Bierreicher Herbst V

Zugegeben – die Überschriften zu unseren Postings im Herbst sind nicht gerade originell, aber was soll’s, sie beschreiben doch recht deutlich, worum es in den vergangenen und kommenden Wochen so geht.

„Bierreich” bezieht sich vor allem auf zweierlei: Zum einen zieht die Bierproduktion der Tandembrauerei im Herbst nach der üblichen Sommerpause wieder merklich an, zum anderen ist der Herbst die Saison der lokalen Bierfestivals.

Den Start machte das Heimbraufestival Heimabrygd in Bryne, einer Kleinstadt 30 km südlich von Stavanger. Die Tandembrauerei nahm am Festival zwar nicht teil, aber ich war verantwortlich für Organisation und Durchführung der Bierbewertung. Rund 35 Biere mussten im Laufe eines Nachmittags bewertet werden und drei Gewinnerbiere bestimmt werden. Mit insgesamt 13 Heimbrauwettbewerbsschiedsrichtern war das aber kein Problem 😉 Nach getaner Arbeit hatten wir dann Gelegenheit, als Gäste am Bierfestival teilzunehmen und die übrigen Biere zu probieren. Dabei gab es ein paar interessante Biere, u.a. ein IPA und ein Imperial Stout, beide mit gebraut mit Mangopüree. Mango passte seht gut zu beiden Bieren, überraschenderweise.

Im beschaulichen Nærbø, ca. 40 km südlich von Stavanger gelegen, findet alle zwei Jahre das Nærbø Ølfestival statt. Dabei handelt es sich um Norwegens ältestes Bierfestival, zu dem nur Brauereien aus Norwegen eingeladen werden. Das Festival findet in einer Sporthalle statt und die Atmosphäre dort ist sehr familiär. Häufig stehen die Brauer selbst an den Zapfhähnen, so dass die Gelegenheit da ist, mit ihnen etwas zu fachsimpeln. Seit Jahren ist es Tradition, dass uns unsere Freunde Anne und Frode aus Fredrikstad besuchen und wir gemeinsam nach Nærbø fahren.

Highlight des Herbstes war aber das Bierfestival What’s Brewing, das in Stavanger stattfand. Passenderweise besuchten uns Birte und Thomas, die seit geraumer Zeit ebenfalls selbst Bier brauen und gerne das eine oder andere Craft-Bier probieren, so dass wir gemeinsam an zwei Tagen das Festival besuchen konnten. Bei What’s Brewing handelt es sich um ein internationales Festival mit Handwerksbieren aus der ganzen Welt. In diesem Jahr waren sogar Brauereien aus China und Japan mit dabei. Aus Deutschland kam Mahrs Bräu aus Bamberg, die u.a. mit einem Kellerbier und einem hellen Bock aufwarteten. Ehrlich gesagt waren diese Biere sehr gut geeignet, sich nach dem Genuss etlicher Saisons, Fruchtbiere, Sauerbiere, IPAs und Stouts ordentlich zu „erden”. Dazu gab’s noch interessante Gespräche mit Stephan, dem Braumeister und Geschäftsführer von Mahrs.

Schnackt und schnackt und schnackt: Heimbrauwettbewerbsschiedsrichter
Schnackt und schnackt und schnackt: Heimbrauwettbewerbsschiedsrichter

Neu in diesem Jahr war die sogenannte BrewCon – eine kleine Konferenz für Heimbrauer, bei der ein paar (Profi-)Brauer, die wegen What’s Brewing eh in der Stadt waren, zu unterschiedlichen Themen Vorträge hielten. In diesem Rahmen habe ich einen kurzen Vortrag über das beurteilen von hausgebrauten Bieren gehalten.

Zwischen all diesen Bierfestivals gibt es dann immer wieder Veranstaltungen von Norbrygg, dem norwegischen Heimbrauerverein. So waren wir beispielsweise auf „Exkursion” bei einem Bauern (und Heimbrauer) in der Region, der angefangen hat, Braugerste anzubauen und der in Zukunft selbst vermälzen möchte. Das ist eine überaus komplexe (und nicht ganz billige) Angelegenheit. In Norwegen gibt es so gut wie kein Know-How dazu, weil Braumalz zu fast 100 % importiert wird. So musste erst einmal herausgefunden werden, welche Art Braugerste in unserem doch recht regenerischen und windigen Klima vernünftig wächst und gute Erträge liefert. Das Vermälzen ist auch kein Kinderspiel – hier muss ziemlich genau auf Temperaturen und Feuchtigkeit geachtet werden; Dinge, die man erst einmal herausfinden und dann auch umsetzen muss. Hinzu kommen nicht unwesentliche Investitionen.

Investiert hat auch die Tandembrauerei – erst gestern haben wir einen Drucktank bestellt, der es uns erlauben wird, unter Druck zu vergären und abzufüllen. Der Vorteil dabei ist, dass unser Bier nach Ende der Gärung fertig karbonisiert ist und bei der Abfüllung nicht mehr mit Luft/Sauerstoff in Berührung kommt. Eine Flaschengärung wird bei den meisten Bieren nicht mehr notwendig sein. Die Gleichung:

Steuerrückzahlung + Lohnerhöhung + bald(Geburtstag + Weihnachten) + Erlös vom Verkauf des alten Gärtanks

machte die Entscheidung leichter, die Investition zu tätigen 🙂

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