, um für die Wissenschaftler und Studenten wichtige Gesteinsformationen zu scannen.

Das Auto in der Nähe...: Scannen am Gipfel

Das Auto in der Nähe…: Scannen am Gipfel

Das Scannen selbst ist ein im Vergleich zum Drohnenfliegen eher ruhiger Prozess — Adrenalinschübe bekommt man da jedenfalls nicht. Vielmehr ist eine genauere Planung vor dem eigentlichen Scannen erforderlich, zum Beispiel bei der Auswahl der optimalen Scanposition. Ansonsten ist das kein Job für halbe Hähne — der Koffer, in dem Scanner, eine Batterie und ein paar Kabel untergebracht sind, wiegt satte 30 kg. Hinzu kommen noch 10 kg für das Stativ. Daher liegen die meisten Scanpositionen komischerweise dort, wo man gut mit dem Auto hinkommt 😉

4 Kommentare

    • Na ja, wie gesagt, nicht mit dem Lidar, da geht es dann eher um so spannende Dinge wie die Batteriespannung. Aber ich könnte dir Videoaufnahmen zeigen von spektakulären Landeanflügen mit der Drohne wo die da so um Haaresbreite an Hindernissen vorbeischubbert — da muss man dann schon mal in der Lage sein, auch mal Entscheidungen zu treffen, und das u.U. auf engstem Raum, der dann eben auch, weil wir hier vom Fliegen reden, gerne auch mal dreidimensional ist. Aber wem erzähl ich das, ist beim Tauchen ja nicht viel anders…

    • Aber hallo! Habe ich schon von dem afrikanischen Taxifahrer erzählt, der mich vom Flughafen aus nach Hause gefahren hat? Der hat natürlich versucht, den schweren Lidar-Koffer in seinen Prius zu wuppen (die Ladekante ist bei dem Wagen aber auch sehr hoch). Der Arme hatte eher die Statur eines Marathonläufers (nichts für ungut, H. & E.), und wie in einem schlechten Film konnte er im ersten Versuch den Koffer nicht einmal anheben. Soviel dazu. Nee ja aber klar, hab ja lange genug dafür trainiert, oder?

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