Abgeräumt!

Am Freitag haben wir an einem Heimbrauwettbewerb teilgenommen, dem Stavanger Øllag hjemmebryggerfestival. Rund 30 Biere traten in drei Klassen gegeneinander an, und das anwesende Publikum hatte die Aufgabe, die besten Biere zu bestimmen. Neben den besten Bieren in jeder Klasse musste auch das beste Bier des Abends gekürt werden. Unser ausgeschenktes Bier gewann sowohl die Klasse als auch den ersten Preis.

Wir haben schon eine ganze Weile nicht mehr an Heimbrauwettbewerben teilgenommen, bei denen das Publikum über das Ergebnis abstimmt, weil es dabei häufig zu verzerrten Ergebnissen kommt, wenn Heimbrauer einen Haufen Freunde im Publikum haben oder der Wettbewerb an sich nicht sauber organisiert ist — bei solchen Wettbewerben gewinnt nämlich nicht das beste Bier. Als wir von Mitgliedern der Stavanger Øllag, einem Bierklub in Stavanger, angesprochen wurden, ob wir nicht an deren Heimbraufestival teilnehmen wollten, waren wir zunächst skeptisch, wurden aber davon überzeugt, dass alles mit rechten Dingen zugehen würde.

Aufmerksamkeiterregend: Sweet Crude O' Mine

Aufmerksamkeiterregend: Sweet Crude O‘ Mine

So haben wir Ende Juli speziell für diesen Wettbewerb ein starkes Stout gebraut. Das Bier basiert auf einem Rezept aus dem Jahre 2014 — damals gewannen wir damit den 2. Platz beim What’s Brewing Bierfestival. Im Laufe der vergangenen Woche bereiteten wir uns akribisch auf den Wettbewerb vor: Der CO2-Druck in den Bierfässern wurde kontrolliert, Grafiken wurden angefertigt für Ausdrucke und den digitalen Bilderrahmen, der unseren Zapfkasten schmückt, und natürlich mussten wir unser Bier noch einmal probieren. Bereits am Donnerstag konnten wir unsere Bierfässer am Austragungsort, einer Sporthalle, abliefern, denn die Organisatoren hatten dafür gesorgt, dass die Wettkampfbiere über Nacht gekühlt werden konnten. Am Freitag schnappten wir uns unseren Zapfkasten, CO2-Flasche und unser obligatorisches Dekomaterial, wie z.B. etwas Hopfen und Malz. Ein paar Snacks wie Salzstangen und Erdnüsse durften auch nicht fehlen. Erstmals hatten wir auch eine Beschallungsanlage in Form eines Bluetooth-Lautsprechers dabei, der ununterbrochen Sweet Child O‘ Mine von Gun N‘ Roses abspielte. Dafür gibt es einen Grund, denn dieses Lied ist quasi der Namenspate für unser Bier, das den Namen Sweet Crude O‘ Mine trägt: Unser Stout ist recht süß und hat dazu eine samtig-ölige Konsistenz und ist schwarz, etwa wie Rohöl, auf Englisch crude oil.

Hinter den Kulissen: Unser Stand

Hinter den Kulissen: Unser Stand

Am Freitag waren wir um fünf Uhr nachmittags in der Halle, um unseren Stand vorzubereiten. Und um sieben ging es dann los, das Publikum strömte in die Halle. Knapp hundert interessierte Biertrinker kamen, um die heimgebrauten Biere zu probieren und zu bewerten. Dadurch, dass die teilnehmenden Biere in drei Klassen aufgeteilt waren und unser Bier der letzten Klasse zugeordnet wurde, hatten wir zunächst einen ruhigen Abend und konnten die übrigen Biere verkosten. So eine Teilnahme an einem Heimbrauwettbewerb ist auch für die Brauer interessant, zeigt es doch ein wenig, wo man qualitätsmäßig im Vergleich zu den anderen steht. Einige Biere waren dabei, die, wären sie von uns gewesen, wir nie einem breiteren Publikum angeboten hätten, und die Brauer waren auch noch stolz darauf 🙂

Alles klar: Ready to rumble!

Alles klar: Ready to rumble!

Am Ende gewann unser Bier mit großem Abstand sowohl die Klasse als auch die Gesamtwertung — darauf sind wir mächtig stolz, ist es doch das erste Mal, das wir wir mit einem unserer Biere einen Wettbewerb gewonnen haben! Und ordentliche Prämien gab es noch obendrein:

  • eine Jahresmitgliedschaft im norwegischen Heimbrauclub
  • je einen Warengutschein von den zwei hiesigen Heimbraugeschäften
  • einen Gutschein über 5000 Kronen bei einem Werbebüro
  • eine Brauereibesichtigung für sechs Personen bei der Lervig Brauerei

Abgesahnt: Prämienauswahl

Abgesahnt: Prämienauswahl

Soweit, so gut, aber das Geilste kommt jetzt: Unser Bier wird im nächsten Jahr bei der Brauerei Berentsens Brygghus in Egersund kommerziell gebraut und in Pubs und Restaurants, an die Berentsen liefert, ausgeschenkt! Hinzu kommt, dass ein lokales Biergeschäft, das erst in zwei Wochen öffnen wird, eine „Leichtbierversion” mit maximal 4,7 % Alkohol (das Original hat 9,3 %) vertreiben möchte. Dieses Bier soll bei der Jåttå Gårdsbryggeri in Stavanger gebraut werden. Das ist so ziemlich das Coolste, was einem Heimbrauer passieren kann, nämlich dass die eigenen Kreationen bei den Profis gebraut werden.

Um es gleich klar zu stellen: Wir werden da in keiner Weise ökonomisch partizipieren, das läuft für uns alles unter der Rubrik „Ruhm und Ehre”. Und das fühlt sich gut an.

Danke noch mal an Axl, Izzy, Slash & Co. für die Inspiration bei der Namensgebung 😉

7 Kommentare

  1. Ey, das ist ja super, klasse, spitze, endlich habt Ihr (bestimmt) verdient gewonnen!
    Ich gratuliere Euch und will dann gern eine der sechs Personen sein, die die Brauereiführung mitmacht.
    Da verblassen meine bescheidenen Erfolge … Habe heute die zehnte Tüte (à 30 g) Hopfen eingefroren. macht also 300 g Trockengewicht, ca. 1 kg Erntegewicht. Und das ist längst nicht alles, was uns der Cascade geliefert hat.
    Freitag waren die beiden jungen Braumeister*innen der Union-Brauerei da und haben für den heutigen Brautag frischen Hopfen gepflückt. Als ich am Ende sagte, dass ich dann aber auch mal das Bier probieren wolle, das damit gebraut werde, sicherten sie mir das natürlich zu und sagten auch, dass sie noch eine Kleinigkeit mitgebracht hätten. Wenig später klingelten mir 24 Flaschen in der Bierkiste entgegen und eine Flasche vom Festbier sowie ein Gutschein über € 25! Und das alles für vielleicht 200 g Hopfen. Die haben sich anständig bedankt, würde ich mal sagen.
    Und das Bierchen habe ich mir nach der ganzen Pflück-, Trocken- und Verpackungsaktion (immerhin zwei Tage) auch ehrlich verdient – das Belohnungsbier war dann allerdings das Atlantic Ale … (:-)
    Erholt Euch gut und nochmal: Congratulation & Prost!

    • Jo, äußerst großzügig von Union — von solchen Verhältnissen können wir hier nur träumen. Aber was machen die denn mit 200 g Hopfen? Brauen die so kleine Batches?? Hängt natürlich vom Bierstil ab, aber wir kämen da nicht besonders weit mit — für 50 l Weizen reicht es so gerade, aber unser amerikanisches Pale Ale hat insgesamt 520 g Hopfen verschlungen, und da reden wir von Pellets, die ja um einiges effektiver sind als frische Dolden.

      A propos Atlantic Ale — hier ist ein Beitrag über einen Heimbrauer, der einen Wettbewerb bei Störtebecker gewonnen hat, auch mit einem Imperial Stout: http://www.ndr.de/fernsehen/Zwischen-Hopfen-Malz-und-Richterrobe-,typisch1178.html

  2. Moin! Herzlichen Glückwunsch zu dieser herausragenden Leistung!
    Ich kenne den Geschmack von eurem prämierten Bier zwar nicht, aber es wird sicherlich wieder ein Farbtupfer auf der immer grauer werdenden Palette der kommerziellen Einheitsbiere sein.
    Ich trinke zwar am liebsten das normale Pils und verfüge sicherlich nicht über den feinsten Gaumen, aber ich bemerke doch, dass sich der Geschmack der einst so geliebten Biere verändert hat. Beck’s riecht beim Öffnen der Flasche nicht mehr so nach Beck’s wie früher und als ich vor wenigen Wochen auf Juist einige Gläser Jever getrunken habe, vermisste ich den sehr herben Nachgeschmack.

    Die Experten sprechen da wohl von einer immer weiteren Angleichung der ‚Fernsehbiere‘. InBev. Anheuser, Miller usw. sei Dank?!

    Schönen Gruß aus Lilienthal

    Hardy

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